Eine blonde Frau, singend, im Dirndl auf grüner Wiese, am Fuße der Alpen: Seit 60 Jahren prägt diese Filmszene, wie große Teile der Welt sich Bayern und Österreich vorstellen. Es ist die Szene, mit der der Hollywood-Klassiker "The Sound of Music" beginnt – und die auch im Eingangsbereich des neuen Museums in Salzburg auf großer Leinwand läuft.
"The Sound of Music" wurde 1965 in New York uraufgeführt und gehört mit fünf Oscars und zwei Golden Globes zu den erfolgreichsten Musicalverfilmungen der Kinogeschichte. Seit dem vergangenem Sonntag ist dem Film im Salzburger Schloss Hellbrunn nun sogar ein eigenes Museum gewidmet.
Hunderttausende Touristen wollen die Original-Drehorte sehen
Auch heute trifft man direkt vor dem neuen Museum auf Besucher, die extra aus den USA und China nach Salzburg gekommen sind, um einmal die Original-Drehorte ihres Lieblings-Films zu sehen. Fragt man sie, was sie an dem Film so lieben, sagt eine ältere Dame kurz: "Einfach alles". Ein Ehepaar aus Hong Kong wird da schon konkreter: die Kinder, die Lieder – und natürlich die wunderschöne Szenerie.
Tatsächlich wurde der Film nicht nur im Salzburg sondern auch im Berchtesgadener Land gedreht. Die ikonische Eingangsszene entstand etwa auf einer Wiese in Marktschellenberg vor dem Panorama des Untersbergs. Dennoch ist der Film in Bayern und Österreich bis heute erstaunlich unbekannt: "Wir kommen von der Küste, da kennen wir dat nich", frotzelt eine Stralsunder Reisegruppe. Und auch ein Österreicher muss erst länger überlegen, als er den Namen des Films hört: "Grundsätzlich gehört davon", sagt er dann. Sicher klingt er nicht.
Eine klassische Liebesgeschichte - bedroht von den Nazis
Die Handlung des Films ist schnell erzählt: Die junge Maria ist Novizin im Kloster, macht dort aber keine gute Figur. Sie wird deshalb von den Nonnen als Erzieherin zum strengen Baron von Trapp geschickt – denn der ist frisch verwitwet und braucht Hilfe, um seine sieben Kinder großzuziehen.
Was folgt, sei im Grunde eine klassische Liebesgeschichte, sagt Museumsdirektor Martin Hochleitner. Erst verliebten sich die Kinder in die neue Erzieherin, dann auch der Vater. Die Familie gründet einen Familienchor, gewinnt erste Wettbewerbe und lebt harmonisch – bis die Nazis Österreich an das Deutsche Reich anschließen. Als der Baron zur deutschen Kriegsmarine einberufen werden soll, entscheidet sich die Familie, in die USA zu fliehen.
Zwei Zielgruppen gleichzeitig erreichen
Das Museum will nun den Spagat schaffen und zwei Zielgruppen gleichzeitig ansprechen: die ausländischen Vollblut-Fans und die Einheimischen, die oft wenig bis gar nichts über den Film und seine Geschichte wissen.
Um das zu schaffen, ist die Ausstellung zweigeteilt: Die erste Hälfte befasst sich mit dem Film und seiner Rezeption, zeigt Original-Kostüme und Requisiten und sogar einen immersiven Pavillon mit Leinwand, in dem man sich quasi in den Film hineinbegeben kann. Der zweite befasst sich mit der Geschichte der echten Salzburger Familie von Trapp, zeigt Erinnerungsstücke aus deren Leben.
Den Kuratoren war es wichtig, auch mit einigen Fehlern des Hollywood-Materials aufzuräumen: So flüchte die Familie im Film zum Beispiel über den Untersberg, erzählt Direktor Hochleitner – und ist dann plötzlich in der Schweiz. Dabei liege der Salzburger Hausberg eigentlich an der Grenze zu Bayern. Aber Hollywood habe damals klar gesagt: "Uns interessiert Geografie nicht."
Salzburger im Museum? Noch Fehlanzeige
Bei den ausländischen Touristen scheint das Konzept gut anzukommen. Eine ältere Dame, ebenfalls aus den USA, ist den Tränen nahe – so sehr berühren sie die Requisiten und großformatigen Szenen aus dem Film, der sie schon ihr ganzes Leben begleitet. Auch das chinesische Paar vom Anfang ist begeistert – man hätte viel über die wahre Geschichte hinter dem Film gelernt.
Und die Salzburger? Die sind zumindest an diesem Tag im neuen Museum so gut wie nicht zu finden - bis auf eine Touristenführerin, die das Museum später ihren Kunden zeigen will. Aber wer weiß: Vielleicht trägt die neue Ausstellung ja auf längere Zeit dazu bei, dass auch die Einheimischen den Film für sich entdecken – als kuriose Geschichte darüber, wie Hollywood Österreich und Bayern erfand.
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