Jens Spahns Vorgehen hat eine breit gefächerte Debatte ausgelöst. Dabei geht es um das Für und Wider von Leihmutterschaften, aber auch um die Tatsache, dass Spahns Handeln als Privatperson nicht zu seiner Tätigkeit als CDU-Spitzenpolitiker passen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie fallen die Reaktionen im politischen Berlin auf Spahns Familienglück aus und braucht es eine neue Debatte über die Legalisierung von Leihmutterschaften? Darüber sprach BR24 mit dem BR-Hauptstadtkorrespondenten Jakob Mayr sowie Prof. Peter Dabrock, Theologe und Mitglied des Deutschen Ethikrats. Zudem äußerte sich mit Klaus Holetschek der erste prominente CSU-Politiker zur "Causa Spahn". Das Video finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Was geht uns eigentlich Jens Spahns Familie an?
Eigentlich ist das Kinderglück von Jens Spahn und seines Ehemann Daniel Funke Privatsache. Allerdings ist Spahn als führender CDU-Politiker eine Person des öffentlichen Interesses. Und er und sein Partner haben die Geburt ihres Sohnes selbst über soziale Medien öffentlich gemacht und sich breit dazu in einem Artikel der "Bild"-Zeitung geäußert.
Spahn hat gegen die Beschlusslage seiner Partei gehandelt, die Leihmutterschaften ablehnt, und er hat das deutsche Verbot von Leihmutterschaften umgangen, indem das Paar eine Leihmutter in den USA gesucht hat. Das macht die Angelegenheit zu einem Politikum. Politikerinnen und Politiker aus der CDU sowie von Grünen und Linken kritisieren Spahns Vorgehen.
Wie steht Spahns Partei CDU zu Leihmutterschaften?
Die CDU lehnt Leihmutterschaften ab und hat das zuletzt im Februar auf dem Parteitag in Stuttgart bekräftigt. Begründet wurde das mit ethischen, rechtlichen und praktischen Bedenken – auch gegenüber Modellen, wo die Leihmutter kein Geld bekommt. Nach Bekanntwerden von Spahns Vaterschaft hält die CDU daran fest, dass sich an der geltenden Rechtslage in Deutschland nichts ändern solle.
Als Spahn Bundesgesundheitsminister war, hat sein Haus im Frühjahr 2020 die Forderung der FDP nach einer zumindest teilweisen Legalisierung der Leihmutterschaft zurückgewiesen. Der Gesetzgeber habe durch das Verbot im Interesse des Kindeswohls die Eindeutigkeit der Mutterschaft gewährleisten wollen, erklärte das Ministerium unter Spahns damaliger Führung.
Wie ist die Rechtslage?
Das Verbot wird durch das Embryonenschutzgesetz geregelt. Demnach machen sich Medizinerinnen oder Mediziner strafbar, wenn sie eine Leihmutterschaft herbeiführen. Auch Vermittlungsagenturen machen sich strafbar. Wunscheltern und Leihmütter bleiben dagegen straffrei.
Viele Paare weichen deshalb auf Länder aus, wo Leihmutterschaft möglich ist. Dazu zählen bestimmte US-Bundesstaaten, Kanada oder Georgien. Weil Leihmutterschaften sehr teuer sind, können sich das nicht alle heterosexuellen Paare, die keine Kinder bekommen können, und nicht alle homosexuellen Paare mit Kinderwunsch leisten.
Wann und wie hat Spahn sein Familienglück öffentlich gemacht?
Der Zeitpunkt und die Art der Bekanntmachung sind bemerkenswert. Die Nachricht erschien einen Tag, nachdem sich Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz am Mittwoch in seiner Sommerpressekonferenz Fragen der Hauptstadtjournalistinnen und -journalisten stellte. Damit blieben Merz kritische Nachfragen zu diesem Thema erspart. Er sagte am Rande eines Staatsbesuchs am Donnerstag nur, dass Spahn ihn am vergangenen Freitag informiert und er Spahn gratuliert habe.
In einer "Bild"-Exklusivstory wird aus einer angeblichen persönlichen Nachricht des Paares an Freunde zitiert, in der Spahns Partner von sich aus mögliche Bedenken gegen die Leihmutterschaft aufgreift und diese zu entkräften versucht. Außerdem zitiert die "Bild" aus einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" mit einer Psychologin zu Fragen der Leihmutterschaft bei homosexuellen Paaren.
Könnte Spahn die Debatte politisch gefährlich werden?
Der Vorsitzende des CDU-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommerns, Daniel Peters, hat in der "Bild" Spahns Rücktritt als Unionsfraktionschef verlangt. Ansonsten fällt die Kritik aus den Reihen der Union eher verhalten aus. Merz sowie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) haben Spahn gratuliert, ebenso wie Politikerinnen und Politiker des Koalitionspartners SPD. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann wünscht Spahn und seiner Familie "alles Gute und Gottes Segen".
Klaus Holetschek, Fraktionsvorsitzender der CSU im Bayerischen Landtag, sekundiert Hoffmann, sagt aber auch: "Die CSU hält am Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland fest. Es geht um die Glaubwürdigkeit unserer Politik und das Werteverständnis der CSU." Er respektiere eine "private Entscheidung" und gratuliere Spahn und Daniel Funke, so Holetschek. Aber: "Politisch bleibt unsere Linie klar: Was in Deutschland verboten ist, bleibt verboten – und daran werden wir nicht rütteln."
Spahn ist als Vorsitzender der größten Regierungsfraktion nicht nur einer der mächtigsten Politiker in Berlin, sondern auch einer der wichtigsten für die schwarz-rote Koalition. Er ist maßgeblich verantwortlich dafür, dass Reformvorhaben auf den Weg gebracht und beschlossen werden. Spahn wurde im Frühjahr mit einem ansehnlichen Ergebnis im Amt bestätigt und genießt nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile breiten Rückhalt in der Fraktion. Allerdings hat er jetzt ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Bringt der Fall Bewegung in die Debatte über Leihmutterschaft in Deutschland?
Das CDU-geführte Bundesfamilienministerium hält am geltenden Verbot fest und verweist auf den Koalitionsvertrag, der keine Änderung der Rechtslage vorsieht. Die CSU hält die gesetzlichen Regelungen in diesem Bereich für gut begründet und sieht ebenfalls keinen Änderungsbedarf. Damit sind trotz der aktuellen Debatte vorerst keine neuen Beschlüsse zu erwarten.
ARCHIV (17.04.2026): Jens Spahn (r), Vorsitzender der Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag, und sein Ehemann Daniel Funke.
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