Bei den massiven Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und Umgebung hat Russland in der Nacht zum Sonntag zum dritten Mal eine Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik eingesetzt. Laut dem ukrainischen Präsidenten, Wolodymyr Selenskyj, war diese Rakete auf die Stadt Bila Zerkwa, rund 50 Kilometer südlich von Kiew, gerichtet. Das besondere daran: Diese Rakete ist atomwaffenfähig. Heftige Kritik kommt auch vom deutschen Bundeskanzler.
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Atomwaffenfähige Rakete: Einschüchterungstaktik?
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nannte das "nukleares Säbelrasseln". Wenn Russland auf die Region Kiew Mittelstreckenraketen des Typs Oreschnik abfeuere, die für atomare Sprengköpfe ausgelegt sind, sei das eine politische Einschüchterungstaktik, schreibt Kallas auf X.
Und sie analysiert, dass Russland auf dem Schlachtfeld in einer Sackgasse stecke und darum die Ukraine mit gezielten Angriffen auf Stadtzentren terrorisiere. Es gehe darum, so viele Menschen wie möglich zu töten.
Fast 700 Geschosse in einer Nacht
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte den Einsatz von vier verschiedenen Raketentypen, darunter der Hyperschallrakete Oreschnik. Bei den Angriffen kamen insgesamt 600 Drohnen und 90 Raketen an, wie die ukrainische Luftwaffe am Morgen meldete. 549 Drohnen und 55 Raketen habe man abfangen können. Nach Behördenangaben gab es in Kiew und Umgebung vier Tote und Dutzende Verletzte.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedauerte auf X, dass nicht alle ballistischen Raketen abgeschossen werden konnten. Drei russische Raketen seien gegen eine Wasserversorgungsanlage gerichtet gewesen, "ein Markt wurde niedergebrannt, Dutzende Wohnhäuser und mehrere normale Schulen wurden beschädigt".
Bundeskanzler Merz: "Rücksichtslose Eskalation"
Die Bundesregierung hat den Einsatz von atomwaffenfähigen Oreschnik-Raketen durch Russland im Ukraine-Krieg scharf kritisiert. "Die Bundesregierung verurteilt diese rücksichtslose Eskalation scharf", schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Sonntag im Onlinedienst X. "Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine."
Auch der französische Präsident Emmanuel Macron äußert sich auf X und verurteilt den Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und den Einsatz der Hyperschall-Rakete. Dies bedeute eine Eskalation und zeige die Sackgasse des russischen Angriffskrieges auf. Er bekräftigt zudem die Unterstützung Frankreichs für die Ukraine.
Oreschnik-Rakete fliegt über 5.000 Kilometer weit
Die Oreschnik-Rakete ist eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3.000 bis 5.500 Kilometern Entfernung erreichen kann. Laut Kreml-Chef, Wladimir Putin, ist es selbst für moderne Luftabwehrsysteme "unmöglich", die Rakete abzufangen.
Im Video: Russland greift mit Hyperschallrakete an
Zerstörtes Gebäude in der Ukraine.
ARD-Studio durch Druckwelle stark beschädigt
Bei den Angriffen auf Kiew ist auch das zentral gelegene Studio der ARD massiv beschädigt und in Teilen zerstört worden. Es ist davon auszugehen, dass eine Druckwelle Fenster zerborsten, Räume verwüstet und Wände zum Einsturz gebracht hat. Mitarbeitende befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Studio. Trotz der Schäden will das ARD-Studio weiter aus Kiew und der Ukraine berichten.
Studio-Leiter, Vassili Golod, zeigte sich in einer ersten Stellungnahme schockiert: "Die russischen Luftangriffe sind seit Jahren massiv, rücksichtslos und Teil der brutalen Lebensrealität in der Ukraine. Die Folge sind Tausende getötete Zivilisten, zerstörte Krankenhäuser, Schulen und eben auch Redaktionsräume."
Mit Informationen von dpa und AFP
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