Franziska Lutz ist trainiert und fit. Die 15 Kilometer Arbeitsweg zwischen ihrem Wohnort und dem Würzburger Gymnasium, wo sie Deutsch und Religion unterrichtet, fährt die 42-Jährige mit dem Rad. In ihrer Freizeit joggt sie und spielt Volleyball. Vor fünf Jahren war das noch anders. Da war sie ausgeknockt, schaffte zuhause nicht mal mehr die Treppe in den ersten Stock. Nierenversagen, Zwangspause. Ihr Gegner: das Hantavirus.
Beschwerden und viele Fragezeichen
Bis Franziska Lutz das allerdings wusste, vergingen knapp drei Wochen. Ihr Zustand wurde derweil immer schlechter. "Ich war so unglaublich abgeschlagen und schwach", erinnert sie sich. "Ich habe gedacht: Was ist nur los?" Hinzu kamen diffuse Schmerzen: mal Kopfschmerzen, dann in Armen und Beinen.
Aus ihren Arztunterlagen geht hervor: Ihre Hausärztin konnte sich zunächst keinen Reim auf die Beschwerden machen. Der 2021 übliche Coronatest fiel negativ aus. Vermutlich eine verschleppte Erkältung, lautete die Diagnose.
Auch der Nuklearmediziner, bei dem die 42-Jährige als Schilddrüsenpatientin regelmäßig vorspricht, konnte nichts feststellen. "Das Hantavirus als Auslöser hatte niemand auf dem Schirm", sagt die Lehrerin. Und so drängte sie zunächst nicht auf eine Blutuntersuchung. "Ich fühlte mich wie eine Simulantin", erinnert sie sich.
Viele Hanta-Fälle werden nicht diagnostiziert
Anders als heute, wo die Aufmerksamkeit durch den Hanta-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff gewachsen ist, spielte das Hantavirus im Corona-Jahr 2021 kaum eine Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung.
Dabei gab es vor fünf Jahren durchaus Hanta-Fälle in Bayern. Für 2021 verzeichnet das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 310 gemeldete Fälle im Freistaat. Das LGL geht aber von einer hohen Dunkelziffer an Hanta-Infektionen aus, die wegen ihrer unspezifischen Symptome nicht diagnostiziert und deshalb nicht gemeldet werden. Im laufenden Jahr sind bisher zwei Fälle in Bayern registriert (Stand 23. Mai 2026).
Blutbild gibt schließlich entscheidenden Hinweis
Dass die Infektion letztlich doch erkannt wurde, sei auch ihrem Mann zu verdanken, sagt die 42-Jährige im Rückblick. Denn Thomas Kröhnert ließ nicht locker. "An einem Tag hat Franziska über starke Rückenschmerzen geklagt", sagt Thomas Kröhnert. "Und sie hat dahin gezeigt, wo die Nieren liegen. Da habe ich gesagt: 'Jetzt gehst du zur Hausärztin und lässt ein großes Blutbild machen.'"
Nach der Blutabnahme ging es schnell. "Am nächsten Tag hat sofort die Praxis angerufen", sagt Franziska Lutz. Ganz schlechte Nierenwerte. Ich soll sofort zum Nierenfacharzt." Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wird eine Infektion mit dem Hantavirus in der Regel durch den Nachweis spezifischer Antikörper im Blut diagnostiziert. Der Nephrologe machte einen positiven Test auf Hantaviren – und stellte fest: Die Nieren von Franziska Lutz waren auf das doppelte Volumen angeschwollen. Beide zusammen funktionierten nur noch zu neun Prozent. "Der Arzt meinte, dass ich kurz zuvor wohl ein Nierenversagen hatte", sagt Lutz. "Die ganz akute Phase sei aber schon überschritten, mein Körper arbeite sich da bereits selbst wieder raus."
Genesung: Ruhe, Kontrolle und "Glück"
Dass der Genesungsprozess in den folgenden Wochen so gut verlief, bezeichnet Lutz rückblickend als "Glück". Der Verlauf war vergleichsweise mild, der Virustyp weniger aggressiv als bei anderen Varianten, wie sie zum Beispiel in Südamerika vorkommen.
Ein weiterer Faktor dürfte gewesen sein, dass sich Lutz strikt an die Anweisungen des Nephrologen hielt: viel Ruhe, viel Flüssigkeit, jeden Tag ärztliche Kontrolle der Blutwerte. Nach und nach ging es aufwärts. Um einen Klinikaufenthalt oder eine Dialyse ist sie herumgekommen.
Ort der Ansteckung bleibt unklar
Wo und wie sich Franziska Lutz das Virus eingefangen hatte, kann sie nur vermuten. Möglicherweise beim Joggen im Wald, durch das Einatmen von kontaminiertem Staub. Viele Wälder in der Region Würzburg haben eine hohe Population an Rötelmäusen, dem häufigsten Wirtstier in Deutschland. Vielleicht habe sie sich auch bei der Arbeit zuhause im naturnahen Garten angesteckt, so Lutz.
Appell: Hantavirus bei Diagnose mitdenken
Sicher ist: Sie hat die Infektion besiegt. Die Nierenwerte sind wieder gut, die Fitness ebenso. Und noch etwas ist für Franziska Lutz wichtig: Sie appelliert an Mediziner und potenziell Betroffene, das Hantavirus als mögliche Ursache von Beschwerden stärker im Blick zu haben.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
