Bergsteiger bei Bewölkung am Gipfelgrat des Großglockner.
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Neuschnee und eingeschränkte Sicht am Großglockner: Bei solchen Verhältnissen geraten unerfahrene Bergsteiger häufig an ihre Grenzen.
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Stephan Rumpf
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Neuschnee und eingeschränkte Sicht am Großglockner: Bei solchen Verhältnissen geraten unerfahrene Bergsteiger häufig an ihre Grenzen.

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Deutsche sind in Österreichs Bergen besonders häufig überfordert

Deutsche sind in Österreichs Bergen besonders häufig überfordert

Erschöpft, verängstigt, überfordert: Mehr als 500 Deutsche mussten im Sommer 2026 unverletzt aus Österreichs Bergen gerettet werden. Besonders oft betroffen: 20- bis 30-Jährige. Wer bringt der nächsten Generation das Bergsteigen bei?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Sie waren weder erkrankt noch verletzt, aber verirrt, verstiegen oder zu erschöpft zum Weitergehen: Mehr als 500 Deutsche mussten im Sommer 2026 in Österreich unverletzt vom Berg gerettet werden. Besonders häufig betroffen waren junge Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren. Das zeigen neue Zahlen vom Österreichischen Kuratorium für alpine Sicherheit [externer Link].

Von insgesamt 1.123 unverletzt Geretteten zwischen Anfang Mai und Mitte September machen Deutsche mit 511 Personen die mit Abstand größte Gruppe aus. Insgesamt hat sich die Zahl dieser sogenannten Blockierungen beim Wandern und Bergsteigen in Österreich in den letzten 20 Jahren fast vervierfacht, beim Klettersteiggehen sogar versechsfacht. Die Zahlen, jüngst diskutiert bei den Internationalen Bergtagen in Wien, werfen eine unbequeme Frage auf: Ist der Bergsport schneller gewachsen als das Können am Berg?

Schönes Bild, toller Track – los geht’s

Die alpinen Vereine bilden immer mehr Menschen aus. Doch der Weg zum Berg führt längst nicht mehr nur über Verein, Jugendgruppe oder Bergschule. Viele finden ihre Tour auf Instagram, TikTok oder bei Komoot: schönes Bild, Track, freier Samstag – los geht’s. Die erste Hochtour beginnt nicht mit einem Kurs, sondern im Feed. Wetter, Schwierigkeit, aktuelle Verhältnisse? Bei YouTube sieht’s easy aus.

Berg-Know-how wurde lange in Familien, Jugendgruppen und auf gemeinsamen Touren weitergegeben. Bergsteigen lernte man über Jahre. Heute prahlt man bei Tiktok damit, sich als erste Tour direkt das Höllental vorzunehmen. Mal kurz überlegen? Egal, Hauptsache epic.

Informationen sind jederzeit verfügbar. Doch Internet und KI-Agenten zeigen nicht, wie sich sechs Windstärken im Whiteout, bei Nässe oder Eis anfühlen, wann Steinschlag droht – und ob das eigene Können für die Tour reicht. Gipfelfoto, Drohnenflug und Reel zeigen vor allem das Abenteuer.

Routen, die es so nicht mehr gibt

Zugleich werden die Alpen anspruchsvoller. Gletscher ziehen sich zurück, Permafrost taut, Fels wird brüchig. Wege am Großglockner, Dachstein oder im Mont-Blanc-Massiv verändern sich oder verschwinden. Wer einem alten Tourenführer oder GPS-Track folgt, begeht womöglich eine Route, die es so nicht mehr gibt. Wie gefährlich das Hochgebirge mit wenig Schnee in Hitzesommern wie diesem wird, zeigt die Bilanz des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit für den Bergsommer 2026: Bis Mitte September wurden 19 Gletscherspaltenstürze registriert – fast dreimal so viele wie im Zehnjahresmittel. Aber auch Bayerns kleinere Berge werden heißer und trockener - mit steigenden Risiken für das Herz-Kreislauf-System.

Freiheit, Erlebnis, Selbstverwirklichung

Viele wirken am Berg-Boom mit: Tourismusregionen werben mit ihren Gipfeln, die Outdoor-Industrie verkauft Ausrüstung, Athleten und Content Creator leben von Reichweite und starken Bildern und auch Medien erzählen gern von Rekorden. Freiheit, Erlebnis, Selbstverwirklichung – das ist die eine Seite der Geschichte.

Aber wer erzählt die andere? Wer erklärt, dass ein Finish beim Stadtmarathon zwar nett ist, aber für die Watzmann-Überschreitung völlig irrelevant? Dass das Matterhorn nichts für reine Sportkletterer ist, selbst wenn sie auf Weltniveau klettern? (externer Link) Dass aktuelle Verhältnisse mehr zählen als der runtergeladene Track von User speedhansi3001 – und dass gute Ausrüstung Erfahrung nicht ersetzt?

Die entscheidende alpine Herausforderung der kommenden Jahre ist deshalb nicht mehr Ausbildung allein, sondern Reichweite: Erreichen diejenigen, die Bergkompetenz vermitteln, auch die Neulinge, deren erste Tour beim Scrollen beginnt?

Empowerment durch Inspiration

In Wien wurde dafür gerade ein bemerkenswertes Beispiel ausgezeichnet: Igor Koller erhielt den Paul-Preuss-Preis für sein herausragendes Lebenswerk im Alpinismus. Der Slowake gehört zu den stärksten Kletterern seiner Zeit. Bei Kollers Ehrung ging es aber nicht nur um Schwierigkeitsgrade und große Routen. Es ging um Koller als Mentor und Förderer junger Alpinistinnen und Alpinisten. Sein Lebenswerk ist genau das, was es jetzt braucht: Empowerment durch Inspiration.

"Das Können ist des Dürfens Maß"

Darin steckt ein Teil der Antwort. Der Bergboom per se ist nicht das Problem. Zum Problem wird er, wenn Wissen, Erfahrung und Verantwortung nicht mitwachsen. Der Kletterer Paul Preuss formulierte es vor mehr als hundert Jahren so: "Das Können ist des Dürfens Maß." In Zeiten immer mehr Überforderter am Berg klingt das erstaunlich aktuell. Preuss selbst ist tragischer Mahner seines eigenen Mottos – er wurde nur 27 Jahre alt.

Dieser Artikel ist erstmals am 1. Oktober 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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