Ein Flug auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Tel Aviv ist nach einem gewaltsamen Zwischenfall in Saudi-Arabien notgelandet. Nach übereinstimmenden Berichten israelischer Medien hatte es einen blutigen Kampf im Cockpit der Flydubai-Maschine gegeben.
Israelische Regierung geht von Terror aus
Die israelische Regierung geht von einem gescheiterten Terroranschlag aus. Einer der Piloten habe mit einem Messer auf seinen Kollegen, einen indischen Flugkapitän, eingestochen, erklärte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einer Videobotschaft. Der Angreifer habe offenbar vorgehabt, das Flugzeug voller Israelis zum Absturz zu bringen. Netanjahu zufolge wurde der Tatverdächtige nach der Landung in Saudi-Arabien verhaftet.
Den Angaben zufolge soll der verletzte Pilot die Cockpit-Tür noch selbst geöffnet haben. Mehrere Fluggäste sollen dann geholfen haben, den Angreifer zu überwältigen. Ein zweites Paar Flydubai-Piloten, das sich an Bord befand, habe den Jet anschließend sicher im saudi-arabischenTabuk gelandet.
Netanjahu und Modi loben Mut des indischen Flugkapitäns
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drückte seine Hochachtung aus "gegenüber den Helden, die außergewöhnliche Geistesgegenwart und Wagemut gezeigt" hätten. "Sie haben viele Leben gerettet, sie haben eine schwere Katastrophe verhindert", sagte der Ministerpräsident.
Auch der indische Premierminister Narendra Modi lobte den großen Mut und Einsatz des Flugkapitäns gewürdigt. Der indische Kapitän sei ein "Held", schrieb Modi auf der Plattform X. Indien sei stolz auf ihn.
Sicherheitsbehörden vermuten Einzeltäter
Die Hintergründe der Tat sind nach israelischen Angaben noch unklar. Ein israelischer Insider sagte, der Co-Pilot sei ein omanischer Staatsbürger. Der Oman äußerte sich zunächst nicht.
Laut israelischen Medien steht der Co-Pilot unter Terrorverdacht, die Sicherheitsbehörden gehen von einem Einzeltäter aus. Verteidigungsminister Israel Katz sprach vom "Versuch eines dschihadistischen Anschlags", der nur dank des Mutes israelischer Passagiere vereitelt worden sei.
Das israelische Außenministerium erklärte, der Vorfall sei "ein versuchter Terroranschlag auf Israelis, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Abraham-Abkommen" gewesen. Durch die 2020 unterzeichneten Verträge hatten die Emirate und weitere arabische Staaten erstmals Israel offiziell anerkannt und die Beziehungen normalisiert.
Zum Audio: Dramatischer Zwischenfall im Cockpit
Boeing 737 MAX 8 der FlyDubai (Symbolbild)
Flydubai-Maschine im Sturzflug
Laut israelischen Medien waren 166 der 174 Passagiere Israelis. Flug FZ 1073 war am Morgen in Dubai gestartet und verlor nach rund zwei Stunden Flug plötzlich massiv an Höhe. Das ist auch auf Daten des Flugverfolgungsdienstes flightradar24 zu erkennen – binnen 30 Sekunden sackte die Maschine demnach mehr als 4.300 Meter ab.
Netanjahu zitierte einen Passagier, wonach die Maschine ins Trudeln geraten und in einen Sturzflug übergegangen sei. Daraufhin seien Fluggäste und ein Besatzungsmitglied ins Cockpit eingedrungen. Ihnen gelang es, den Co-Piloten zu überwältigen, der versucht habe, die Systeme des Flugzeugs zu sabotieren.
Passagiere überwältigen Co-Piloten
Was sich genau an Bord zugetragen hat, ist noch unklar. Auf einem Video in den sozialen Medien ist ein verletzter Mann mit Atemmaske zu sehen. An der Wand neben ihm sind Blutspuren. Ein Israeli mit blutüberströmtem Gesicht sagt, es handele sich dabei um den Piloten, jemand habe versucht, ihn zu ermorden. Direkt daneben liegt ein weiterer Verletzter, den die Passagiere offenbar bewachen. Berichten zufolge wurde der Co-Pilot mit Kopfhörern festgebunden, die im Flugzeug verteilt worden waren.
Israelis mit Ersatzmaschine nach Tel Aviv gebracht
Der Flughafen Tabuk teilte mit, der Kapitän und der Erste Offizier des Flugzeugs seien verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Die Passagiere wurden von den örtlichen Behörden medizinisch versorgt.
Mehr als zehn Stunden nach dem Vorfall trafen die Reisenden mit einer Ersatzmaschine auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv ein, wo zahlreiche Angehörige auf sie warteten. Der Flug dauerte rund 45 Minuten. In einem Video war zu sehen, wie die Passagiere im Flieger einen bekannten israelischen Popsong mit einer betont optimistischen Botschaft sangen. Nach der Landung applaudierten die Passagiere erleichtert.
Israel will Kontrollen ausländischer Airline-Piloten verschärfen
Der Vorfall verschärft die Sorgen um die Flugsicherheit in der Region. Israel erklärte, man werde die Kontrollen von Piloten ausländischer Airlines verschärfen. "Wir werden die Identität jedes Piloten kennen, der nach Israel fliegt, und eine Art Sicherheitsüberprüfung vornehmen", sagte Regierungssprecher Doron Spielman der Nachrichtenagentur Reuters.
Jubel bei der Ankunft der Flydubai-Passagiere in Tel Aviv
Mit Informationen von AFP, AP, dpa und Reuters
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