Der Entscheidungsprozess um die deutsche Olympia-Bewerbung geht auf die Zielgerade. In der Evaluierung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) liegt München mit 87,03 Punkten knapp vor der Region Köln-Rhein-Ruhr mit 85,02 Punkten. Berlin hatte seine Bewerbung zuvor zurückgezogen.
Welche Argumente sprechen für München? Wo liegen die Schwächen der Bewerbung? Und welche Faktoren könnten bei der Abstimmung in Baden-Baden am Ende entscheidend sein?
Kurz vor der Entscheidung, welcher Austragungsort sich für Deutschland bewirbt, spricht BR24 unter anderem mit Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV), über die Ausgangslage. Den Livestream finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Besonders stark schneidet München bei der sportfachlichen und operativen Eignung ab. Ein entscheidender Vorteil sind die kurzen Wege zwischen den Sportstätten. Im Durchschnitt sollen Athleten in München rund 15 Minuten und 36 Sekunden zu ihren Wettkampfstätten benötigen. In der Region Köln-Rhein-Ruhr sind es nach der Evaluierung mehr als doppelt so viel.
Auch bei den Sportverbänden liegt München vorne. Deren Stimmen werden bei der Entscheidung am Samstag besonders stark gewichtet. Trotzdem ist der Ausgang offen: Köln-Rhein-Ruhr punktet unter anderem beim Eventpotenzial und bei der erwarteten Zahl verkaufbarer Eintrittskarten.
Die Entscheidung fällt in Baden-Baden
Am Samstag entscheidet eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden, mit welchem Standort Deutschland ins Rennen um die Spiele 2036, 2040 oder 2044 gehen will.
Sport-Staatsminister Ronald Rauhe wäre ein Zuschlag für das Jahr 2040 am liebsten. "2040 jährt sich die Wiedervereinigung zum 50. Mal. Hier könnten wir ein großartiges Signal senden, das auch mit den Werten von Olympischen Spielen zusammenpasst", sagte der Kanu-Olympiasieger kurz vor der Entscheidung.
Für München spricht dabei insbesondere das bestehende Olympia-Erbe von 1972. Der Olympiapark wird bis heute intensiv genutzt und könnte bei einer erneuten Bewerbung eine zentrale Rolle spielen. Die Münchner Bewerbung setzt neben den kurzen Wegen daher auch auf vorhandene Sportstätten und nachhaltige Entwicklung.
Olympia als Zukunftsprojekt für München
Für Münchens Befürworter geht es deshalb um mehr als die Austragung eines Sportereignisses. Olympia könnte Investitionen in Verkehr, Infrastruktur und Sportstätten beschleunigen und langfristige Veränderungen in der Stadt anstoßen.
Gleichzeitig gibt es Widerstand gegen die Bewerbung. Kritiker sehen unter anderem finanzielle Risiken und stellen die Auswirkungen auf die Stadtentwicklung sowie den tatsächlichen Nutzen der Spiele infrage. Auch innerhalb der Münchner Politik ist Olympia nicht unumstritten.
Mit Informationen von dpa.
Zum Video: Reporter Tobias Barnerssoi bei der Abstimmung in Baden-Baden
BR-Sportreporter Tobias Barnerssoi mit einer Einschätzung zur deutschen Olympia-Bewerbung.
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