Im österreichischen Braunau am Inn eröffnet am Mittwoch eine Polizeistation – im einstigen Geburtshaus von Adolf Hitler. Es ist der Schlusspunkt unter die Debatte über ein Gebäude, über dessen Nutzung jahrelang gestritten wurde.
Hitlers Geburtshaus: Pilgerstätte für Neonazis
Johannes Waidbacher ist der Bürgermeister in Braunau am Inn. Wer ihn fragt, was die Eröffnung für die 17.000-Einwohner-Stadt nahe der bayerischen Grenze bedeutet, erhält als Antwort: ein neues Kapitel in der jahrhundertealten Geschichte des Gebäudes. Und der ÖVP-Politiker fügt an: "Es wird wahrscheinlich aus meiner Sicht auch die Diskussion um die Nachnutzung beenden."
Der ÖVP-Politiker meint damit Diskussionen, die es vor Ort jahrelang gab. In den 1970ern war das Gebäude eine Schule, danach das Zuhause der Lebenshilfe in Oberösterreich. Als die vor 15 Jahren auszog, stand das baufällige Gebäude leer. Eine Einigung mit der damaligen Eigentümerin, wie das Haus angemessen weitergenutzt werden kann, gab es nicht – sie wurde schließlich enteignet. Seit 2017 gehört das Gebäude nun der Republik Österreich. Es folgten Debatten über ein neues Konzept, Umbauarbeiten, eine neue Fassade und nun die Eröffnung des Polizeizentrums. Die Stadt sagt: Die Polizeistation kommt auch in der Hoffnung, das Haus als Pilgerstätte für einschlägig rechte Kreise unattraktiv zu machen. Entsprechende Vorfälle gab es immer wieder.
Debatte auch um Abriss oder Gedenkstätte
Eine Expertenkommission hatte auch diskutiert, ob das Haus abgerissen oder einer Gedenkstätte weichen soll – und sich schließlich bewusst dagegen entschieden. Auch dann hätte die Stadt kaum kontrollieren können, wer den Ort wie als Pilgerstätte aufsucht. Man wolle die Geschichte mit einem Abriss auch nicht einfach verdrängen. Die Polizei würde den Ort neutralisieren, auch weil es so leichter sei, Überwachungskameras an der Fassade anzubringen.
Historiker hält Neutralisierung des Orts für nicht möglich
Florian Kotanko ist Historiker und in Braunau Obmann im Verein für Zeitgeschichte. "Ich glaube nicht, dass es an der Position Braunaus als Geburtsort Hitlers irgendetwas ändert. Eine Veränderung eines Hauses ändert an der Bekanntheit oder an der Konnotation nichts", so der Historiker. Es würden auch nach wie vor Leute zu dem Haus kommen, weil sie es bewunderten. "Es ist meiner Meinung nach keine Neutralisierung dieses Ortes möglich."
Dass dort nun die Polizei unterkommt, dagegen spreche nichts. Sie sei eine Behörde, die dem demokratischen Rechtsstaat unterstehe, sagt der Historiker. Für ihn wäre eine Option gewesen, wenn die Lebenshilfe dort weiter untergebracht wäre, sinngemäß als großer symbolischer Kontrast: Auf der einen Seite ein Rückzugsort für Menschen mit Behinderung, auf der anderen Seite das Geburtshaus des Mannes, der für das Dritte Reich, seine menschenfeindliche Haltung und auch die Euthanasie stand.
"Hitlergruß vor Polizeistation kaum vorstellbar"
"Man kann mit der Entscheidung einverstanden sein oder auch nicht, aber es ist entschieden", so Kotanko. Damit müsse man sich zufriedengeben. Der Historiker kann sich kaum vorstellen, dass Menschen vor dem Haus künftig noch Kränze niederlegten oder den – auch in Österreich – verbotenen Hitlergruß zeigten, weil sie das dann eben direkt vor einer Polizeiwache täten.
Florian Kotanko ist sich bewusst, dass Braunau dieser Tage im Fokus steht. Er hofft, dass angesichts dessen mit Blick sowohl auf das Haus als auch die Stadt selbst eine Kontextualisierung hängen bleibt. "Das heißt, es muss überall klar sein, was ist gewesen, und damit auch, was ist nicht gewesen. Gerade Braunau ist ungerechtfertigt in ein braunes Eck gerückt worden." Die NSDAP habe bei freien Wahlen einen maximalen Stimmenanteil von sieben Prozent in Braunau gehabt. Die NSDAP sei in Oberösterreich nie im Landtag gewesen. "Gehen Sie in andere österreichische Bundesländer, die waren wesentlich brauner als Braunau."
Im Video: Hitlers Geburtshaus - Zieht mit der Polizei jetzt Ruhe ein?
Jahrelang war Hitlers Geburtshaus in Braunau ein Anziehungspunkt für Rechtsextreme. Nach dem Umbau ist nun die Polizei eingezogen.
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