(Archivbild) Eine Aufnahme der Pressekonferenz auf den Medientagen München 2017.
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(Archivbild) Von Platz 11 auf Platz 14: Deutschland in der Rangliste der Pressefreiheit um drei Plätze abgerutscht.
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(Archivbild) Von Platz 11 auf Platz 14: Deutschland in der Rangliste der Pressefreiheit um drei Plätze abgerutscht.

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Pressefreiheit: Lage in Deutschland verschlechtert sich leicht

Pressefreiheit: Lage in Deutschland verschlechtert sich leicht

Wie sind die Arbeitsbedingungen für Journalisten weltweit? Die aktuelle Rangliste der Pressefreiheit zeigt: nicht gut. Nur ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in einem Land mit vielfältiger Medienlandschaft. Auch Deutschland ist leicht abgerutscht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Von Platz 11 auf Platz 14: Deutschland in der Rangliste der Pressefreiheit der Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" im Vergleich zum vergangenen Jahr um drei Plätze abgerutscht. Damit ist die Bundesrepublik zum zweiten Mal in Folge nicht in den Top-Ten vertreten.

Raueres Klima gegenüber Medienschaffenden

Die Gründe für den Abstieg sieht "Reporter ohne Grenzen" in einem raueren Arbeitsklima für Journalistinnen und Journalisten. Vor allem bei der Berichterstattung über die rechtsextreme oder verschwörungsideologische Szene, werden Medienschaffende verstärkt zur Zielscheibe, so Katharina Weiß von Reporter ohne Grenzen.

Journalistinnen und Journalisten seien generell verstärkt Hasswellen aus dem Netz ausgesetzt. Viele hätten Angst, dass sich diese Online-Hetzen auf körperliche Angriffe übertragen. Das alles sei laut Weiß eine psychische Belastung.

Digitale Hetze und Polarisierung gefährden Pressefreiheit

Drohungen im Netz und Übergriffe bei Demonstrationen erlebt auch der Journalist Robert Andreasch immer wieder. Seit Jahren recherchiert er zu Rechtsextremismus in Bayern und berichtet über Demonstrationen und Protestaktionen. Hasskommentare und Kampagnen gegen ihn in den sozialen Medien ist er gewohnt: Von Beleidigungen bis hin zu Veröffentlichung von Fotos und privaten Informationen über ihn.

Der Vorsitzende des Bayerischen Journalistenverbands (BJV), Harald Stocker sieht in diesen Hetz-Kampagnen eine gezielte Strategie, um Medienschaffende einzuschüchtern. Gleichzeitig beobachtet er, dass diese Attacken von einzelnen Akteuren ausgehen: "Wir reden hier von einer politischen und gesellschaftlichen Minderheit, die journalistische Medien angreift, um in irgendeiner Form die Berichterstattung in ihrem Sinne zu manipulieren."

Zahl der Angriffe auf Medienschaffende gesunken

Gleichzeitig gibt es auch gute Nachrichten: Die Zahl der Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten ist bundesweit gesunken. Während es 2024 noch 89 körperliche Attacken und Sachbeschädigungen gab, waren es 2025 nur noch 55. Die meisten davon in Berlin, in Bayern ist nur ein Übergriff verifiziert. Reporter ohne Grenzen geht jedoch von einer höheren Dunkelziffer aus. Viele Fälle werden gar nicht erst angezeigt, aus Angst, dass Täter über Gerichtsverfahren an persönliche Daten kommen, so Katharina Weiß.

Besonders bei Berichterstattung über Demonstrationen und Recherchen im rechtsextremen Milieu sind Journalistinnen und Journalisten einer erhöhten Gefahr ausgesetzt. So wie auch Robert Andreasch. Auch er musste schon körperliche Übergriffe erleben. Er sieht dabei Redaktionen und Medienhäuser in der Pflicht, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser zu schützen. Und erwartet von den Behörden eine konsequentere Strafverfolgung bei Übergriffen gegen Medienschaffende.

Pressefreiheit weltweit in Bedrängnis

Weltweit sind die Arbeitsbedingungen für Medienschaffende schlechter geworden. Mehr als die Hälfte der Länder fallen in die beiden schlechtesten Kategorien "Schwierig" und "sehr ernst". Vor allem die rechtlichen Bedingungen haben sich verschlechtert, so Katharina Weiß. "Es gibt immer mehr pressefeindliche Gesetze und zudem immer mehr Straflosigkeit bei Verbrechen an Journalisten".

Auf den letzten Plätzen der Rangliste stehen China, Nordkorea und Eritrea. Platz eins belegt schon zum zehnten Mal in Folge Norwegen, gefolgt von den Niederlanden und Estland.

Seit 2002: So entsteht die Rangliste der Pressefreiheit

Seit 2002 vergleicht Reporter ohne Grenzen die Arbeitsbedingungen für Medien weltweit. Die Rangliste der Pressefreiheit basiert dabei auf fünf Indikatoren: den politischen Rahmenbedingungen, der Sicherheitslage, der rechtlichen Situation sowie dem wirtschaftlichen und soziokulturellen Kontext. Die Ergebnisse werden in jedem Land durch eine qualitative Untersuchung mit Fragebögen sowie eine quantitative Erhebung etwa zu Angriffen ermittelt. Die Rangliste wird jedes Jahr rund um den internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai veröffentlicht.

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