66 Euro 80 – so viel soll das Deutschlandticket ab dem kommenden Jahr kosten. Das hat der Chef der Verkehrsministerkonferenz der Länder, der bayerische Ressortchef Bernreiter, bekanntgegeben. Berechnet wurde der Preis erstmals anhand eines Kostenindex.
Nach Einführung des Deutschlandtickets für 49 Euro im Mai 2022 ist die Zahl der Kunden kontinuierlich gestiegen, bis auf knapp 15 Millionen im Dezember 2024. Nach den Preiserhöhungen auf 58 Euro und dann 63 Euro ging die Nutzerzahl zwischenzeitlich auf etwa 13 Millionen zurück. Inzwischen hat sie sich auf 14,5 Millionen eingependelt. Welche Folgen die Preiserhöhung haben könnte.
Das Deutschlandticket ein Riesenerfolg?
“Das Deutschlandticket ist ein echter Gamechanger und ein Riesenerfolg!“, findet Hanna Rhein, Expertin für städtische Mobilität bei der Deutschen Umwelthilfe. Die Bedeutung des ÖPNV für die Gesellschaft habe sich verändert und der Klimaschutz sei erheblich gestärkt worden. Allerdings sagt Rhein auch: “Das Deutschlandticket ist viel zu teuer!“ 49 Euro wäre ein angemessener Preis und könnte die Kundenzahl perspektivisch auf über 20 Millionen steigen lassen. So auch das Ergebnis einer Studie zum Deutschlandticket im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe.
Ähnlich sieht es auch eine Studie des Bundesverkehrsministeriums vom Frühjahr 2026, die feststellt, dass durch die Preiserhöhung eher nur noch die Pendler, die also regelmäßig damit etwa zur Arbeit fahren, das Ticket nutzten. Gelegenheits-ÖPNV-Nutzer würden als Kunden eher verloren gehen, genauso wie sozial schwächere Gruppen.
Formel statt Streit um Preis
Um dem politischen Streit um den Preis des Deutschlandtickets aus dem Weg zu gehen, haben sich die Ministerpräsidenten und der Bund im März 2023 auf die Einrichtung eines Koordinierungsrats geeinigt. In dem Gremium sitzen Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände und die Verkehrsbranche. Gemeinsam beschließen sie jährlich den Preis für das Deutschlandticket, gemäß einer festen Formel.
Kern der Formel ist der Kostenindex. Er bildet ab, wie stark die Kosten für den Nahverkehr im vergangenen Jahr gestiegen sind – mit fest verabredeten Gewichten: 55 Prozent Personal, 20 Prozent Energie, 25 Prozent sonstige Betriebskosten. Die Werte, die in die Formel einfließen, stammen aus Quellen wie etwa dem Statistischen Bundesamt oder den Tarifdaten für Bahnbedienstete.
Bei den Kosten gibt es nur eine Richtung: aufwärts
Hanna Rhein und etwa der Fahrgastverband kritisieren, dass es bei der Formel beim Deutschlandticketpreis in der Praxis nur eine Richtung gäbe: nach oben. Insbesondere sei daran der sogenannte Wertfaktor von 1,35 schuld, mit dem unabhängig von der Kostenentwicklung der Ticketpreis multipliziert wird. Sinn des Faktors ist, die Ausgaben von Bund und Ländern bei jährlich je 1,5 Milliarden Euro konstant zu halten. Der Bundestag hat diese Summe im November 2025 im Regionalisierungsgesetz bis 2030 festgeschrieben – ohne Anpassung an die Inflation.
Umwelthilfe: Geld für ÖPNV statt Tankrabatt
Heute hat der Koordinierungsrat den neuen Preis des Deutschlandtickets von 66,80 Euro bekanntgegeben. Hanna Rhein von der Deutschen Umwelthilfe geht von weiteren negativen Folgen aus: “Der Trend wird sich weiter verstärken, dass nur noch Personen das Ticket kaufen, die den ÖPNV ohnehin häufig nutzen. Wer den ÖPNV nur gelegentlich nutze, für den sei das Deutschlandticket zu teuer.“ Rhein fordert, mit dem Geld, das in den Tankrabatt fließen soll, das Deutschlandticket zu subventionieren: “Mit den 2,5 Milliarden, die der Tankrabatt kostet, könnte man weitere Preissteigerungen beim Deutschlandticket voraussichtlich mehr als zwei Jahre verhindern. Wir fordern ein 29-Euro-Ticket für ein Jahr als Entlastung und anschließend dauerhaft maximal 49 Euro.“ Das sei zielgerichteter und trage zur CO2-Reduzierung bei.
Video: So finden Bahnreisende die Preiserhöhung beim Deutschlandticket
Deutschlandticket: So finden Bahnreisende die Preiserhöhung
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