Im Januar kamen 52,1 Prozent der Fernzüge pünktlich an. Vor einem Jahr waren es noch 66,9 Prozent. Der Winter war kalt und schneereich. Aber auch die Sanierungsmaßnahmen bremsen die Pünktlichkeit aus. Und hier ist vorerst ein Ende nicht absehbar. Für das Ende der Sanierung der Strecke Berlin-Hamburg gibt es derzeit nicht einmal ein Datum. Mehrere Sofortprogramme sollen den Frust der Kunden durch besseren Service ein wenig dämpfen.
- Zum Artikel: Was das Sofortprogramm für Bahnhöfe bringen soll
Was meint die Bahn mit "mehr Komfort"?
Zum Beispiel funktionierende Kaffeemaschinen im Bordbistro und sauberere Toiletten: Dafür soll die Zahl der Reinigungskräfte, die unterwegs putzen, verdoppelt werden. Die Zahl soll auf 220 anwachsen. An vier Knotenbahnhöfen in Deutschland sollen Sonderreinigungsteams bereitstehen um nachzubessern. Auch der Teppich in den Zügen soll häufiger gereinigt werden. Die Bahn spricht von 50 Prozent mehr Fläche pro Woche.
Gehört die Meldung "Kaffeemaschine außer Betrieb" der Vergangenheit an?
Die Logistik von Speisen und Getränken soll verbessert werden. Und Instandhaltungsteams sollen dafür sorgen, dass Schäden im Bordbistro auch auf Abruf, also schneller, beseitigt werden können. Die Teams gibt es schon, "sie werden jetzt im Rahmen des Sofortprogramms um weitere spezialisierte Teammitglieder ergänzt", erklärt eine Bahnsprecherin gegenüber BR24.
Außerdem hat sich die Bahn vorgenommen, Bordbistros öfter zu warten und anfällige Teile vorzeitig auszutauschen, nicht erst, wenn nichts mehr geht. Die Teams, die Personal aus unterschiedlichen Bereichen enthalten, sollen auch defekte Toiletten schneller reparieren. Teams sind an vier Knotenpunkten in Deutschland stationiert, darunter auch in München.
Wie schnell soll das jetzt gehen?
"Wir verbessern, was verbessert werden muss. Nicht irgendwann, sondern jetzt", erklärt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). 20 Millionen Euro nimmt die Bahn in diesem Jahr für die Maßnahme in die Hand. Laut Schnieder läuft sie bereits seit Januar. Der Zuwachs beim Reinigungspersonal soll bereits in den kommenden Wochen und Monaten stattfinden.
Was soll noch schnell besser werden bei der Bahn?
Bereits im Januar hatte die Bahn das erste Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen vorgestellt. Es sieht unter anderem vor, dass mehr Sicherheitspersonal an ausgewählten Bahnhöfen zum Einsatz kommt. Außerdem soll der sogenannte Frühjahrsputz auf 1.400 Bahnhöfe ausgeweitet werden. Bislang waren es 700.
Nach dem am Freitag vorgestellten Komfort-Programm soll ein Sofortprogramm für bessere Kundenkommunikation folgen. Es geht darum, etwa Verspätungen oder Gleiswechsel den Bahnkunden besser mitzuteilen als bisher. Details stehen noch aus. Das Programm wurde noch nicht vorgestellt.
Sind das Trostpflaster für die Bahnkunden?
Vieles, was in den Sofortprogrammen steht, seien Selbstverständlichkeiten, sagt Schnieder. Er vertritt die Bundesrepublik als alleinigen Eigentümer der Bahn. Schnieder bedauert, dass Zeitpläne bei den Sanierungen nicht gehalten werden, und kündigt an, zu prüfen, was dabei schiefläuft. Dem ARD-Hauptstadtstudio sagt er: "Wir sind dabei, die Infrastruktur anzupacken, zu investieren. Das geht nicht in einem Jahr, das geht nicht in fünf Jahren. Wir stehen vor einem Modernisierungsjahrzehnt." Missstände an anderen Stellen, etwa der Komfort, müsse man trotzdem angehen. Dazu gebe es die Sofortprogramme.
Zusammengefasst heißt das: Geduld werden Kunden wohl noch länger brauchen, aber vielleicht halten sie beim nächsten außerplanmäßigen Halt zumindest einen Kaffee in der Hand.
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