Im Sommer steht für viele Menschen Strandurlaub an, damit verbunden: Sand. Woran die meisten sicher weniger denken: Sand ist eine wertvolle Ressource für zahlreiche Industrien. Diese verwenden Strand- und Flusssand, der, anders als Wüstensand, scharfkantig und somit zum Bauen geeignet ist. Vor allem Strände sind aber dynamische Ökosysteme, wo Wellen große Mengen Sand verlagern und Küstenlinien verändern und Vegetation ganze Dünen und Strände vor Erosion schützt.
"Wenn man an die norddeutschen Küsten denkt, mit dem Watt, dann haben wir da zum Teil 50, 100 Meter, wo sich das Meer zurückzieht und wieder hereinkommt. Das heißt, im Laufe eines Tages verändert sich dieses System komplett. Und das passiert regelmäßig", erklärt Geologe Frank Holzförster von der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt im Landesverband Bayern.
Sand wird überall gebraucht – ist aber endlich
Durch den globalen Hunger nach Sand, um ihn zum Bauen und zum Produzieren von Alltagsgegenständen zu verwenden, greift der Mensch in weiten Teilen der Welt in das empfindliche Ökosystem Strand ein. Die Folgen des Sandabbaus sind für die Umwelt schwerwiegend. Die Entnahme von Sand an Stränden und Dünen verursacht Erosion und deren Absinken ins Meer, wodurch an manchen Orten ganze Strände und Inseln verschwinden. Dadurch verlieren Pflanzen und Tiere ihre Lebensräume. Hinzu kommt: Ist Sand einmal verarbeitet, lässt er sich in den meisten Fällen nicht mehr extrahieren. So verschwinden, laut einem UN-Bericht, jährlich bis zu 50 Milliarden Tonnen Sand.
Wie ist die Lage in Deutschland?
Wie ernst das Thema Sand ist, hängt von der Region ab. In Bayern wird Sand als Bau-Ressource gesehen, sagt Frank Holzförster, während in den Küstengebieten Norddeutschlands Strände ökologischen Schutz und die Sicherheit vor Wellen bedeuten. Eingriffe sind daher in Deutschland streng reguliert, erklärt Küsteningenieur Professor Andreas Wurpts. Er befasst sich unter anderem mit Baumaßnahmen im Küstenbereich und Naturschutz. "An den Küsten ist es de facto gar nicht mehr möglich, etwas zu entnehmen. Einfach weil die Schutzvorgaben und der Küstenschutz dominieren."
Ein Beispiel: Küstenschwund auf Sylt
Trotzdem geht Sand auch an deutschen Küsten verloren, was vor allem an dem steigenden Meeresspiegel liegt. Auf Inseln wie Sylt wird beispielsweise großer Aufwand betrieben, um Küsten vor dem Verschwinden zu schützen. Diese sind nicht nur beliebte Urlaubsziele und die Heimat vieler Lebewesen, sondern sind auch eine natürliche Barriere gegen Wellen und Sturmfluten. Deshalb wird auf Sylt monatelang Sand vom Meeresgrund entnommen und über ein Rohrsystem auf den Strand gespült. Das ist aber ein Eingriff in das Meeresbodenökosystem und schafft Löcher, die sich wiederum durch das natürliche Abrutschen vom Strand wieder schließen.
Weil der Meeresspiegel durch den menschengemachten Klimawandel immer weiter steigt, bekämpfen diese Maßnahmen nur die Symptome. Etwas anderes bleibt aber auch nicht übrig, als die Folgen des Strandschwundes zu lindern, erklärt Andreas Wurpts. "Was lange Zeit probiert worden ist und letzten Endes immer gescheitert ist, ist gegen diese natürlichen Trends zu bauen durch feste Bauwerke. Und so sind die schleswig-holsteinischen Kollegen bemüht, die Situation dadurch zu stabilisieren, dass man Sand aus dem natürlichen Transportmuster entnimmt."
Naturschutz und Strandnutzung sind gleichzeitig möglich
Aber auch Urlauber können Strände nachhaltig nutzen, erklärt Geologe Frank Holzförster, indem sie sich an lokalen Infozentren über das Ökosystem und die regionalen Gegebenheiten informieren und an die Regeln halten. Wichtig sei dabei vor allem, gekennzeichneten Wegen zu folgen, betont er. So bleibt etwa die Vegetation, die den Sand und die Dünen zusammenhält, intakt. Wenn Strände und Küsten so einige Jahrzehnte regenerieren können, würden die natürlichen Barrieren sogar ganz von selbst nachwachsen.
Im Video (2025): Sandabbau vs. Naturschutz – Der Kampf um die letzten Flächen
BR24 vor Ort: Sandabbau vs. Naturschutz.
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