5,99 Euro im Monat müssen Fans der deutschen Nationalmannschaften für DFB-TV löhnen. Dafür bekommen sie dort Live-Spiele, aber auch Dokumentationen, Interviews und weitere exklusive Einblicke in die Nationalmannschaft.
Holger Blask, DFB-Generalsekretär und Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB GmbH & Co. KG, erklärte in der Pressemitteilung zum Start des Senders im vergangenen Mai: "Mit diesem Angebot bringen wir den Fußball in seiner ganzen Breite noch näher an die Menschen." Wie viele Menschen das Angebot inzwischen abonniert haben, teilt der DFB auf BR24-Anfrage nicht mit – aber es gebe eine "kontinuierlich positive Entwicklung" der Abonnements.
"Owned Media Content", also das Erstellen von Medieninhalten auf eigenen Kanälen, ist kein neues Phänomen, sondern gerade im Sport eine mittlerweile weit verbreitete Strategie.
"Fluch und Segen" für Redaktionen
Doch was bedeutet dieser sogenannte "Owned Media Content" für unabhängige Berichterstattung? Für Sportjournalisten ist diese Entwicklung ambivalent, erklärt Inga Oelrichs, Leiterin des Studiengangs Sportjournalismus an der Deutschen Sporthochschule Köln, im Podcast BR24 Medien: "Owned Media Content ist für Sportjournalisten Fluch und Segen zugleich. Zum einen führt es zu einer Ausgrenzung von Sportjournalisten, dass die Vereine und Verbände die Inhalte lieber selbst produzieren. Zum anderen ergibt sich aber auch eine Informationsquelle, die gerade in Zeiten von hohem Personal- und Kostendruck in den Redaktionen eine große Bedeutung hat."
Inhaltlich, so Oelrichs weiter, ersetze das von Sportvereinen und -verbänden verbreitete Material durchaus Teile dessen, wofür früher der Journalismus zuständig war: "Die schönen Geschichten aus dem Sport zu transportieren, über das Team auf dem Laufenden zu halten, alltägliche Informationsberichterstattung zu machen – das geht sicherlich auch über die eigenen Kanäle."
Aber: Für kritische Einordnung und Analyse brauche es weiterhin unabhängigen Journalismus, sagt Oelrichs. "Auf hauseigenen Kanälen passiert das natürlich nicht."
Unabhängig oder Teil des Teams?
Wie unabhängig der Sportjournalismus ist und sein soll – dazu hat der neue Bundestrainer der Herren-Nationalmannschaft, Jürgen Klopp, eine klare Auffassung. In seiner Antritts-Pressekonferenz Ende Juli richtete er gleich zu Beginn das Wort an die Journalisten im Raum: "Auf diesem Weg, den wir im Idealfall alle gemeinsam einschlagen, werden wir euch auch brauchen."
Für Johannes Aumüller, leitenden Redakteur Sportpolitik der Süddeutschen Zeitung, sind solche Sätze Symptom eines grundlegenden "Rollenmissverständnisses", wie er im Podcast BR24 Medien feststellt: "Darin spiegelt sich die unsägliche Situation, die man im Sportjournalismus oft vorfindet." Viele Sportjournalisten würden zu diesem Missverständnis beitragen, indem sie sich "ins Lager der Vereine und Verbände" ziehen ließen.
Viel Spielbericht, wenig Kritik
Nach Aumüllers Verständnis müsste "viel mehr Wert auf eine kritische Herangehensweise" gelegt werden, auch, was die Anzahl der im Sportjournalismus tätigen Personen angehe. "Wenn man sieht, wie viele Leute eingesetzt werden, um einfach nur mal einen Bundesligaspieltag zu covern, besteht ein krasses Missverhältnis dazu, wie viele Leute kritisch über den DFB, die FIFA, das IOC oder auch einzelne Vereine berichten."
Dadurch gelinge es den Vereinen und Verbänden, die "Kommunikationsherrschaft" zu bewahren. "Kritisch" werde es, so Aumüller weiter, wenn die eigenen Inhalte das "klassische Repertoire" mit etwa Pressekonferenzen und Interviews verdrängten.
Klopp zwischen Nähe und Distanz
Pressekonferenzen, Medientermine und Zugänge für öffentlich-rechtliche und private Medien blieben unverändert, heißt es vom DFB auf BR24-Anfrage. Auf Anfrage von BR24 betont der Verband, das Angebot sei nicht als "Konkurrenz" gedacht, sondern solle die bestehende Landschaft "komplementär" ergänzen. Im Fokus stünden Formate und Inhalte, "die bislang gar nicht oder nur in begrenztem Umfang medial stattgefunden haben". Auch der Zugang zum Bundestrainer Jürgen Klopp bleibe "im gewohnten Umfang bestehen".
Klopp selbst spricht offen darüber, dass er die Arbeit mit Medien "nicht vermisst" habe, als er nach seiner Zeit als Liverpool-Trainer (2015 bis 2024) eine Pause einlegte. Der Bundestrainer changiert dabei zwischen Nähe und Distanz: In seiner Antritts-Pressekonferenz schlug er nicht nur vor, man solle "einen gemeinsamen Weg" einschlagen, sondern machte gleich auch klar, dass er Berichterstattung über seine Familie nicht akzeptieren werde – Rücktrittsdrohung inklusive: "Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg."
Später relativierte er diese Aussagen und verwies auf die Erfahrungen in England. "Wie die Fliegen auf Honig" habe sich die englische Boulevardpresse auf ihn und seine Familie gestürzt. Als allgemeine "Medienschelte" wolle er seine Worte nicht verstanden haben. Das sagte Jürgen Klopp Mitte August – exklusiv auf DFB-TV.
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