Ärzte und Organisationen wie Foodwatch haben in einem gemeinsamen Appell auf die Einführung einer Zuckersteuer gedrungen. Die Bundesregierung dürfe "sich nicht länger von den leeren Versprechungen der Industrie einlullen lassen", erklärte am Samstag Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch Deutschland.
Eine Steuer zahle sich doppelt aus: "Sie senkt ernährungsbedingte Krankheitskosten und bringt Einnahmen, die in bessere Gesundheitsvorsorge investiert werden können." Den Appell unterzeichneten laut Foodwatch rund 4.000 Ärzte und mehr als 1.000 Ernährungs- und Diabetesberater sowie Apotheker.
Reinhardt fordert Vorschlag vom Finanzminister
Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sowie die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, gehören den Angaben zufolge zu den Unterzeichnern. Jetzt liege es an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), "einen konkreten Vorschlag vorzulegen", forderte Reinhardt laut Foodwatch. "Die Bundesregierung sollte diese Chance nutzen - insbesondere zum Schutz der Gesundheit unserer Kinder."
In Praxen und Kliniken sehe man Folgen ernährungsbedingter Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes und Karies täglich, heißt es in dem Appell. Zuckergesüßte Getränke spielten eine zentrale Rolle, weil sie große Mengen freien Zuckers in kurzer Zeit lieferten, ohne zu sättigen. "Prävention muss deshalb dort ansetzen, wo besonders wirksame und bevölkerungsweite Effekte erreichbar sind."
Vorstoß im Februar scheiterte
Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission hatte vor rund zehn Tagen ihre Vorschläge für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung vorgestellt und dabei auch eine Zuckersteuer ins Spiel gebracht. Geschätzte Mehreinnahmen: 450 Millionen Euro jährlich.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zeigte sich dafür offen, wies aber darauf hin, dass es in ihrer Partei "unterschiedliche Haltungen" zur Zuckersteuer gebe. Beim CDU-Bundesparteitag im Februar in Stuttgart war ein Vorstoß des schleswig-holsteinischen Landesverbandes zur Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke gescheitert.
Ernährungsbranche warnt vor Symbolpolitik
Auch die Wirtschaftsseite hat sich in die Debatte eingeschaltet: In einer Stellungnahme warnen Verbände von Getränkeproduzenten über Gastronomie und Bauern bis zur Werbebranche vor "symbolischer Steuerpolitik" und tiefen Eingriffen in die Konsumfreiheit und Marktmechanismen. Eine Zuckersteuer bedeute in Zeiten hoher Preise eine Zusatzbelastung für Verbraucher. Übergewicht und Erkrankungen, die durch Ernährung mit bedingt sind, seien komplexe Herausforderungen, bei denen man nicht durch "isolierte Verteuerung einzelner Produkte" ansetzen könne.
Mit Informationen von AFP und dpa
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