Fast jedem zweiten Langzeitarbeitslosen bringt ein Gang zum Jobcenter nichts. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Arbeitslosen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Unabhängig davon geben laut der Studie viele der Langzeitarbeitslosen den für sie zuständigen Mitarbeitern gute Noten.
- Zum Artikel: Arbeitsmarkt in Bayern – Stagnation statt Aufschwung
Viele Arbeitslose zufrieden mit Jobcentern – aber ohne Vermittlungsergebnis
Mehr als zwei Drittel der 1.000 Befragten sind mit der Arbeit ihres Jobcenters zufrieden. Etwa drei Viertel (72 Prozent) halten die Mitarbeitenden für kompetent. Am Ende, so sagen es 47 Prozent, brächten ihnen Termine im Jobcenter nichts, und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt würden nicht besser.
Bei den Kritikpunkten an den Jobcentern erklärten den Angaben zufolge 39 Prozent der Befragten, dass die Beraterinnen und Berater oft schlecht erreichbar sind. Gut 40 Prozent der Leistungsbezieher monierten, ihnen würden im Jobcenter nur Forderungen gestellt, statt dass ihnen wirklich geholfen werde. Umgekehrt berichteten etwa 60 Prozent der Befragten, das Jobcenter unterstütze sie genau da, wo sie Hilfe bräuchten.
Zu wenig Kapazität für Personen mit Vermittlungshemmnissen
Der Arbeitsmarkt-Experte der Bertelsmann Stiftung, Tobias Ortmann, sagte, man müsse den Betreuungserfolg auch an der "Förderung marktfernerer Langzeitarbeitsloser" messen. Gerade bei Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt kämen Beratung und Vermittlung als Kernaufgaben der Jobcenter "häufig zu kurz". Rund 46 Prozent der Arbeitslosen im Bürgergeld hätten mehrere Vermittlungshemmnisse wie Krankheiten oder fehlende Qualifikationen.
Die Studienautoren fordern deshalb, das bisherige Konzept zu ändern. Die Zufriedenheit der Betroffenen sei allein kein Gradmesser. Bei den Langzeitarbeitslosen ohne Vermittlungshemmnissen müsse stärker eine eigenständige Jobaufnahme gefordert werden.
Bürgergeldempfänger wollen Gegenleistung bringen
82 Prozent der befragten Langzeitarbeitslosen waren der Meinung, der Staat müsse Menschen "in schwierigen Lebenslagen finanziell unterstützen". Zugleich stimmt eine Mehrheit (55 Prozent) zu, dass von Bürgergeld-Empfängerinnen und -Empfängern dafür eine Gegenleistung erwartet werden könne. In den Einzelinterviews erklärten die Befragten, mittel- bis langfristig durch eine Arbeitsaufnahme "ein von staatlichen Leistungen unabhängiges und eigenverantwortliches Leben" anzustreben.
Wer nicht mitwirkt, muss mit Kürzungen rechnen
Befragt wurden für die Studie vom 15. April bis 18. Juni 2025 über 1.000 Arbeitslose im Alter zwischen 25 und 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen.
Anfang März hat der Bundestag beschlossen, dass ab dem 1. Juli aus dem Bürgergeld für rund 5,5 Millionen Bezieher eine neue Grundsicherung mit strengeren Regeln wird. Wer nicht mitwirkt, soll empfindliche Kürzungen bei den Sozialleistungen hinnehmen müssen.
Mit Informationen von dpa und epd
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
