Noch sieht man vor dem Haus von Landwirt Anton Stürzer nur einen braunen Acker, doch schon in wenigen Tagen wird man hier die ersten grünen Triebe der Sommergerste sehen, die er im oberbayerischen Höhenkirchen gesät hat. Damit die gut wächst, hat er nachgeholfen: mit Dünger. Wenn er den nicht streut, verliert die Ernte "an Quantität wie an Qualität", erklärt der Landwirt. Schon in wenigen Wochen muss er den Vorgang wiederholen. Er hat Glück, seine Düngervorräte sind voll. Er habe seinen Dünger für dieses Jahr bereits letztes Jahr im Herbst gekauft – so wie viele andere auch. Schon damals sei der überproportional teuer gewesen. In der Zwischenzeit sei der Düngerpreis aber noch einmal um 25 Prozent angestiegen.
Krieg im Iran hat Düngerpreis stark ansteigen lassen
Durch den Krieg im Iran sind nicht nur die Sprit-, sondern auch die Düngerpreise stark angestiegen. Dabei ist Deutschland gar nicht auf den Dünger aus dem Nahen Osten angewiesen. An insgesamt 14 Produktionsstätten in Deutschland wird Dünger hergestellt, sieben davon produzieren Stickstoffdünger. Heimische Hersteller könnten laut Branchenangaben den deutschen Bedarf an Düngemitteln bei Vollauslastung zu 75 Prozent abdecken. Das bestätigt auch Philipp Spinne, Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisen Verbands.
Den dafür benötigten Stickstoff beziehen die Hersteller unter anderem aus Marokko, Algerien und teilweise auch noch aus Russland. Trotzdem wirkt sich die Blockade der Straße von Hormus auch auf die deutsche Landwirtschaft aus. Denn die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Öl und Gas weltweit. Davon ist besonders die Produktion von Stickstoffdünger betroffen.
Die Düngerpreise sind vom Energiemarkt abhängig
Insbesondere Stickstoffdünger, der das Wachstum der Pflanze ankurbelt, benötigt große Mengen an Erdgas in der Herstellung. Energiekosten machen somit auch den größten Teil der Produktionskosten aus. Steigen also die Energiepreise am Weltmarkt, gehen auch in Deutschland die Düngerpreise nach oben. "Deswegen wird es auf längere Sicht so sein, dass die Düngerpreise hoch sind, solange die Energiepreise hoch bleiben", so der Geschäftsführer des Raiffeisenverbands.
Erste Versuche mit erneuerbaren Energien
Könnte sich Deutschland in der Düngemittelproduktion von Erdgas unabhängig machen? "Nein", so kurz und knapp lautet die Antwort von Martin Banse vom Thünen-Institut. Zwar gibt es Pilotprojekte mit sogenanntem "Grünen Dünger", die zeigen sollen, dass eine Produktion mit erneuerbaren Energien, statt mit Erdgas möglich ist. Der Hersteller SKW Piesteritz nutzt beispielsweise Biomethan, um in einem Pilotprojekt "grünen Dünger" herzustellen.
Der norwegische Düngermittelhersteller Yara, der unter anderem in Deutschland produziert, hat unter anderem eine Anlage eröffnet, die mit grünem Wasserstoff Ammoniak produziert. Für die Firmen sind die Pilotprojekte Schritte in Richtung einer CO2-neutralerer Produktion, Anwendung finden sie aber noch kaum. Das stecke, wie alle Start-Ups, noch in den Kinderschuhen, erklärt Martin Banse vom Thünen-Institut. Schließlich setze die Produktion von grünem Wasserstoff große Mengen an erneuerbarer Energie voraus. Sonnenenergie allerdings sei in Nordeuropa nur begrenzt verfügbar, erklärt der Experte des Thünen-Instituts. Wasserstoff in einem solchen Umfang müsse aus anderen Regionen importiert werden.
Letzte Option: Weniger düngen
Sollten die Düngerpreise weiter steigen, hat Landwirt Anton Stürzer bereits entschieden, Konsequenzen zu ziehen: dann müsse er eben mit weniger Dünger auskommen. "Dadurch produzieren wir zwar weniger Qualität, aber mit dem muss der Verbraucher dann auch zufrieden sein."
BR24 auf Youtube: Iran- Krieg treibt Preise für Dünger nach oben
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