Das US-Militär ist nach eigenen Angaben mit zwei Lenkwaffenzerstörern in den Persischen Golf eingefahren, um die iranische Blockade der Straße von Hormus zu brechen. Zudem hätten zwei unter US-Flagge fahrende Handelsschiffe die Meerenge passiert, teilte das US-Zentralkommando (Centcom) am Montag mit.
USA wollen Durchfahrt von Handelsschiffen erzwingen
"Die amerikanischen Streitkräfte unterstützen aktiv die Bemühungen, die Durchfahrt für die Handelsschifffahrt wiederherzustellen", hieß es in der Mitteilung. Der Einsatz erhöht die Gefahr einer direkten militärischen Konfrontation zwischen den USA und dem Iran in der strategisch wichtigen Meerenge. Zuvor hatte die Regierung in Teheran noch erklärt, sie habe ein US-Kriegsschiff an der Einfahrt in den Golf gehindert.
Die US-Streitkräfte unterstützen nach Angaben von Centcom das von US-Präsident Donald Trump angekündigte "Project Freedom". Dieses zielt darauf ab, Handelsschiffe, die wegen des US-israelischen Krieges gegen den Iran im Golf festsitzen, in sichere Gewässer zu begleiten. Zudem blockieren die USA iranische Häfen.
US-Militär meldet iranische Angriffe auf Schiffe
Der Iran wiederum hat nach Angaben der US-Streitkräfte mehrere Schiffe unter US-Schutz mit Raketen, Drohnen und von kleinen Schnellbooten aus angegriffen. Sechs iranische Boote seien im Zuge der Auseinandersetzung von US-Hubschraubern versenkt worden, teilte Brad Cooper, Kommandeur des für den Nahen Osten zuständigen Regionalkommandos des US-Militärs, mit.
Am Montagmorgen hatte der Iran noch erklärt, er habe ein US-Kriegsschiff an der Einfahrt in die Straße von Hormus zur Umkehr gezwungen. Die iranische Marine teilte mit, sie habe "amerikanisch-zionistische" Kriegsschiffe durch eine "schnelle und entschiedene Warnung" an der Einfahrt gehindert. Ein ranghoher iranischer Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Iran habe einen Warnschuss abgegeben. Es sei unklar, ob das Kriegsschiff beschädigt worden sei. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars meldete, zwei Raketen hätten das Schiff nahe dem Hafen von Dschask am südlichen Eingang der Meerenge getroffen. Centcom wies die Berichte über einen Raketenangriff umgehend zurück und dementierte, dass ein Kriegsschiff getroffen worden sei.
Handelsvertreter und Reedereien weiter skeptisch
Die iranische Militärführung forderte Handelsschiffe und Öltanker als Reaktion auf Trumps Ankündigung auf, jede Schiffsbewegung mit dem iranischen Militär abzustimmen. "Wir haben wiederholt gesagt, dass die Sicherheit der Straße von Hormus in unseren Händen liegt", erklärte Ali Abdollahi, der Leiter des vereinigten Kommandos der Streitkräfte.
Die Containerreederei Hapag-Lloyd teilte am Montag mit, an ihrer Risikobewertung habe sich nichts geändert. Eine Durchfahrt durch die Meerenge sei weiterhin nicht möglich. Vier Schiffe des Unternehmens befänden sich noch im Golf. Zahlreiche Vertreter der Schifffahrts- und Ölindustrie erklärten, militärische Konvois seien keine Lösung. Sie forderten ein Ende der Feindseligkeiten und ein Friedensabkommen, damit die Sicherheit für die Schifffahrt wiederhergestellt wird. Hunderte Handelsschiffe und bis zu 20.000 Seeleute können die Meerenge der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) zufolge derzeit nicht passieren.
Wadephul fordert Ende der Blockade
Die Ölpreise waren nach den ersten Berichten über die angebliche Umkehr des US-Kriegsschiffs zunächst um fünf Prozent gestiegen, lagen am frühen Nachmittag jedoch nur noch rund 2,5 Prozent im Plus. Der Iran hat seit Kriegsbeginn fast den gesamten Schiffsverkehr in den und aus dem Golf mit Ausnahme des eigenen blockiert. Normalerweise wird ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte über diese Route abgewickelt. Die zweimonatige Sperrung hat den globalen Handel schwer belastet und die Ölpreise um 50 Prozent oder mehr in die Höhe getrieben.
Bundesaußenminister Johann Wadephul forderte die Führung in Teheran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dies habe er dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi in einem Telefonat am Sonntag deutlich gemacht, sagte Wadephul in Athen. Der Iran müsse zugleich erkennen lassen, dass das Land auf eine nukleare Bewaffnung verzichten werde. "Hier unterstützt Deutschland vollständig die amerikanische Verhandlungsposition." Es gebe zudem keine Rechtfertigung dafür, dass der Iran die Straße von Hormus blockiere, betonte Wadephul.
Mit Material von AFP und Reuters
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