Auf dem Bild hat Trump weiße Kleider an. Er legt einem anderen Mann die Hand auf die Stirn. Es sieht so aus, als ob Trump diesen Mann gesund machen will. Trump hat das Bild mit einer Künstlichen Intelligenz gemacht. Er hat das Bild in sozialen Netz-Werken veröffentlicht.
Auf dem Bild hat Trump weiße Kleider an. Er legt einem anderen Mann die Hand auf die Stirn. Es sieht so aus, als ob Trump diesen Mann gesund machen will. Trump hat das Bild mit einer Künstlichen Intelligenz gemacht. Er hat das Bild in sozialen Netz-Werken veröffentlicht.
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Das von Donald Trump verbreitete Selbstbild erinnerte stark an das Bild von Jesus, der einen Kranken heilt.
Bildrechte: Screenshot: truthsocial.com/@realDonaldTrump, Montage: BR
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Das von Donald Trump verbreitete Selbstbild erinnerte stark an das Bild von Jesus, der einen Kranken heilt.

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Trump, Jesus und der Heilige Krieg: Wer schreibt das Drehbuch?

Trump, Jesus und der Heilige Krieg: Wer schreibt das Drehbuch?

Trump postet sich als Papst, als Heiliger, neben Jesus. Sein Verteidigungsminister betet mit Tarantino-Zitaten. Steckt dahinter Kalkül – oder echte Überzeugung? Wie der christliche Fundamentalismus die US-Politik bestimmt. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

"I was saved by God to make America great again" – das sagte Donald Trump bei seiner zweiten Vereidigung. Ist Trump wirklich der Auserwählte? Eher nicht, sagt Philipp Adorf, Politikwissenschaftler und Experte für die religiöse Rechte in den USA, im BR24-Interview für "Possoch klärt". Trump sei religiös wenig versiert, kenne kaum Bibelverse und könne Bibelstellen nicht zuordnen. Aber er habe womöglich die Überzeugung, dass höhere Kräfte ihm geholfen haben. Theologe Benjamin Dahlke von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sagt: Bei Trump werde Religion schlicht funktionalisiert und verzweckt.

Das Kalkül geht auf. Denn Trump hat geliefert – ein konservativer Oberster Gerichtshof [externer Link], Abtreibungsrecht abschaffen [externer Link], Diversitätsprogramme [externer Link] radikal kürzen. Das macht ihn zur Heilsbringer-Figur für jene, die das wollten. Nicht weil er bibelfest ist, sondern weil er durchsetzt, was bibelfeste Vorgänger nur versprachen.

Pete Hegseth: Der echte Glaubenssoldat

Ganz anders sein Verteidigungsminister Pete Hegseth. Er macht aus seinen Überzeugungen keinen Hehl – religiöse Tattoos, martialische Rhetorik, Mitglied einer evangelikalen Splittergruppe, die anders als die Mehrheit der christlichen Kirchen die Kreuzzugsrhetorik bedient. In seinen eigenen Augen ist er ein "Christian Warrior". Dass er bei einem Pentagon-Gebet angeblich "Ezechiel 25,17" zitierte – und dabei Pulp Fiction mit der Bibel verwechselte – illustriert weniger fehlende Überzeugung als fehlende Bibelkenntnis. Der Heilige Krieg ist für Hegseth keine Metapher. Er meint es ernst.

Adorf erklärt, wie das möglich ist: Der Weg von "wir kämpfen für traditionelle Werte" zu "wir führen einen zivilisatorischen Krieg für das Christentum" sei ein vergleichsweise kleiner. Leute wie Hegseth könnten auf Jahrzehnte republikanischer Vorarbeit zurückgreifen – vom Kalten Krieg gegen das "gottlose Evil Empire" Sowjetunion bis heute.

Im Video: Wie christlicher Fundamentalismus die US-Politik bestimmt – Possoch klärt!

Seven Mountains Mandate: Herrschaft als Programm

Das theologische Fundament dahinter hat einen Namen: Seven Mountains Mandate. Die Idee ist so simpel wie weitreichend – Christen sollen die Kontrolle über die sieben Schlüsselbereiche der Gesellschaft übernehmen: Regierung, Bildung, Medien, Familie, Religion, Wirtschaft, Kunst. Rund die Hälfte der US-amerikanischen Christen stimmt dieser Ideologie laut Umfragen zu. Prominente Vertreter der Bewegung bezeichneten Trump als von Gott gesalbt, um die Regierung aus "dämonischer Kontrolle" zurückzuerobern.

Das operative Instrument dazu: Project 2025. Trump hat offiziell Distanz dazu gehalten – und trotzdem einen Großteil des Programms umgesetzt. Regierung nach "biblischen Prinzipien", weitreichende Exekutivvollmachten, Diskriminierung auf Basis von Sexualität und Geschlechtsidentität als religiöses Recht von Arbeitgebern.

Die Demokratie als Kollateralschaden

Dahlke benennt die historischen Wurzeln: 9/11 und der Irakkrieg hätten das Bild verfestigt, die USA seien ein christliches Land, das von islamischen Feinden bedroht wird. Hegseth und US-Vizepräsident Vance dienten beide im Irak. Diese Erfahrung prägt vermutlich.

Adorf zieht den Schluss: In diesem Weltbild stehe alles auf dem Spiel – nicht nur Steuerpolitik, sondern die christlich-westliche Zivilisation selbst. Wer so denke, für den rechtfertige das Ende die Mittel. "Wenn die politischen Gegner wieder an die Macht kommen, werden sie unser Land in die Hölle auf Erden verwandeln", beschreibt Adorf die Denklogik in diesem Lager. Die schwindende Akzeptanz demokratischer Spielregeln in der republikanischen Partei sei auch darauf zurückzuführen, dass das christlich-konservative Lager seinen Einfluss systematisch ausgebaut habe.

Trump ist in diesem Gefüge eher Werkzeug als Überzeugungstäter – eines, das funktioniert, gerade weil es keine eigene theologische Agenda hat. Die Bewegung dahinter hat sie. Und sie arbeitet seit Jahrzehnten daran.

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