Um zu verstehen, warum Deutschland beim schnellen Internet hinterherhinkt, muss man zurück in die 1980er-Jahre. Damals plant die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt (SPD) ein ehrgeiziges Projekt: ein landesweites Glasfasernetz. Bis etwa 2015 sollte Deutschland damit ausgestattet sein. Doch es kommt anders.
Kupferkabel statt Glasfaserkabel fürs Privatfernsehen
1982 übernimmt Helmut Kohl (CDU) das Kanzleramt – mit ganz eigenen Plänen. Statt Glasfaser setzt seine Regierung auf Kupferkabel. Der Grund: ein politisches und wirtschaftliches Großprojekt – das Privatfernsehen. Neben ARD und ZDF sollen in Zusammenarbeit mit Medienmogul Leo Kirch neue Sender entstehen. Damit die neuen Programme in die Wohnzimmer kommen, braucht es vor allem eins: ein flächendeckendes Kabelnetz.
Kupfer ist dafür die naheliegende Lösung. Die Technologie ist etabliert, günstiger und schnell verfügbar. Milliarden Mark fließen in den Ausbau. 1984 geht schließlich der erste private Fernsehsender auf Sendung. Das neue Netz funktioniert – und prägt die Infrastruktur des Landes bis heute.
Zu viele Daten: Kupferkabel stoßen an ihre Grenzen
Schon damals kritisieren Experten die Entscheidung. Glasfaser gilt bereits in den 80ern als Zukunftstechnologie. Sie kann deutlich mehr Daten übertragen als Kupfer. Trotzdem setzt sich Kupfer durch.
Die Folgen dieser Entscheidung sind bis heute spürbar
Zwar wurden Kupferkabel über die Jahrzehnte immer weiter verbessert. Doch inzwischen stoßen sie an ihre Grenzen. Anwendungen wie Streaming, Cloud-Dienste, Homeoffice oder Künstliche Intelligenz brauchen enorme Datenmengen. Glasfaser kann diese deutlich effizienter übertragen – mit Lichtimpulsen und nahezu ohne Geschwindigkeitsverlust.
Schnelles Internet nur, wenn es sich rechnet
Warum also wird nicht schneller ausgebaut? Ein Grund liegt in der Marktstruktur. Die heutige Telekom hat das alte Kupfernetz von der Bundespost übernommen und ist weiterhin ein zentraler Akteur. Der Ausbau mit Glasfaser erfolgt daher oft nur dann, wenn er betriebswirtschaftlich sinnvoll ist – nicht unbedingt dann, wenn er volkswirtschaftlich am dringendsten wäre.
Für Kommunen hat das Folgen. Viele Städte und Gemeinden kämpfen darum, überhaupt ausgebaut zu werden. In manchen Regionen lohnt sich der Ausbau für Telekommunikationsunternehmen nicht. Förderprogramme greifen nur teilweise. In lukrativen Gegenden gibt es oft eine Überversorgung, andere Kommunen müssen lange um den Ausbau mit Glasfaser kämpfen.
Kupferkabel als Internet-Bremse
Das zeigt: Die Entscheidung von Kanzler Helmut Kohl für Kupfer war damals vielleicht sinnvoll – aber sie wirkt bis heute nach. Die Kupferkabel haben zwar lange funktioniert. Aber jetzt werden sie zum Bremsklotz.
Die ganze Geschichte – und die Gründe, warum der Glasfaserausbau auch heute nur schleppend vorankommt, gibt es ab sofort in der neuen Staffel von "Die Entscheidung": "Als Kanzler Kohl das schnelle Internet ausbremste".
BR24 auf TikTok: Das haben die 80er Jahre mit dem heutigen lahmen Internet zu tun
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
