Für Katja Weiß aus Weiden in der Oberpfalz und ihre Mitreisenden ist der Spuk hoffentlich vorbei. Zusammen mit einer Freundin und insgesamt drei Kindern war sie vor gut einer Woche in den Urlaub nach Dubai gereist. "Super kinderfreundlich und eines der sichersten Länder der Welt", betont Weiß. Eine Reisewarnung habe es zum Zeitpunkt der Abreise nicht gegeben.
Sonne, Strand: Bis Samstag hatten sie eine tolle Zeit. Dann begannen die Angriffe der USA und Israels auf den Iran – und die Gegenangriffe. "Man hat den Tag über schon immer lautes Knallen gehört", sagt Weiß. "Wir konnten das aber noch nicht richtig einordnen." Später am Nachmittag sei eine Rakete oder Drohne am Himmel abgeschossen worden. Als nachts ein Alarm aufs Smartphone gekommen sei, "wurde es uns dann richtig anders". Ab Sonntag sei es wieder ruhiger geworden.
Ausreise und Heimkehr: Welche Möglichkeiten es gibt
Inzwischen dürften Katja Weiß und ihre Gruppe Dubai verlassen haben. Es herrsche kein Chaos, erzählt sie auf BR24-Anfrage vor dem Abflug am frühen Nachmittag, beim Warten am Flughafen. Aber auch wenn solche Rückreisen langsam mehr werden: Noch immer sitzen viele Urlaubende in der Region fest. Für ihre Ausreise gibt es mehrere Möglichkeiten.
Heimkehr organisiert durch den Reiseveranstalter
In erster Linie sind die Reiseveranstalter in der Pflicht, ihre Kundinnen und Kunden sicher nach Hause zu bringen. Oder die Fluggesellschaften, wenn Menschen keine Pauschalreise gebucht hatten und ihr Rückflug annulliert wurde. Weil der Luftraum teilweise gesperrt ist oder war und weil viele Flüge seit Samstag ausgefallen sind, wird es aber noch dauern, bis der "Rückreise-Stau" sich aufgelöst hat.
Am Dienstag kamen Urlaubende mit den ersten Linienmaschinen nach Deutschland. Am späten Abend landete ein von Tui organisierter Sonderflug mit einer Maschine der Partnerfluggesellschaft Emirates in München. "Mir fiel schon so ein kleines Gebirge vom Herzen", sagte eine Frau, die auf ihre Angehörigen gewartet hatte.
Vom Staat organisierte Rückflüge
Staatlich organisierte Flüge sind eher als Sicherheitsnetz für besonders Schutzbedürftige gedacht. Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte Charterflüge aus Riad (Saudi-Arabien) und Maskat (Oman) an – von dort ist der Luftverkehr am ehesten noch möglich. Ein erster Evakuierungsflug von Maskat nach Frankfurt am Main mit einer Lufthansa-Maschine soll vor allem Kinder, Kranke und Schwangere an Bord haben. Der Flug soll Donnerstagfrüh ankommen. Weitere Flüge sind in Planung.
Zugleich ruft das Auswärtige Amt Betroffene in der Region weiter zur Registrierung in der Krisenvorsorgeliste "Elefand" auf. Von Grünen und Linkspartei kommt Kritik, der Start der staatlich organisierten Rückholaktion sei zu spät und die Auswahl zu restriktiv.
Individualreisende haben es besonders schwer
Wer ganz auf eigene Faust unterwegs ist und keinen Rückflug für die nächste Zeit gebucht hat, dürfte es besonders schwer haben, die Gegend schnell zu verlassen. Individualtouristen sind auf die wenigen verbliebenen Linienflüge angewiesen – etwa über die Türkei oder andere Drittstaaten. Verbraucherschützer warnen allerdings vor Betrügereien bei kurzfristigen Online-Umbuchungen.
Wo kein sicherer Luftweg verfügbar ist, wird auch von eigenmächtigen Landrouten durch Krisenregionen dringend abgeraten. Zudem brauchen deutsche Staatsangehörige beispielsweise für die Einreise nach Saudi-Arabien ein Visum.
Blick nach Europa: Läuft es anderswo besser?
Ob es anderswo besser läuft, lässt sich schwer beantworten – weil es bisher keine belastbaren Zahlen gibt. Klar ist: Frankreich und Großbritannien planen ebenfalls Charterflüge, sprechen aber eher von "Erleichterung der Ausreise" als von einer groß angelegten Luftbrücke. Italien hat eine "Task Force Golfo" eingerichtet und bereits mehrere im Oman und den Emiraten gestrandete italienische Staatsbürger nach Hause gebracht. Der Eindruck bisher: Alle europäischen Staaten kämpfen mit denselben Engpässen beim Luftraum und den verfügbaren Flugzeugen samt Besatzung.
Karte: Aktuelle militärische Lage im Nahen Osten
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