Das Auswärtige Amt in Berlin (Symbolbild)
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Krieg im Nahen Osten: Kamen die Reisewarnungen rechtzeitig?

Krieg im Nahen Osten: Kamen die Reisewarnungen rechtzeitig?

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in viele Länder der Golfregion – aber weitgehend erst seit dem Tag, an dem die USA und Israel den Iran angegriffen haben. Daran gibt es Kritik. Die Warnungen sind besonders für Pauschalreisende wichtig.

Über dieses Thema berichtet: BR24live am .

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Am Samstagmorgen haben die USA und Israel den Iran angegriffen. Zu diesem Zeitpunkt waren nach jetzigem Kenntnisstand rund 30.000 Reisende aus Deutschland in der Golfregion, viele sitzen dort bislang fest. Das Auswärtige Amt verschärfte am Samstagnachmittag seine Reise- und Sicherheitshinweise für die gesamte Region. Für viele Staaten gilt seitdem eine Reisewarnung, darunter Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Kamen diese Reisewarnungen zu spät? Oder kamen sie schnell genug, nachdem die Lage eskaliert war? Darüber wird inzwischen heftig diskutiert, auch in der BR24-Community. Nutzer "Egon_B" findet, dass es sowohl für Touristen als auch für Geschäftsreisende "lange genug Vorwarnungen gab". User "Irgend_einer" betont dagegen, das Auswärtige Amt habe erst am 28. Februar, dem Tag des Kriegsbeginns, eine Warnung herausgegeben.

Wadephul: Seit Mitte Januar Warnungen vor Eskalation

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sorgte zuletzt selbst für Verwirrung. Im "heute journal" des ZDF erklärte er am Montagabend, für die Golfstaaten habe es schon vor Samstag eine "förmliche Reisewarnung" gegeben. Am Dienstagmorgen, eine Nacht nach seiner Äußerung, bedauerte Wadephul dann auf der Plattform X seinen "Irrtum". Seit Mitte Januar warne das Auswärtige Amt allerdings "vor einer möglichen Eskalation und Einschränkungen im Flugverkehr".

Tatsächlich rät das Auswärtige Amt schon seit 2022 von Reisen in den Iran ab. Seit Samstag gilt zudem eine Ausreiseaufforderung für deutsche Staatsbürger im Iran. Auch für Israel, Libanon und den Irak galten schon vor dem Angriff Reisewarnungen. Für den Großteil der Golfstaaten – besonders für beliebte deutsche Urlaubsziele wie Dubai – dagegen nicht.

Grüne: Bundesregierung "wirkt überfordert"

Kritik am Vorgehen der Bundesregierung kommt unter anderem von den Grünen. Die Bundesregierung habe sich auf die absehbare Eskalation nicht vorbereitet, sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg. Die Regierung sei unvorbereitet und wirke überfordert. "Erst an Tag drei nach Ausbruch des Krieges anzukündigen, einzelne vulnerable Personengruppen aus der Region evakuieren zu wollen, reicht nicht aus."

Er finde die ersten Aussagen des Außenministers "nicht so ganz okay", sagte der Reiserecht-Experte Kay P. Rodrega jüngst bei BR24live. Vor dem 28. Februar habe es beispielsweise für Dubai, Abu Dhabi und Bahrain nur Sicherheitshinweise gegeben. "Niemand wusste, wie die Lage sich dort entwickelt. Man kann der Reisebranche oder auch dem einzelnen Kunden hier keinen Vorwurf machen."

Reisewarnung: Pauschalreisende können meist kostenlos stornieren

Was bedeuten offizielle Reisewarnungen für Reisende, die in Kürze in die Region wollten? Eine solche Warnung des Auswärtigen Amts ist kein Reiseverbot, aber im Vertragsrecht ein starkes Indiz für außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände. Pauschalreisen, die unmittelbar bevorstehen, kann man in solchen Fällen in der Regel kostenlos stornieren – sofern sie nicht schon abgesagt sind. Wer erst in einigen Wochen reisen wollte, sollte vorerst abwarten.

Wer nur Flüge gebucht hat, ist meist auf die Kulanz der Airline angewiesen – sofern die Flüge stattfinden. Werden sie gestrichen, wie aktuell quasi alle Flüge in die Golfregion, hat man Anspruch auf Erstattung oder Umbuchung. Für eine einzeln gebuchte Ferienwohnung bzw. ein Hotel gelten die Stornobedingungen des jeweiligen Vertrags.

Wie kommt es zu Reisewarnungen des Auswärtigen Amts?

In Deutschland erlässt das Auswärtige Amt Reisewarnungen. Zuständig ist das Krisenreaktionszentrum mit Lagezentrum und Krisenstab. Grundlage für die Entscheidungen sind Berichte der Botschaften und Konsulate, Hinweise anderer Staaten und internationaler Organisationen, Geheimdienst‑ und Polizeiinformationen sowie Medienberichte und Satellitendaten.

Liegt eine "konkrete Gefahr für Leib und Leben" vor, wird aus "normalen" Sicherheitshinweisen eine Reisewarnung oder Ausreiseaufforderung. Formell sind das nur Empfehlungen, faktisch aber die schärfste staatliche Warnstufe.

Andere Staaten reagierten ähnlich wie Deutschland

Vor dem 28. Februar gab es nur begrenzt explizite Reisewarnungen für die Golfstaaten. Mehrere Länder warnten aber früh ebenfalls vor Teilen des Nahen Ostens: Die USA stuften den Iran lange vor dem Krieg als "Level 4: Do Not Travel" ein. Großflächige Reisewarnungen für die Golfstaaten wurden von vielen Staaten jedoch erst mit dem Kriegsbeginn am 28. Februar oder kurz danach ausgesprochen.

Karte: Aktuelle militärische Lage im Nahen Osten

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