03.03.2026, Israel, Ramat Gan: Feuerwehrleute und Rettungskräfte arbeiten an einem von iranischen Raketensplittern getroffenen Ort.Ziv
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Iran-Krieg: Welche Ziele verfolgt Israel?
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Iran-Krieg: Welche Ziele verfolgt Israel?

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Welche Ziele verfolgt Israel im Iran-Krieg?

Welche Ziele verfolgt Israel im Iran-Krieg?

Je länger der Angriffskrieg der USA und Israels andauert, desto deutlicher werden die unterschiedlichen Interessen zwischen Washington und Jerusalem. Trump spricht nicht mehr von Regimewechsel. Israel will eine strategische Neuordnung der Region.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

"Wir kommen Schritt für Schritt mit außergewöhnlichen Fortschritten voran", wie Israels Staatspräsident Issac Herzog am Vormittag bei einem Besuch im Hauptquartier des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom betonte. Diese Fortschritte würden, "mit Gottes Hilfe, einen Wandel im Nahen Osten bringen, für uns und für alle Nationen". Präsident Herzog spricht damit aus, was sich die ganz überwiegende Mehrheit der Israelis von dem gemeinsamen Angriffskrieg mit den USA erhofft: das Ende der 47-jährigen Herrschaft des Mullah-Regimes im Iran.

Israel hofft auf Regimewechsel im Iran

Seit dem Sturz des Schahs 1979 und der Machtübernahme der schiitischen Geistlichkeit machen Generationen von Israelis den Iran für eine nicht enden wollende Serie von Terroranschlägen, Kriegen und Krisen verantwortlich. Jetzt, fünf Tage nach Beginn des Angriffskriegs der USA und Israels auf das iranische Regime, sehen sich Premierminister Benjamin Netanjahu und die israelische Armeeführung diesem Ziel erheblich näher. So verfüge die israelische Luftwaffe inzwischen über die uneingeschränkte Lufthoheit im Iran, wie israelische Militärkorrespondenten melden.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hingegen erklärte heute, amerikanische und israelische Luftwaffen-Einheiten würden in den nächsten beiden Tagen den iranischen Luftraum kontrollieren. Das bedeute, so Hegseth wörtlich, "dass wir Tag und Nacht fliegen werden, um die Raketen und die Verteidigungsindustrie des iranischen Militärs aufzuspüren, zu zerstören und zu vernichten".

Erneute Luftangriffe auf iranischen Sicherheitsrat

Zwischen den USA und Israel gebe es bei der Bombardierung von Zielen im Iran eine Art "Arbeitsteilung", schreibt der Militärkorrespondent der Tageszeitung "Ha’aretz", Amos Harel. Die amerikanischen Streitkräfte würden vorrangig die iranischen Raketen- und Drohnenstellungen im Süden des Landes angreifen. Damit solle der Schutz der arabischen Golfstaaten erhöht werden, die seit Kriegsbeginn mit tausenden von iranischen Drohnen und Hunderten von ballistischen Raketen angegriffen werden.

Die israelische Luftwaffe greife unterdessen die Raketenstellungen im Westen des Iran an, die geografisch am nächsten zu Israel liegen. Obgleich die israelische Luftwaffe eine Vielzahl von Zielen im Iran angreife, sei eine Beobachtung offenkundig, analysiert Harel: "Israel hat Ziele im Visier, die mit dem Regime in Verbindung stehen und ihm helfen, seine Herrschaft im Inland durchzusetzen." Die USA, die "sich vollständig mit Israel abstimmen", würden diese Ziele der israelischen Luftwaffe überlassen.

So hätten in der Nacht von Montag auf Dienstag 100 israelische Kampfflugzeuge einen Gebäudekomplex in Teheran bombardiert, in dem sich schätzungsweise 200 Mitglieder des obersten Nationalen Sicherheitsrates aufgehalten hätten. Dies meldet die israelische Tageszeitung "Ma’ariv" unter Berufung auf Militärkreise. Dabei seien die Teilnehmer der Sitzung des Sicherheitsrates, "faktisch das Gremium, das den Iran kontrolliert", bei dem Angriff getötet oder verletzt worden.

Wie lange wird Trump den Iran-Krieg fortsetzen?

Zwischen US-Präsident Trump und Israels Premierminister Netanjahu dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen, dass ihre nationalen Interessen in zwei entscheidenden Fragen auseinanderdriften: Wie lange der Krieg fortgesetzt wird und wie er beendet wird. Mit jedem weiteren Tag könnten die Negativmeldungen aus dem Kriegsgebiet die Entscheidung des US-Präsidenten beeinflussen, wann und unter welchen Umständen der Krieg beendet werden wird. Laut übereinstimmender Meinungsumfragen in den USA lehnt eine große Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung den Iran-Krieg ab.

Die massiven Einbrüche auf den Kapitalmärkten sowie das rasante Ansteigen der Erdölpreise werden von Parteistrategen der republikanischen Partei zudem mit Sorge verfolgt. Sie fürchten, dass sich bis zu den Zwischenwahlen zum US-Kongress im November das Meinungsklima zuungunsten der Präsidentenpartei weiter verschlechtern könnte. Zusätzlich unter innenpolitischen Druck ist Trump durch die Aussagen seines Außenministers Marco Rubio geraten.

Rubio hatte am Montag gegenüber Reportern angedeutet, dass Israel zum Angriff auf den Iran entschlossen gewesen sei, Washington sich vor den zu erwartenden Verlusten habe schützen wollen und deswegen einem gemeinsamen Angriff zugestimmt hätte: "Wir wussten, dass es zu einer israelischen Aktion kommen würde", sagte Rubio. "Wir wussten, dass dies einen Angriff auf amerikanische Streitkräfte nach sich ziehen würde, und wir wussten, dass wir höhere Verluste erleiden würden, wenn wir nicht präventiv gegen sie vorgehen würden, bevor sie diese Angriffe starteten."

Trump betont Eigeninitiative der USA

Israels Premierminister Netanjahu legte am Montag gegenüber dem US-Sender Fox News nach. Er habe versucht, mehrere US-Regierungen davon zu überzeugen, gegenüber dem Iran entschlossen zu handeln. "Und Präsident Trump hat das getan", sagte Netanjahu. Dieser Eindruck, der sowohl für Israel als auch für die USA politisch schädlich ist, wurde umgehend von Donald Trump zurückgewiesen.

Er sei es gewesen, der die Israelis vermutlich zum Angriff gezwungen habe, betonte Trump in Anwesenheit von Bundeskanzler Merz am Dienstag. "Wir haben mit diesen Verrückten verhandelt, und ich war der Meinung, dass sie zuerst angreifen würden." Wenn "wir" es nicht getan hätten, hätte der Iran angegriffen. Das Wort Regimewechsel verwendete Trump nicht mehr.

Karte: Aktuelle militärische Lage im Nahen Osten

Im Video: Nato-Luftabwehr fängt iranische Rakete ab

Trümmerteil der Abwehrrakete, die die iranische Rakete abgefangen haben soll.
Bildrechte: BR/IHA
Videobeitrag

Türkei: Nato-Luftabwehr fängt Rakete aus Iran ab

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