Die schwarz-rote Regierungskoalition im Bund hat sich im April festgelegt: Besonders zuckerreiche Getränke sollen teurer werden, die Extra-Einnahmen sollen auch die gesetzlichen Krankenkassen entlasten. Die wichtigsten Antworten zur geplanten Zuckersteuer, die Mediziner schon lange fordern.
Um welche Produkte geht es?
Eine genaue Liste gibt es bisher nicht, weil das Gesetzgebungsverfahren noch läuft. Klar ist, dass Limonaden und klassische zuckerreiche Softdrinks dazu gehören. Zero-Produkte mit Süßungsmitteln sollen laut Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) – anders als kurzzeitig vermutet – nicht zusätzlich besteuert werden. Auch reine Fruchtsäfte und Milch soll nicht teurer werden. Inwiefern Sirup und Fruchtsaftkonzentrate betroffen sein werden, ist noch unklar.
Ab wann soll die Zuckersteuer kommen?
Das Finanzministerium plant den Start der Zuckersteuer für 2027. Zunächst war von 2028 die Rede. Allerdings gibt es hierüber innerhalb der Bundesregierung noch keine Einigung.
Was soll wie viel teurer werden?
Wie stark die Preise steigen, hängt vom Zuckergehalt ab, wie unter anderem das Deutsche Ärzteblatt berichtet (externer Link):
- ab 4,5 Gramm pro 100 Milliliter: 26 Cent Zuckersteuer pro Liter
- ab 7,0 Gramm pro 100 Milliliter: 32 Cent Zuckersteuer pro Liter
- ab 10,0 Gramm pro 100 Milliliter: 38 Cent Zuckersteuer pro Liter
Für Cola mit über 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter würde das bedeuten: Eine 0,5-Liter-Flasche würde 19 Cent teurer – sofern der Hersteller die Zuckersteuer eins zu eins aufschlägt. Aber: Noch ist das Gesetz nicht durch den Bundestag, es sind erstmal nur Eckpunkte aus dem Finanzministerium.
Was ist die erhoffte Wirkung?
Die geplante Zuckersteuer soll dem Staat mehr Geld bringen, das die gesetzlichen Krankenkassen "in geeigneter Art und Weise" entlasten soll. Ob und wie viel Geld tatsächlich an die Kassen fließen soll, ist bisher offen. In Medienberichten ist von geschätzten Einnahmen zwischen 450 Millionen und 650 Millionen Euro pro Jahr die Rede. Das Bundesagrarministerium rechnet – bei hohen Konsummengen – sogar mit bis zu zwei Milliarden Euro.
Aus gesundheitlicher Sicht soll die Zuckersteuer vor allem Hersteller beeinflussen: Sie sollen weniger Zucker in ihre Getränke mischen. Langfristig soll das dafür sorgen, dass weniger Menschen krank werden, weil sie über einen langen Zeitraum zu viel Zucker zu sich genommen haben.
Viele Mediziner und Verbraucherschützer drängen schon lange auf eine Zuckersteuer. In Praxen und Kliniken sehe man Folgen wie Übergewicht, Diabetes und Karies täglich. Zuckergesüßte Getränke spielten dabei eine zentrale Rolle.
Warum eine Zuckersteuer und keine Abgabe?
Anfangs diskutierte Schwarz-Rot über eine Extra-Abgabe auf zuckerhaltige Getränke. Letztlich wurde es eine Steuer. Der Unterschied: Eine Steuer ist nicht zweckgebunden, das Geld fließt direkt in den Bundeshaushalt.
Wie bewertet Bayern die geplante Zuckersteuer?
Genau hier setzt die Kritik von Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) an. Bundesfinanzminister Klingbeil dürfe die Einnahmen durch die geplante Zuckersteuer nicht einfach zum Stopfen von Haushaltslöchern nutzen, betont Gerlach auf BR24-Anfrage. Stattdessen müsse das Geld "eins zu eins für die Prävention verwendet werden".
Inhaltlich ist Gerlach aber offen für eine Zuckersteuer. Das könne sinnvoll sein, sagt sie. "Denn es ist erwiesen, dass der regelmäßige Konsum von zuckergesüßten Softdrinks im Zusammenhang unter anderem mit Diabetes mellitus Typ 2 und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steht." Anders sieht das in Bayern Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der eine Zuckersteuer als "Lachnummer" und "Bevormundung" bezeichnet hat.
Warum nicht auch andere besonders zuckrige Lebensmittel?
Auch Süßigkeiten und andere industriell hergestellte Lebensmittel enthalten viel zugesetzten Zucker. Dass sich die geplante Steuer auf Getränke konzentriert, ist aus Sicht des bayerischen Gesundheitsministeriums aber sinnvoll. "In Deutschland und vielen anderen Ländern gehören zuckerhaltige Erfrischungsgetränke zu den Hauptquellen für die Aufnahme von Zucker", sagt eine Ministeriumssprecherin auf BR24-Anfrage.
So sieht es auch die Organisation foodwatch. Ein Sprecher teilt auf BR24-Anfrage mit: "Die Deutschen nehmen besonders viel Zucker über Getränke zu sich – mehr als über Süßigkeiten." Dieser flüssige Zucker sei besonders gefährlich, weil er "leere Kalorien" liefere: "Man trinkt sehr schnell sehr viel Zucker – ohne es zu merken und ohne satt zu werden."
Was sind die Lehren in anderen Ländern?
In Großbritannien bewirkte eine Abgabe für Hersteller und Importeure von Softdrinks, dass der Zuckergehalt in diesen Produkten spürbar sank. Der Absatz an Softdrinks blieb ungefähr gleich, aber die gesamtverkaufte Zuckermenge ging um etwa 35 Prozent zurück. Inzwischen ist auch klar: Seitdem gibt es bei Kindern und Jugendlichen in Großbritannien weniger Karies und Adipositas.
Das Beispiel Dänemark zeigt dagegen laut dem DIW Berlin (externer Link): Bei Menschen mit geringer Selbstkontrolle bringen höhere Preise durch eine Zuckersteuer wenig. Dänemark schaffte die laut Fachleuten komplizierte Steuer 2014 nach rund zwei Jahren wieder ab.
Dieser Artikel ist erstmals am 27.08.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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