Sprotte will die Welt retten, Frieda feiert ihren 30. Geburtstag und Melanie kämpft mit einer gescheiterten Ehe: So könnte die Geschichte der "Wilden Hühner" auf der Leinwand weitergehen. Denn Autorin Cornelia Funke hat die Drehbücher für eine Fortsetzung längst fertiggeschrieben – und nach einem öffentlichen Aufruf nun auch Produzenten für ihre Fortsetzung gefunden.
Die Abenteuer von Sprotte, Frieda, Melanie, Trude und Wilma, den "Wilden Hühnern", wurden millionenfach gelesen und später erfolgreich verfilmt. Fast zwanzig Jahre nach dem letzten Kinofilm stehen die Figuren nun also kurz vor einem Comeback.
Zunächst kein Interesse
Das verkündete zumindest Moderatorin Mona Ameziane in einem Instagram-Clip (externer Link). Zuvor hatte sie zusammen mit Cornelia Funke ein Video gepostet (externer Link), in dem beide von dem Projekt erzählten – und dass sich dafür keine Produzenten finden würden. Demnach hatte Funke bereits Drehbücher für eine sechsteilige Serie geschrieben und sei davon ausgegangen, dass diese auch schnell verfilmt werden könnten. Doch stattdessen hätten viele Produktionsfirmen die Drehbücher abgelehnt.
Dabei ist die Idee einer Fortsetzung der Reihe naheliegend. In Zeiten, in denen zahlreiche Kultreihen wiederbelebt werden, scheint auch die Generation, die mit den "Wilden Hühnern" aufgewachsen ist, längst erwachsen genug für ein Wiedersehen mit ihren Kindheitsheldinnen zu sein – die mittlerweile auch in den von Funke geschriebenen Drehbüchern erwachsen geworden sind.
Reale Probleme
Die genaue Handlung der Fortsetzung gibt Funke bisher zwar nicht preis, in einem Interview mit dem Spiegel (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) spricht sie jedoch über einzelne Handlungsstränge. Demnach werden die Figuren mittlerweile in ihren Dreißigern sein. Melanie führt den Handwerksbetrieb ihres Onkels in Buxtehude, hat eine vierzehnjährige Tochter und steckt in einer schwierigen Ehe. Und Sprotte soll sich dafür einsetzen, die Welt zu retten.
Damit führt Funke ihren Stil fort, die Figuren mit realistischen Problemen zu konfrontieren. Produzentin Uschi Reich, die die alten Kinofilme verantwortete, sieht genau darin den besonderen Reiz der Bücher. Funke habe Figuren geschaffen, die authentisch sprechen und handeln, sagt sie im Gespräch mit Pop Secret Stories vom Bayerischen Rundfunk. Die Dialoge der Bücher fanden deshalb oft kaum verändert ihren Weg in die Filme.
Im Video: Pop Secret Stories - "Die Wilden Hühner" mit 30?
Erfolgsrezept aus dem echten Leben
Viele der Geschichten bei den "Wilden Hühnern" entspringen tatsächlich realen Erlebnissen von Cornelia Funke. Vor ihrer Karriere als Autorin arbeitete sie auf einem Bauspielplatz als Sozialarbeiterin. Dort begegnete sie Kindern mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten und harten sozialen Realitäten. Viele Geschichten flossen später direkt in ihre Bücher ein. So behandeln die Bücher Themen wie Armut, häusliche Gewalt oder Schwangerschaften in jungem Alter.
Auch einzelne Figuren haben reale Vorbilder. Die Großmutter Oma Slättberg etwa orientiert sich an Funkes eigener Oma. Die rivalisierende Jungenbande der Pygmäen geht auf Erzählungen ihres bereits verstorbenen Mannes zurück. Auch Melanie soll von einem Mädchen inspiriert worden sein, das Funke damals auf dem Bauspielplatz kennenlernte.
Comeback wäre fast gescheitert
Warum fand sich lange Zeit kein Studio für die neuen Drehbücher? Eine offizielle Antwort gibt es nicht. Auf Nachfrage des BR wollten mehrere große Produktionsfirmen die Ablehnung nicht begründen.
Cornelia Funke selbst hat eine Vermutung. Die Geschichte, so erklärt sie im Interview mit dem Spiegel, erzähle von fünf Frauen und ihrer Freundschaft. Vielleicht, so sagt sie, würden solche Stories in den entscheidenden, meist von Männern dominierten Gremien schlicht weniger Interesse wecken – obwohl Geschichten über Männerfreundschaften seit Jahrzehnten wie selbstverständlich produziert würden.
Funkes Beharrlichkeit zahlt sich aus
Funke selbst gab das Projekt trotz der Absagen mehrerer Produktionsfirmen nicht auf. Statt auf weitere Studioentscheidungen zu warten, startete sie einen öffentlichen Aufruf nach Produzentinnen und Produzenten. Laut Funke meldeten sich daraufhin innerhalb weniger Tage so viele Interessierte, dass sie die Suche wieder beendete.
So konnte man in den Kommentaren beispielweise lesen, dass die namhafte "Bild und Ton Fabrik", die bereits Serien wie "How to Sell Drugs Online (Fast)" realisierte, Interesse zeigte. Und auch ARD und ZDF haben laut eigener Angabe die Drehbücher zur Prüfung vorliegen. Wer nun die neuen Filme der "Wilden Hühner" in ihren Dreißigern verfilmen wird, bleibt zunächst aber noch ein Geheimnis.
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