Helene Fischer und ihre Barbie
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Helene Fischer als Barbie: Feminismus oder Marketing?

Helene Fischer als Barbie: Feminismus oder Marketing?

Der Spielzeughersteller Mattel hat Helene Fischer eine eigene Barbie gewidmet: Die Puppe zeigt die Sängerin mit langen blonden Haaren, blauem Glitzerkleid und einem goldenen Mikrofon in der Hand. Helene Fischer freut sich. Frauen reagieren gemischt.

Über dieses Thema berichtet: BR Schlager pur am .

Sängerin Helene Fischer ist Teil des globalen "Barbie Dream Teams". Die Initiative des US-amerikanischen Spielzeugherstellers Mattel würdigt laut eigenen Angaben herausragende Frauen, die in ihren jeweiligen Branchen Pionierarbeit geleistet haben. Als Anerkennung bekommen die Frauen eine Puppen, die aussieht wie sie.

Die Helene-Fischer-Barbie zeigt die Sängerin mit langen blonden Haaren, in einem blauen Glitzerkleid, mit High Heels an den Füßen und einem goldenen Mikrofon in der Hand. Das Kleid ist das gleiche, das auch ihre Wachsfigur bei "Madame Tussauds" in Amsterdam trägt.

Laut eigenen Angaben hat Mattel seit 1959 mehr als 100 Frauen aus unterschiedlichen Branchen und Lebensbereichen, die nachhaltige Veränderungen angestoßen haben, mit solch einer Puppe gewürdigt.

Barbiepuppen als Role Models

Zum diesjährigen Internationalen Frauentag am 8. März wurden neben der deutschen Pop- und Schlagersängerin Helene Fischer und der US-amerikanischen Astronautin Kellie Gerardi vor allem Sportlerinnen ins Team aufgenommen: die Tennisspielerin Serena Williams (USA), Rennfahrerin Regina Sirvent Alvarado (Mexiko), Fußballspielerin Chloe Kelly (UK), Bergsteigerin Zoja Skubis (Polen), Profisurferin Stephanie Gilmore (Australien) und Cricketspielerin Smriti Mandhana (Indien).

Mit den Puppen nach realen Vorbildern will Spielzeughersteller Mattel junge Mädchen dazu ermuntern, ihren eigenen Weg zu gehen: "Barbie hat stets den Glauben vertreten, dass Mädchen alles erreichen können. Von Astronautinnen bis zu CEOs, Barbie hat Grenzen überwunden und neu definiert, was möglich ist", sagte Nathan Baynard, Vice President und Head of Barbie bei Mattel.

ANAD-Streetworkerin: "Umsetzung leider mangelhaft"

Emanzipation durch eine Puppe, die für ihre Wespentaille berühmt ist? Oder doch nur ein geschickter Marketing-Schachzug? Das Echo auf die Aktion ist bestenfalls gemischt. Sabine Dohme, digitale Streetworkerin bei ANAD Versorgungszentrum Essstörungen, findet die Idee prinzipiell anerkennenswert. "Jedoch ist die Umsetzung leider mangelhaft: die unrealistische Barbie-Proportion, das sexy Outfit und der Glamour-Faktor verleiten Mädchen wieder zu einem einschränkenden und ungesunden Schönheitsideal." Echte, realistische Vorbilder und "Diversität in Alter, Beruf, Körperformen und Lebenswegen" seien dringend nötig.

Familien-Expertin: "Spielzeug ist Spielzeug"

Familien-Expertin Kira Liebmann findet den Anspruch an sich überzogen: "Kinderspielzeug ist Kinderspielzeug. Gesellschaftliche Debatten, ob das jetzt gut oder schlecht ist, gehen da zu weit: Kinder, die mit Barbie spielen, wollen einfach nur ihrer Fantasie freien Lauf lassen", so Liebmann im Gespräch mit dem BR.

"Themen wie Empowerment oder Emanzipation werden für die Kinder erst viel später interessant, wenn sie in der Pubertät sind. Und wir dürfen den Kindern ruhig zutrauen, dass sie Fiktion und Realität unterscheiden können, sie verwechseln eine Puppe nicht mir realen Menschen." Dass ausgerechnet Helene Fischer als Pionierin und Vorbild gefeiert wird, überzeugt die Expertin nicht: "Ich weiß nicht, ob Helene Fischer wirklich dafür steht, was da verkauft werden soll."

Kinder wollen einfach nur spielen

Bei einer spontanen Umfrage des BR-Abendschau-Teams in München reagierten die Passanten gemischt: Fans von Helene Fischer freuten sich, andere stießen sich an dem Schönheitsideal, für das die Barbie-Puppe mit ihrem unnatürlichen Körperbau steht. Interessant sind die Alternativvorschläge der Frauen: mit Jutta Speidel wurde eine Schauspielerin und Autorin genannt, die für ihr weitreichendes soziales Engagement bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

In den sozialen Medien und Kommentaren wurde die Aktion abseits der Helene-Fischer-Fanbase auch stark kritisiert. "Matell macht das für seinen Umsatz, nicht für die Frauen", hieß es in der BR-Community. Auch auf die fragwürdigen Herstellungsbedingungen bei der Produktion der Puppe wurde hingewiesen.

Interessante Alternativvorschläge

Helene Fischer schrieb auf ihrem Instagram-Account, sie sei stolz darauf, eine eigene Barbie zu besitzen: "Es bedeutet mir unendlich viel, ein Vorbild für so viele Kinder sein zu dürfen. Ich möchte jedem jungen Mädchen sagen: ... Glaubt an euch selbst, bleibt euch treu und geht euren eigenen Weg."

In den Handel soll die Helene-Barbie offenbar im Herbst kommen.

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