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"Epic Fury": Trump will die Angriffe auf den Iran intensivieren. Er rechnet mit mehreren Wochen Krieg.
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"Epic Fury": Trump will die Angriffe auf den Iran intensivieren. Er rechnet mit mehreren Wochen Krieg.

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Iran-Krieg: "Die Weltordnung kippt endgültig"

Iran-Krieg: "Die Weltordnung kippt endgültig"

USA und Israel bombardieren den Iran – und treffen damit auch Russland und China. Politologe Gerhard Mangott erklärt, warum dieser Krieg die Weltordnung endgültig kippt. Und warum Russland in die Defensive gerät.

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

Die USA und Israel greifen den Iran an – und die Welt schaut zu. Was wie ein regionaler Konflikt aussieht, ist in Wahrheit ein geopolitisches Erdbeben mit globaler Sprengkraft, sagt Gerhard Mangott im BR24-Interview für "Possoch klärt". Der Innsbrucker Politologe und Verteidigungsexperte ordnet ein, was hinter den Angriffen steckt, warum Europa mal wieder versagt – und ob wir uns Sorgen machen müssen, dass das Ganze außer Kontrolle gerät.

BR24: USA und Israel gegen den Iran – ist das schon Weltkrieg?

Gerhard Mangott: Nein, ein Weltkrieg ist es nicht. Aber ein großer regionaler Flächenbrand, der auch nicht ganz kontrollierbar ist – weder durch die USA noch durch Israel. Und er hat globale Auswirkungen: auf China, das sehr viel Öl aus dem Iran bezogen hat, auf Russland, das mal wieder gezeigt hat, dass seine Sicherheitsgarantien nichts wert sind, und auf Europa, über Energiepreise und unterbrochene Lieferketten.

Im Video: Ist das jetzt schon Weltkrieg?

Europa: "Ein Wurmfortsatz der amerikanischen Außenpolitik"

BR24: Warum kritisiert Europa den Angriff kaum?

Mangott: Die Europäer sind gefangen in ihrer Abhängigkeit von den USA – bei der Verteidigung, bei der Gasversorgung, beim Ukraine-Krieg. Das ist das Elend der Europäer, und es ist ein dunkles Kapitel europäischer Souveränität. Solange Europa nicht in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen, ist es eher Gegenstand der Weltpolitik als Akteur – wenn ich das etwas despektierlich sagen darf: ein Wurmfortsatz der amerikanischen Außenpolitik.

BR24: Russland hat einen wichtigen Verbündeten verloren – wie schwer wiegt das?

Mangott: Es ist eine geopolitische Niederlage. Russland wird aus dem gesamten Raum vom Nahen Osten über den Persischen Golf bis zum Südkaukasus herausgedrängt – nur weil es alle Ressourcen in den Ukraine-Krieg geworfen hat. Und es zeigt sich wieder: Eine russische Sicherheitsgarantie ist nichts wert. Das schadet der Glaubwürdigkeit Russlands als verlässlichem Partner enorm – nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Afrika.

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Der Innsbrucker Politologe und Verteidigungsexperte Gerhard Mangott: "Die Weltordnung kippt endgültig"

Kapitulation war für den Iran keine Option

BR24: Was wollen die USA wirklich – und was will Israel?

Mangott: Die USA haben versucht, den Iran zu drängen, sein Atomprogramm vollständig aufzugeben, das ballistische Raketenprogramm einzuhegen und seine Aktivitäten über Milizen in der Region zu beenden. Das hätte einer Kapitulationserklärung gleichgekommen – und Iran hat das abgelehnt. Israel geht noch weiter: Es will einen Regimewechsel, eine Führung, die nicht feindselig ist und nicht wieder aufrüstet.

BR24: Spielt da das Völkerrecht noch eine Rolle?

Mangott: Leider immer weniger. Wir leben in einer Zeit, in der Staaten sich nicht einmal mehr darum kümmern, ob sie Völkerrecht brechen. Sie tun es einfach, ohne sich zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Dieser Angriff ist nach geltendem Recht eindeutig völkerrechtswidrig. Das Problem: Das Völkerrecht schützt auch brutale Diktaturen – auch die Souveränität eines Terrorregimes ist völkerrechtlich gesichert. Das ist ein Widerspruch, dem sich das Völkerrecht stellen muss.

Trumps versteckter Hebel gegen China

BR24: Ist der Iran-Krieg auch ein indirekter Angriff auf China?

Mangott: Am Rande schon. 90 Prozent des iranischen Öls flossen nach China – das fällt jetzt weitgehend weg. China muss noch mehr Öl aus Russland beziehen. Und China hat gezeigt, dass es im Ernstfall nichts tun kann, um einen Alliierten zu schützen – das ist auch für Chinas Rolle in Afrika höchst nachteilig. Trumps Außenpolitik zielt klar darauf ab, Rivalen auf direkte und indirekte Weise zu schwächen. Das hat man mit Russland gemacht, und das macht man jetzt mit China.

BR24: Dritter Weltkrieg oder Kalter Krieg 2.0 – was trifft es besser?

Mangott: Einen klassischen Weltkrieg sehe ich, wie gesagt, nicht. Aber es ist tatsächlich ein Zusammenbruch der Ordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurde. Die Weltordnung kippt endgültig. Große Mächte tun, was sie wollen, ohne sich an Regeln gebunden zu fühlen. Und ja, es gibt Parallelen zum Kalten Krieg – auch damals war er nicht wirklich kalt, es gab tödliche Proxy-Kriege in vielen Einflusszonen. Der Unterschied heute: Die Welt ist multipolar, die Fronten sind ungeordneter, die Volatilität ist größer – und damit auch die Gefährdung internationaler Normen und des internationalen Rechts. Und es gibt einen wachsenden Rückgriff auf militärische Mittel zur Durchsetzung politischer Interessen.

BR24: Danke für das Gespräch.

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