Ausschnitt aus der Serie "Harry Potter und der Stein der Weisen". Harry Potter hält seinen Zauberstab in der Hand.
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Der neue Harry Potter wird von Dominic McLaughlin gespielt.
Bildrechte: HBO
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Langweilig? Neue Harry-Potter-Serie wirkt wie Kopie der Filme

Langweilig? Neue Harry-Potter-Serie wirkt wie Kopie der Filme

An Weihnachten erscheint die "Harry Potter und der Stein der Weisen"-Serie. Der Trailer gibt Einblicke, zeigt aber nicht besonders viel Neues. Teilweise wirken Kulisse und Inhalt wie eine Kopie der Filme. Warum setzt HBO nicht auf Innovatives?

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Hunderte schwebende Kerzen, hohe Decken, lange Roben. Und dann natürlich noch die sprechenden Hüte. Hogwarts ist zurück. Und das in einer überraschend gewohnten Optik. Nur warum?

Serie wirkt wie Kopie der Filme

Der neue Trailer zur HBO-Serie "Harry Potter und der Stein der Weisen" serviert Fans der ersten Stunde fast nur Altbekanntes aus den Kinofilmen. Die Kulisse der Serie, die dieses Jahr an Weihnachten erscheinen soll, wirkt erstaunlich vertraut.

Den Medienökonom Björn von Rimscha von der Universität Leipzig wundert das nicht: "Wenn Sie ein Programm für die Staatsoper in München machen und sich überlegen, was nehmen wir Weihnachten ins Programm, dann kommt zum 20. Mal wieder eine Inszenierung vom Nussknacker. Und das ist, worum es an Weihnachten geht: Es soll sein wie immer."

Harry-Potter-Serie darf nicht floppen

Vor allem gehe es der Produktion, laut Björn von Rimscha, um eine Sache: Risikovermeidung. Und bei Warner Bros. Discovery werden derzeit besonders viele Risiken vermieden. Das Studio schleppt seit der großen Fusion von Discovery und WarnerMedia 2022 eine Last von etwa 30 Milliarden Dollar Schulden mit sich herum. Um die nervösen Investoren an der Wall Street zu beruhigen, kündigte der HBO-Mutterkonzern Anfang 2023 den sichersten Goldesel überhaupt an: ein Harry-Potter-Reboot.

Kinder der Millennials sind jetzt die Zielgruppe

Medienwissenschaftlerin Vera Cuntz-Leng von der Universität Marburg ist als Harry-Potter-Fan von der Eins-zu-eins-Adaption enttäuscht. Laut ihr könnte diese Art des Remakes auch daran liegen, dass hier eher die nächste Generation im Fokus steht, also die Kinder der Millennials.

Denn selbst die Aussicht auf die Verfilmung neuer Details aus den Büchern, die zuvor in den Filmen zu kurz kamen oder gar nicht thematisiert wurden, wird einige Fans nicht vor den Bildschirm locken. Autorin und Executive Producerin J.K. Rowling ist für viele längst ein rotes Tuch. Ihre transfeindlichen Aussagen sowie die finanzielle Unterstützung rechtskonservativer Gruppen in Großbritannien machen sie hochumstritten.

Im Trend: Fanfiction, die verfilmt wird

Viele Fans haben dem offiziellen "Potterverse" also schon längst den Rücken gekehrt und suchen ihr Heil an einem ganz anderen Ort: in der Fanfiction-Szene. Viele Fanfictions, also selbstgeschriebene Texte von Fans, die die Geschichte von zum Beispiel Film- oder Seriencharakteren weiter- oder neu erzählen, werden im Moment vom Netz genommen, um sie offiziell zu veröffentlichen. "Das bekannteste Beispiel im Moment ist 'Alchemised' von SenLinYu, das vorher als "Hermine und Draco"-Fanfiction erschienen ist", erzählt Medienwissenschaftlerin Vera Cuntz-Leng. "Da hat die Autorin die Filmrechte für drei Millionen Dollar an Legendary Pictures verkauft."

Fanfiction ist also längst kein reines Nebenprodukt mehr, sondern ein eigener Raum für neue Stoffe und neue Zielgruppen. Hier entstehen Geschichten, die von Gewalt, Trauer oder queerer Identität erzählen. Themen, von denen ein Milliardenkonzern wie HBO im Mainstream eher zurückschrecken würde: "Fans nehmen im Prinzip die Lücken, die der Text vorgibt, und füllen die mit Bedeutung", sagt Vera Cuntz-Leng. "Für queere Personen hat das mit non-heteronormativen Lebensentwürfen zu tun, mit Begehrenskonstellationen, die da ausagiert werden können."

Harry Potter eher als Absicherung

Am Ende bleibt der Eindruck: Die Serie ist für einen hochverschuldeten Konzern im Übernahmekampf der wirtschaftlich sicherste Zug, kreativ und kulturell jedoch der denkbar konservativste. Die größte Kreativität im Harry-Potter-Kosmos entsteht womöglich gerade nicht im offiziellen Kanon, sondern daneben.

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