Sie geht schon aufs 13. Jahrhundert zurück, enthält bedeutende Renaissancekunst und liegt mitten in der Stadt: die spätromanische Sebalduskirche in Nürnberg, die im vergangenen Jahr erstmals mehr als 500.000 Besucher hatte. Künftig müssen alle Erwachsenen, die nicht zum Beten, Gottesdienstfeiern oder als kirchlich Engagierte hineinwollen, fünf Euro Eintritt (ermäßigt 2,50 Euro) am Eingang entrichten – bereits ab 17. Mai.
Kölner Dom: Zu wenige freiwillige Spenden
Hintergrund seien die in den vergangenen Jahren gestiegenen Kosten für Unterhalt und Restaurierungen des seit 1525 evangelischen Gotteshauses. Auch die Mehrkosten für Energie, Reinigung und Sicherheit sowie die Organisation der Öffnungszeiten seien erheblich, wie der Pfarrer der Sebalduskirche, Martin Brons, am Donnerstag vor Journalisten die Eintritts-Entscheidung begründete. Auf der Homepage der Pfarrei ist von einem "Beitrag zur offenen Kirche" die Rede. "Der Beitrag richtet sich an diejenigen, die die Kirche vor allem als kulturellen und historischen Ort besuchen und sich an ihrem Erhalt beteiligen möchten", so der Pfarrer.
Erst im März machte der Kölner Dom Schlagzeilen: Touristische Besuche dort sind ab Herbst kostenpflichtig. Zuvor hatte die Gemeinde bei den jährlich rund sechs Millionen Besuchern gezielt um Spenden geworben, etwa mit einem im Dom aufgestellten Plexiglas-Gefäß. "Hätte jeder Besucher einen Euro reingetan, hätten wir im Jahr sechs Millionen Euro zur Verfügung. Aber manchmal waren am Ende eines Tages mit rund 20.000 Besuchern da nur 700 Euro drin", sagte Domdechant Robert Kleine unlängst der "Kölner Rundschau".
Fast 30 Euro kostet die Westminster Abbey in London
Wie viel der Eintritt in den Kölner Dom kosten wird, ist noch nicht endgültig entschieden – wobei kaum davon auszugehen ist, dass er sich auf knapp 30 Euro belaufen dürfte. So teuer ist etwa der Besuch der berühmten Westminster Abbey in London (25 Pfund); der Eintritt in den Mailänder Dom kostet Erwachsene zehn Euro. Auch in Spanien ist der Besuch vieler Kirchen und Kathedralen kostenpflichtig, um damit Geld für die Instandhaltung der zum Teil jahrhundertealten Gebäude zu generieren.
Und kaum ein anderes Land hat eine mit Deutschland vergleichbare Kirchensteuer, die die Kirchen hierzulande bislang unter anderem zur Instandhaltung ihrer Gotteshäuser heranziehen konnten. Doch durch die rückläufigen Kirchenmitgliedszahlen haben die Kirchen weniger Einnahmen aus Kirchensteuer zur Verfügung, also auch weniger Geld zur Instandhaltung ihrer Gebäude.
Marx: Kirchen-Eintritt in Bayern "kein Thema"
In Bayern wird bislang trotzdem nur in Einzelfällen Geld für einen Kirchenbesuch außerhalb der Gottesdienstzeiten verlangt, etwa in der evangelischen Stadtkirche Sankt Jakob in Rothenburg ob der Tauber: Dort kostet der Besuch 3,50 Euro. Für die katholischen Kirchen im Freistaat schlossen zuletzt die bayerischen Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung aus, die Gotteshäuser für touristische Besucher kostenpflichtig zu machen.
"Das ist in Bayern kein Thema", so der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx vor gut einem Monat. Er freue sich vielmehr, "wenn viele Menschen, gerade in den touristischen Orten und Landschaften Bayerns, die Kirchen besuchen und eine Kerze anstecken".
Dieser Artikel ist erstmals am 23. April 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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