Der russische Präsident tätschelt junge Zuschauer
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"Zufällige" Begegnung: Putin in Nowosibirsk
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"Zufällige" Begegnung: Putin in Nowosibirsk

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"Noch nie Angst gehabt": Zweifelt Putin an seiner Popularität?

"Noch nie Angst gehabt": Zweifelt Putin an seiner Popularität?

Ein Wahlkampf-Auftritt des russischen Präsidenten in Nowosibirsk sorgt für viele ironische Kommentare. "Spontane" Begegnungen seien minutiös organisiert, die ganze Stadt müsse "stillstehen". Derweil beteuert Putin, er habe sich "noch nie" gefürchtet.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Mastodon am .

"Die ideale Bevölkerung sind Kinder am Straßenrand. Sie quietschen vor Freude, fotografieren den Autokorso und – am wichtigsten – stellen keine Fragen", so der russische Politologe Andrei Nikulin zu einem viel diskutierten Propaganda-Auftritt von Wladimir Putin in Nowosibirsk [externer Link]: "So sieht also das wunderbare Russland der Zukunft aus: Niemand stört den eleganten Vorbeizug des Autokorsos durch die zwei sanierten Straßen einer menschenleeren Stadt. Alles ist ruhig, friedlich und stabil; keine Maus kann durchschlüpfen, keine Mücke vorbeifliegen..."

Ein "verunsicherter" Putin versuche derzeit, seine rückläufige Popularität mit einer Wahlkampf-Tour durch die Provinz zu verbessern, behauptet die britische "Times" [externer Link]. Das sei ein Zeichen dafür, dass sich der Kreml um die Unterstützung des Regimes und des Angriffskriegs auf die Ukraine vor der Parlamentswahl vom 18. bis 20. September Sorgen mache.

"Wenn schon blamiert, dann richtig"

Allerdings wird Putin eher mit Hohn und Spott überschüttet. So sei ein "spontaner" Foto-Stopp der Präsidenten-Limousine an einer Gruppe von Zuschauern bis ins Detail organisiert gewesen, so Andrei Nikulin: "Kinder wurden dorthin gebracht, falls der Autokorso am vereinbarten Ort anhalten sollte. Laut lokalen Medien warteten sie zwei Stunden lang an der Straße neben einer Teboil-Tankstelle, deren Preisschild abgeschaltet war und an der es kein Benzin gab."

Normalerweise stünden an der Ausfallstraße nie Passanten, heißt es unter Polit-Bloggern [externer Link]: "Aber wie heißt es so schön: Wenn man sich schon blamiert, dann richtig!" Andere Neugierige seien von Sicherheitskräften mit dem Argument vertrieben worden, Putin müsse ständig an Russland denken und habe "keine Zeit, aus dem Autofenster zu schauen".

"Über dem Land liegt ein Grauschleier"

Politologe Wladislaw Inosemtsew kam auf seine Erinnerungen an Nowosibirsk zu sprechen [externer Link], wo die Farbe Grau die ganze Stadt dominiere. Neuerdings habe die dortige Kommunalverwaltung beschlossen, auch alle Kioske farblich zu vereinheitlichen, und zwar in grau: "Die Stadt noch grauer zu machen, ist keine leichte Aufgabe, aber die Stadtverwaltung hat beschlossen, sich nach Kräften darum zu bemühen."

Das bittere Fazit des Politikwissenschaftlers: "Russland ist einer Bürokratie ausgeliefert, die ihre Macht weniger zum Wohle eines abstrakten Staatsgebildes oder eines bestimmten Beamten ausübt, sondern schlicht und einfach, weil sie es kann – um ihr Volk zu beherrschen, ohne irgendjemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Und es ist nicht überraschend, dass über dem Land ein Grauschleier liegt."

"Er hat die Wahl"

Exil-Experte Abbas Galljamow, früher Redenschreiber für Putin, hielt sich angesichts ukrainischer Drohnen-Angriffe tief im russischen Hinterland ebenfalls nicht mit Sarkasmus zurück [externer Link]: "Wenn alles nach Plan läuft, wird die russische Hauptstadt bald nach Sibirien verlegt, die übrigen Gelder fließen dorthin, und zweimal jährlich werden Pflastersteine ​​verlegt. Vielleicht reist Putin durch diese Region, weil er entscheiden will, wo er genau seinen zukünftigen Kreml baut. Er hat die Wahl."

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Galljamow vermisste bei Putin allerdings einen "antikolonialistischen Diskurs", wonach der russische Westen die fernöstlichen Gebiete "viel zu lange ausgebeutet" habe und es nun an der Zeit sei, alles zurückzugeben: "Die westlichen Progressiven wären begeistert gewesen, und das hätte ein großer außenpolitischer Erfolg sein können."

"Jetzt muss die Stadt stillstehen"

Beißende Ironie löste ein Dialog Putins mit einem Studenten aus [externer Link]. Der Präsident hatte ihn gefragt, ob man sich vor der Künstlichen Intelligenz "fürchten" müsse. Die lakonische Antwort des Studenten unter dem Gelächter der Umstehenden: "Sie nicht." Daraufhin hatte Putin beteuert, er habe noch nie vor irgendetwas Angst gehabt.

Die bezeichnende Reaktion eines russischen Kommentators: "Es scheint, als habe sich in über einem Vierteljahrhundert an der Macht die Definition von Furchtlosigkeit verändert. Der Präsident selbst fürchtet nichts – aber alle um ihn herum müssen äußerst vorsichtig sein: Passanten, Autofahrer, Rollerfahrer und sogar die Bewohner in ihren eigenen Wohnungen. Der Präsidentenkonvoi fährt nun durch die Regionen, als wäre es nicht Nowosibirsk, sondern die Front. Früher kam der Präsident in die Stadt, um sich ein Bild vom Leben der Menschen zu machen. Jetzt muss die Stadt stillstehen, damit sich der Präsident sicher fühlt."

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