Eishockeyspieler, emotional zugängliche Männer, Liebesbeziehungen: Spätestens seit dem Erfolg von "Heated Rivalry" erleben Romance-Geschichten mit sensiblen Männerfiguren wachsende Aufmerksamkeit. Auch die Verfilmung der "Off-Campus"-Reihe von Elle Kennedy trendet auf Social Media – genauer gesagt vor allem die männlichen Figuren. Ihre Szenen laufen dort in Endlosschleife durch die Feeds und machen aus Serienfiguren digitale Schwärmereien.
Eins haben sie gemeinsam: Sie wurden von Autorinnen erschaffen und gelten als sensibel, reflektiert und nicht "toxisch". In den Feeds kommentieren vor allem junge Frauen diese Männer mit einer Mischung aus Begeisterung und Ernüchterung. Sie schwärmen von loyalen, emotional zugänglichen Typen: "Die sind so written by a woman coded", schreiben die einen, "Ich wünschte, solche Männer wären nicht nur fiktiv", sagen manche anderen.
Können solche Serien das Bild von Männlichkeit in der Popkultur – und darüber hinaus – verändern?
"Written by a woman" – eine neue Art, Männer zu schreiben?
Die fiktiven Charaktere Garrett, Dean & Co. in "Off Campus" sehen nicht nur gut aus. Sie reden über Gefühle, zweifeln und sind reflektiert – untereinander und mit den Frauen in ihrem Umfeld. Sie sagen Sätze wie "Konsens ist der Schlüssel – und sie kann nicht zustimmen, wenn sie sich nicht sicher fühlt".
Sie verkörpern eine Männlichkeit, die scheinbar vielen Frauen im Alltag fehlt. Der Ausdruck "written by a woman" wird dabei zu einem Label für Figuren, die aus einer weiblich geprägten Beziehungsperspektive gelesen werden – also Männer, die emotional zugänglich sind, Grenzen respektieren und Sicherheit im Umgang mit Gefühlen vermitteln.
Die Figuren in "Off Campus" sind fiktiv. Christoph May, Mitgründer des Instituts für Kritische Männerforschung und Dozent für kritische Männlichkeit, betont jedoch, dass solche Darstellungen trotzdem gesellschaftliche Wirkung entfalten können: "Die meisten unterschätzen die Macht von Männerbildern, das prägt uns früh."
Nach Einschätzung Mays zeigt sich zwar eine Entwicklung hin zu emotionaleren Darstellung von Männlichkeit, jedoch nur langsam. Wirklich progressive Erzählungen gingen häufig von Frauen oder queeren Menschen aus. Viele Männer seien nicht mit emotional präsenten Vorbildern aufgewachsen und hätten daher weniger Bezugspunkte für solche Geschichten.
Sind Romanzen von Frauen "besser"?
Schreiben Frauen also die "besseren" Männerfiguren im Romance-Bereich? Die Autorin Simoné Goldschmidt-Lechner, die unter anderem über Popkultur aus marginalisierten Perspektiven schreibt, bremst diese Erwartung. Aus ihrer Sicht sind von Frauen geschriebene Romanzen nicht per se besser, sondern anders. Sie entstehen in einem ohnehin weiblich dominierten Genre und zeigen eher, welche Vorstellungen und Fantasien Frauen von Männlichkeit haben.
Das emanzipatorische Potenzial liegt für sie weniger in den männlichen Figuren, sondern in "der Darstellung der female leads und in der Selbstbestimmtheit weiblicher Sexualität". Die Männer wirken progressiver, aber entscheidend sei, was diese Geschichten für Frauen tun – und nicht für Männer.
Können von Frauen geschriebene Geschichten die Realität verändern?
Dass Popkultur gesellschaftliche Vorstellungen prägen kann, steht für May außer Frage. Serien wie "Off Campus" sind für ihn Ausdruck einer langsamen Verschiebung von Männerbildern. Die Figuren verkörpern eine emotionale Offenheit, die selbst in der Jugend von Millennials noch kaum in Filmen oder Serien zu sehen war. Doch auch diese Gegenentwürfe sparen Themen aus: Care-Arbeit, emotionale Verantwortung oder strukturelle Ungleichheiten würden in vielen Produktionen nach wie vor nur am Rande behandelt.
Von Frauen für Frauen, von Frauen für Männer
Die Liebesromane werden vor allem von Frauen gelesen. Doch ihre Botschaft von veränderten Beziehungsidealen richtet sich auch an Männer. Wie bringt man Männer dazu, sich mit den Lebensrealitäten von Frauen auseinanderzusetzen?
"Es macht Sinn, Männern zu zeigen, welchen kulturellen Reichtum sie verpassen, wenn sie nur männliche Erzählungen konsumieren", meint Christoph May. Progressive Männerbilder existieren oft nicht dort, wo Männer tatsächlich hinschauen. Solange sich das nicht ändert, bleibt der Einfluss von "men written by women" auf reale Männlichkeit begrenzt.
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