Putins treueste Fans, die rechtsextremen Ultranationalisten, sind nach dem Angriff von Israel und den Vereinigten Staaten auf den Iran außer sich vor Wut, schließlich stellt die Kreml-Propaganda Teheran als "Verbündeten" Moskaus dar. Doch das russische Außenministerium gab sich in einer ersten Stellungnahme [externer Link] vergleichsweise unverbindlich, sprach von einem "gefährlichen Abenteuer" und warnte davor, dass "Länder auf der ganzen Welt, insbesondere im Nahen Osten" durch das Vorgehen des Westens dazu ermutigt würden, "immer ernstere Mittel zur Bekämpfung neuer Bedrohungen zu ergreifen".
Das kommentierte Polit-Blogger Juri Barantschik mit den bitteren Worten [externer Link]: "Ich frage mich – was muss geschehen, damit wir uns nicht länger täuschen und an der Nase herumführen lassen?"
"Zwei oder drei Atombomben für den Iran"
Die wichtigsten russischen Militärblogger äußerten sich deutlich aggressiver. So schrieb Dmitri Selesnew auf dem Kanal "Wargonzo" (788.000 Fans) grimmig [externer Link]: "China hat sich komplett zurückgezogen, sich in sein Universum verbarrikadiert. Indien ist von der Bildfläche verschwunden. Wo ist unsere Superachse? Wir müssen entschlossener handeln. Was können wir tun? Natürlich ist das nur die Fantasie eines Durchschnittsbürgers, aber warum sollten Russland und/oder China dem Iran nicht zwei oder drei Atombomben geben? Was würde es uns kosten? Was würden wir verlieren? Man könnte es leichtsinnig nennen, aber in welcher Welt leben wir eigentlich?"
Kriegskorrespondent Alexander Kots versuchte seine 500.000 Leser zu trösten [externer Link]: "Je mehr Munition westliche Luftverteidigungssysteme in diesem Konflikt verbrauchen, desto größer wird die Nachfrage auf den internationalen Waffenmärkten. Und die ukrainischen Streitkräfte werden noch geringere Chancen haben, ausreichend Flugabwehrraketen für ihre Patriot-Systeme zu erhalten."
"Manchmal kommt der Sieg vom Teufel"
Der rechtsextreme "Philosoph" Alexander Dugin forderte seine russischen Landsleute einmal mehr dazu auf, sich auf den Jüngsten Tag vorzubereiten und ein "Komitee zur Vorbereitung des Weltuntergangs" einzurichten [externer Link]: "Der Ausnahmezustand ist zur Norm geworden. Die Welt befindet sich in einem großen Krieg. Die Ukraine ist nur ein kleiner Ausschnitt eines komplexeren und eng miteinander verknüpften Bildes. Diese Ereignisse sind im wahrsten Sinne des Wortes eschatologisch [die letzten Dinge betreffend]. Nur ist unser Bewusstsein noch nicht bereit, dies zu akzeptieren, unfähig, mit den Ereignissen und insbesondere ihrer Bedeutung Schritt zu halten. Mächtige Kräfte sind am Werk. Dies lässt sich mit konventionellen Mitteln weder aufhalten noch beeinflussen."
Seine Anhänger flehte Dugin an, "aufzuwachen", kritisierte jedoch, dass in Russland Hollywood-Filme bisher keineswegs abgesetzt worden seien. Sarkastisch bemerkte er: "Der Sieg wird im Krieg von Gott geschenkt. In manchen Fällen jedoch auch vom Teufel."
Infotafel
Weniger transzendent äußerte sich Politologe Igor Dimitriew [externer Link]: "Das Pentagon darf sich keine Fehler erlauben – es gibt entweder einen Blitzsieg mit minimalen Verlusten oder einen langwierigen Konflikt und den politischen Selbstmord der Trump-Regierung. Genau deshalb haben die Amerikaner so lange für die Vorbereitung der Operation gebraucht."
"Info-Blackout hilft Machthabern wenig"
Politikwissenschaftler Georgi Bovt fragte sich, ob der Kreml womöglich insgeheim mit den USA kooperiere [externer Link]: "Viele Länder empfahlen ihren Bürgern im Vorfeld der aktuellen Angriffe, den Iran umgehend zu verlassen. Moskau äußerte sich nicht dazu. Besteht eine stillschweigende Übereinkunft mit den USA, Angriffe auf das Atomkraftwerk Buschehr, in dem sich russisches Personal befindet, zu vermeiden? Wird dieses Personal evakuiert? Soweit ich weiß, wurde zuletzt im Juni 2025 eine solche Vereinbarung getroffen."
Aufschlussreich die Einschätzung des Politologe Ilja Graschtschenkow, der zwar vordergründig vom Iran sprach, tatsächlich aber Russland meinte, als er auf die Netz-Zensur hinwies [externer Link]: "Der Iran hat das Internet komplett abgeschaltet. Wird ihm das helfen oder im Gegenteil schaden? Um die Proteste vor externer Steuerung zu schützen, musste die Informationsfront aufgegeben werden, sodass sie sich vollständig Gerüchten, Starlink und amerikanisch-israelischer Propaganda ausliefern musste. Der Kommunikationsblackout hilft den Machthabern wenig, behindert aber die ideologische Auseinandersetzung erheblich."
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