Vor zwölf Jahren veröffentlichte die Sängerin Meghan Trainor ihren bekanntesten Song. In "All about that bass" besang sie ihre Kurven und kündigte stolz an, dass sie keine Lust mehr habe, einem mageren, barbieartigen Körperideal nachzujagen. Der Titel wurde zu sowas wie einer Hymne auf die Body Positivity. Heute dagegen sind viele ihrer Fans enttäuscht. Meghan Trainor hat abgenommen, ist schlank.
Abnahme durch Abnehmspritze
In den Kommentaren wird der Sängerin vorgeworfen, sie sei Opfer der "Ozempidemic", also dass sie ohne medizinische Notwendigkeit durch die Hilfe einer Abnehmspritze abgenommen habe. Sie selbst leugnet es nicht. Bei der Abnahme habe ihr die Abnehmspritze Mounjaro geholfen. Sie wollte die stärkste Version ihrer selbst sein - mit wissenschaftlicher Unterstützung. So sagt sie es selbst.
Kurvige Models nicht mehr gefragt
Aber für viele ist das die Bestätigung einer Sorge: Die Body-Positivity-Ära ist vorbei. Skinny, also Dünnsein, ist wieder im Trend. Das zeigt sich auch auf den Laufstegen der Welt, wo solche Trends gemacht werden. "Curvy Models" werden mittlerweile "deutlich weniger gebucht", sagt Diana Weis. Sie ist Professorin für Modejournalismus und hat die Entwicklung im Blick: "Es geht jetzt sehr viel mehr in Richtung Sample Size. Da sprechen wir von Größe 34, teilweise 32. Und das auf ein Meter 80 oder noch darüber."
Für den "Size Inclusivity Report" [externer Link] beobachtet die Modezeitschrift Vogue diverse Fashionshows auf der Welt und damit auch, welche Figuren die Models dabei repräsentieren. Von knapp 8.000 präsentieren Looks zur Sommer- und Winterkollektion 2026 entsprachen nur 0,3 Prozent der Kategorie Plus-Size, was in Deutschland alles ab Kleidergröße 44 wäre. Dabei war es vor ein paar Jahren auch mal anders.
Früher mehr Körperdiversität dank Internetblogs und TikTok
Vor allem Anfang der 2010er in diversen Internetblogs und später mit der Verbreitung von Plattformen wie TikTok gab es auf den sozialen Netzwerken eine Art "Wild West-Feeling", wie es Professorin Diana Weis beschreibt. Menschen hätten angefangen sich gerade im Bereich der Mode, losgelöst von Modehäusern oder jeglichen Vorgaben, mit ihrer Ästhetik und ihrem Körper im Netz zu zeigen. Das habe die Industrie aufgegriffen. "Und dann ist es halt eine Masche geworden von Firmen, sich progressiv zu positionieren", sagt Weis. Nur: Authentisch habe sich das nie angefühlt. Und dann hat es sich auf der Mainstream-Ebene totgelaufen.
Politisches Klima wirkt sich auf Körperbilder aus
Die Body-Positivity-Bewegung habe es nicht geschafft, sich strukturell in der Mode zu verankern. Abnehmspritzen sind dabei auch ein Thema. Aber die Gründe des Skinny-Trends seien weitreichender, sagt Weis. "Wir befinden uns gerade wieder in so einem konservativen Backlash. Wo es auch stark um Geschlechterrollen geht." Dabei diene besonders der weibliche Körper als Projektionsfläche, "Frauen zu bedrängen und einzuschüchtern und auf eine billige Art zu kritisieren". Kulturkampf also. Mit viel Druck auf dem weiblichen Körper.
Zuletzt hatten aus dem Pop-Kosmos die Figuren von Sängerin Ariana Grande und Schauspielerin Jenna Ortega polarisiert. Beide waren schon immer eher zierlich, jetzt haben sie nochmal mehr abgenommen. Im Netz wurde viel über beide diskutiert. Für manche kam das dem "Heroin Chic"-Trend der 90er und 00er-Jahre nahe, andere sorgten sich um die Gesundheit der beiden.
Schönheitsideale hinterfragen - Errungenschaft der Body-Positivitiy-Bewegung
Hat die Body-Positivity-Bewegung also gar nichts gebracht? So ganz schwarz-weiß sei das nicht, sagt Diana Weis: "Diese ganzen Diskurse, die geführt wurden, sind nicht ausradiert." In ihrem Arbeitsalltag hat sie viel mit jungen Studentinnen zu tun. Und die seien sich der ganzen Widersprüchlichkeiten bewusst, würden über Körper und Schönheitsideale auf eine "ganz reflektierte Art und Weise" sprechen.
Skinny ist also zurück. Dass Schönheitsideale aber doch hinterfragt werden, kann definitiv der Body-Positivity-Bewegung zugeschrieben werden.
Dieser Artikel ist erstmals am 6. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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