Brigitte Bardot im Jahr 2001
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Tod einer französischen Film-Ikone: Abschied von Brigitte Bardot

Tod einer französischen Film-Ikone: Abschied von Brigitte Bardot

Als "BB" wurde sie zur Kino-Legende, heiratete "Playboy" Gunter Sachs und wurde zur feministischen Freiheitsheldin. Der Tierschutz wurde ihr Lebensthema, mit ihren politischen Ansichten verstörte sie oft ihre Fans. Nun ist Brigitte Bardot gestorben.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Sie sehe zwar aus wie ein Mensch, habe jedoch die Seele eines Tieres, gestand Brigitte Bardot 2018 in einem Gespräch mit der "Welt" (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) und erläuterte auch gleich, was sie damit meinte. Von Hunden habe sie das "Bedürfnis nach einem Heim und Stabilität im Leben", aber letztlich trage sie von allen Tieren Charakterzüge in sich. Und so wurde sie nach dem Ende ihrer Kino-Karriere - ihr letzter Film war das Erotikdrama "Don Juan 73" - zu einer der weltweit bekanntesten Anwältinnen für den Tierschutz.

Das Thema begleitete sie über Jahrzehnte. Schon 1962 prangerte sie in einer TV-Sendung als "Anwältin für einen Tag" die Zustände in französischen Schlachthöfen an. Der zuständige Minister lud sie daraufhin zu einem Meinungsaustausch ein. Später kämpfte sie gegen die Robbenjagd und den Pelzhandel, schließlich gründete sie 1982 ihre eigene Hilfsorganisation, bei der kein Geringerer als der Dalai Lama Ehrenmitglied wurde.

"Tiere denken nicht an die Vergangenheit"

Der Etat der "Fondation Brigitte Bardot" stieg über die Jahre auf ansehnliche 23 Millionen Euro, wovon übrigens das allermeiste Geld aus Vermächtnissen stammte. Und so konnte sich die Bardot, die sich im Anwesen La Garrigue oberhalb von St. Tropez zur Ruhe gesetzt hatte, mit rund 130 Mitarbeitern um misshandelte Esel, heimatlose Rinder und ausgesetzte Hunde und Katzen gleichermaßen kümmern.

Auf die Frage, was sie von den Tieren gelernt habe, sagte sie: "Weisheit, Geduld und die Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu leben. Tiere denken nicht an die Vergangenheit oder an die Zukunft, sie leben in der Gegenwart, ohne Fragen zu stellen."

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Gunter Sachs und Bardot 1966

Beziehung mit Gunter Sachs sorgt für viel Aufmerksamkeit

Aus Deutschland bekam sie immer viel Fanpost, was nicht zuletzt daran lag, dass sie 1966 den "Playboy" und Millionen-Erben Gunter Sachs geheiratet hatte. Über ihre dreijährige Ehe schwärmte sie, das sei für sie "wie ein Märchen" gewesen, "sehr kurz - aber wunderschön".

Die Anekdoten über diese Glamour-Beziehung, die damals den Jetset in Atem hielt, machten die Runde durch die Klatschpresse und wurden Teil der deutsch-französischen Kulturgeschichte. Sachs ließ am 3. Juni 1966 aus einem Helikopter 1.200 rote Rosen und einen Heiratsantrag auf Büttenpapier über ihrer 1958 erworbenen Villa "La Madrague" abwerfen.

Kennen gelernt hatten sich beide am 2. Juni 1966 im Restaurant La Vieille Fontaine in Gassin. Die Bardot war von der perfekten Maniküre und den guten Manieren des Unbekannten so beeindruckt, dass sie sich beim Kellner nach dessen Namen erkundigte. Am 29. Juni lud Sachs die Schauspielerin zu einem Essen am Strand ein: Der Tisch wird von 200 Kerzen beleuchtet, die sie nacheinander mit einem Gewehr ausschießen. Am Tag darauf fliegen sie per Privatjet nach Monte Carlo, wo sie im dortigen Casino eine Million Franc gewinnen.

"Ich habe ihm keinen Cent abgenommen"

Zur Hochzeit im Juli in Las Vegas sollen sich die beiden Super-Promis nicht mal groß umgezogen haben, so eilig hatten sie es mit der Verbindung. Und weil es 23.40 Uhr war, legte der "Playboy" Wert auf eine zwanzigminütige Verschiebung: Er wollte die Bardot unbedingt nach Mitternacht ehelichen, denn da begann der 14. Juli, der französische Nationalfeiertag.

Bei der Scheidung 1969 habe sie ihm "keinen Cent abgenommen", schrieb die Schauspielerin Jahre später in der "Bunten", ganz im Gegensatz zu anderen "Mädchen". Zehn Jahre nach der Scheidung schenkte Sachs ihr einen wertvollen Diamantring, den er dann prompt zurück ersteigerte, als ihn die Bardot zugunsten des Tierschutzes veräußerte.

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Engagiert für Tierschutz

In Europa gefeierter Filmstar - für die USA etwas zu frivol

Geboren wurde die Bardot am 28. September 1934 in Paris. Ihre Eltern waren wohlhabend und sollen die Schwester Mijanou bevorzugt haben, die ebenfalls Schauspielerin wurde. Daher sprach die Bardot immer wieder von einem "Minderwertigkeitskomplex", wonach sie sich selbst nicht als ausreichend "schön" empfand und ständig ihr Aussehen kontrollierte. Schon mit 15 Jahren, sie absolvierte gerade eine klassische Ballettausbildung, wurde sie als "Fotomodell" entdeckt. Regisseur Marc Allégret gehörte zu ihren ganz frühen Förderern, dessen Mitarbeiter Roger Vadim wurde erster Ehemann der Bardot.

Ab 1952 drehte sie erste Filme, eigenen Worten zufolge, "um ihren Eltern zu entkommen" und "unabhängig" zu werden, doch erst mit "Und immer lockt das Weib" wurde sie vier Jahre später zur gefeierten europäischen Antwort auf Marilyn Monroe - wobei sie deutlich frivoler und emanzipierter auftrat als die Amerikanerin. Für den US-Markt mussten Bardots Filme anfänglich meist um einige besonders freizügige Szenen "zensiert" werden.

Sie ballerte sich den Weg frei

Nach der "Verachtung" in der Regie von Jean-Luc Godard (1963), einer enorm wirkmächtigen Abrechnung mit dem klassischen Hollywood-Kino und dessen kommerziellen Maßstäben, gehörte die Bardot endgültig zu den Spitzenstars des französischen Kinos und wurde zur Ikone der revolutionär gesinnten sechziger Jahre.

Dass ihre Filme in Deutschland aus heutiger Sicht alberne Titel und oft seichte Inhalte hatten ("Das Gänseblümchen wird entblättert", "In Freiheit dressiert", "Petroleummiezen"), spricht keineswegs gegen ihre Bedeutung: Damals ging es darum, den Muff und die Spießigkeit der unmittelbaren Nachkriegszeit zu überwinden, wie Philosophin und Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir schon 1959 beobachtete. Es war nötig, der Individualität eine Gasse zu bahnen, und die Bardot ballerte sich buchstäblich diesen Weg frei, etwa im Western "Viva Maria" von Louis Malle 1965 an der Seite von Jeanne Moreau.

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Begehrte Frau: Bardot die jungen Jahren

Politische Kommentare sorgten für Kopfschütteln

Mit ihren politischen Stellungnahmen seit den neunziger Jahren schadete sich die meinungsfreudige Schauspielerin sehr. Sie wurde für ihre "irrsinnig schlechte Laune" gescholten und musste Schlagzeilen ertragen wie "Liebe zu Tieren, Hass gegen Menschen". Grund dafür: Sie schimpfte auf Einwohner der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion, weil die ihrer Ansicht nach die "Gene von Wilden" hätten und deshalb Tiere misshandelten. 2003 klagte sie in dem Buch "Ruf aus der Stille" ("Une cri dans le silence") über Muslime, verweichlichte Männer, moderne Kunst, Flüchtlinge und Schnellrestaurants. Und dass sie nach dem Tod von Karl Lagerfeld dessen hinterbliebener Katze kondolierte, fand auch nicht jeder gleichermaßen taktvoll.

Mit 87 Ärger mit der Jagdlobby

Mehrfach stand die Bardot wegen "Aufstachelung zum Rassenhass" vor Gericht. Ihre Kritik am Schächten von Tieren brachte ihr mehrfache Geldstrafen ein, nachdem sie an Präsident Nicolas Sarkozy geschrieben hatte: "Ich bin es leid, von dieser ganzen Bevölkerung an der Nase herumgeführt zu werden, die uns ihre Gebräuche aufzwingt." 2012 ließ es sich die Schauspielerin nicht nehmen, für die rechte Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen zu werben.

Noch im hohen Alter von 87 Jahren hatte die Bardot Ärger mit Jägern, die sie als "niederträchtige und feige Untermenschen" verunglimpft hatte, was ihr abermals einen Gerichtstermin wegen Beleidigung einbrachte. Fast schon selbstverständlich war ihre Solidarität mit den "Gelbwesten", die gegen die französische Regierung auf die Straße gingen.

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Szene aus "Shalako", 1968

Bardot auch als Sängerin erfolgreich

Seit den sechziger Jahren war Brigitte Bardot auch als Sängerin unterwegs, teils durchaus erfolgreich, etwa mit "Harley Davidson" von ihrem zeitweiligen Liebhaber Serge Gainsbourg. Insgesamt nahm sie 76 Titel auf. Ihre Interpretation von "Je t'aime", die erst sehr verspätet 1986 veröffentlicht wurde, ist allerdings weit weniger bekannt als die von Jane Birkin. Populär wurde sie mit "Le soleil": "Ich sang, um Spaß zu haben, um mich abzulenken, um mich zu entspannen. Ich habe das in erster Linie immer für mich getan. Es sind einige wirklich tolle Songs dabei", so der Star gegenüber "Le Figaro". Ihre Stimme fand die Bardot immerhin "witzig". Gainsbourg jedenfalls habe sie persönlich immer mehr fasziniert als dessen Lieder.

Gainsbourg versagte beim Date

Einer Anekdote zufolge war Gainsbourg aus Nervosität bei ihrem ersten Treffen dermaßen langweilig und überfordert, dass sie ihn danach telefonisch aufforderte, sich dafür zu entschuldigen. Er schrieb prompt zwei Lieder für sie: Neben "J'taime" auch das legendäre Duett "Bonnie et Clyde" (1968). Letzteres erreichte in Frankreich Platz 2 der Charts.

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"Vie Privee" (Privatleben): Bardot 1962

Männer als wichtige Stütze ihres Lebens

Mehr als einmal habe sie sterben wollen, nachdem Männer sie verlassen hätten, so die Bardot in der "Vogue": "Ich vermute, sie waren wie Sauerstoff für mich." Womöglich fand die Schriftstellerin Françoise Sagan dafür die passenderen Worte. Sie sagte über die Bardot, die Schauspielerin liebe "Männer und Hunde, die ihren Kopf an ihre Schulter legen". Und obwohl "BB" sich persönlich Marguerite Yourcenar näher fühlte, räumte sie ein: "Sagan und ich gehörten derselben etwas durchgeknallten Generation an, die ihre Freiheit liebte, St. Tropez, Rauchen, Tanzen und schnelle Autos fahren."

1968 durfte die insgesamt vier Mal verheiratete Brigitte Bardot übrigens als Zeichen der Anerkennung Modell stehen für die Büste der französischen Nationalheldin Marianne. Auf diese Weise schmückte ihre Silhouette Briefmarken und Rathäuser. Eine aufsässige Frau ohne Angst vor umstrittenen Ansichten - insofern war die Bardot für diese Rolle eine würdige Darstellerin.

Wie die Fondation Brigitte Bardot am Sonntag mitteilte, ist die Leinwanddiva jetzt im Alter von 91 Jahren gestorben.

Im Video: Filmlegende Brigitte Bardot mit 91 Jahren gestorben

Brigitte Bardot sitzt in einer Badewanne.
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Sie war das Sexsymbol Frankreichs: Brigitte Bardot. Jetzt ist die Schauspielerin, Sängerin und Tierschützerin gestorben.

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