Polizei und Rettungswagen in der Silvesternacht in Frankfurt am Main (Foto vom 01.01.2024).
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Polizei und Rettungswagen in der Silvesternacht in Frankfurt am Main (Foto vom 01.01.2024).

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Droht eine "Horrornacht"? Streit über Böllerverbot an Silvester

Droht eine "Horrornacht"? Streit über Böllerverbot an Silvester

Die "Knallerei" führe immer wieder zu schweren Verletzungen, sagt Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt und dringt auf ein Böllerverbot. Der Bundesverband Pyrotechnik fordert indes ein strikteres Vorgehen gegen illegal erworbenes Feuerwerk.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Kurz vor dem Verkaufsstart für Silvester-Feuerwerk werden die Rufe nach einem Böllerverbot lauter. Privates Feuerwerk sollte in Deutschland grundsätzlich verboten werden, so die Forderung von Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt. Organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen seien völlig in Ordnung, aber: "Die wilde Böllerei muss untersagt werden", erklärte der Ärztepräsident im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). 

Augenverletzungen, Verbrennungen und Knalltraumata

Der Mediziner führt an, dass es jedes Jahr viele Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper gebe. So erlitten Kinder und Jugendliche häufig ein Knalltrauma, aber auch Augenverletzungen und Verbrennungen seien häufig.

Das habe nicht nur Folgen für die Betroffenen, sondern auch für die Gesellschaft, wenn die Notaufnahmen in den Kliniken überfüllt seien und die gesetzliche Krankenversicherung jedes Jahr mit mehreren Millionen Euro belastet würden. Außerdem erinnert Reinhardt daran, dass Knallkörper immer wieder als Waffen gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte missbraucht würden.

Feuerwerk macht Müll und Angst

Als weitere Gründe gegen die "wilde Böllerei" führt der Ärztepräsident an: Sie sei schlecht für das Klima, verursache tonnenweise Müll und mache vielen Menschen auch Angst. Vor allem traumatisierte Kriegsflüchtlinge in Deutschland hätten darunter zu leiden, weil die Knaller und Raketen sie an lebensbedrohliche Situationen in ihrer Heimat erinnern und dann sogar oft Todesängste auslösen würden. Da sei es "vollkommen daneben", das neue Jahr mit Raketen zu begrüßen. Auch für die Tiere zuhause und in freier Wildbahn bedeutet das Feuerwerk zu Silvester oft Angst und Panik, wie Tierschützer immer wieder zu bedenken geben.

Bundesärztepräsident Reinhardt forderte die Innenminister von Bund und Ländern deshalb dazu auf, die Bevölkerung "endlich" vor den Gefahren der privaten "Knallerei" zu schützen. Das habe "nichts mit Verbotskultur zu tun", sondern zeuge "von der Einsicht einer reifen Gesellschaft, etwas Gefährliches zu lassen".

Deutsche Umwelthilfe: "Horrornacht" droht

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) befürchtet an Silvester gar eine "Horrornacht von beispiellosem Ausmaß", weil schon in den ersten neun Monaten des Jahres mehr als 42.000 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland eingeführt worden seien, über 60 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Darum forderte auch die DUH Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) dazu auf, ein bundesweites Böllerverbot auf den Weg zu bringen.

Vor allem Dobrindt trage "die Verantwortung für die schweren Verletzungen, die Angriffe auf Einsatzkräfte, das millionenfache Tierleid und die extremen Feinstaubspitzen" durch Feuerwerk an Silvester, so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Laut Umwelthilfe haben sich auf einer entsprechenden Unterschriftenliste bereits mehr als 800.000 Menschen eingetragen.

Branchenverband und Verkehrsminister gegen Feuerwerksverbot

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach sich gegen ein Böllerverbot aus. Man müsse nicht immer alles verbieten, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir haben eine Tradition, so Silvester zu feiern."

Auch der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (bvpk) hält ein Böllerverbot für unangebracht. Die Argumentation von Bundesgeschäftsführer Christoph Kröpl: Schwere Unfälle mit Pyrotechnik gebe es "praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk". Legal erhältliches Silvesterfeuerwerk sei hingegen "streng geprüft und in Größe und Wirkung stark limitiert".

"So ist es etwa nicht möglich, sich mit einem legalen Silvesterböller eine Hand zu zerstören oder gar Gliedmaße abzutrennen", sagte Kröpl. Allerdings sei der Zugang zu illegalen und hochgefährlichen Knallkörpern "so leicht wie nie zuvor". Hier müsse die "Politik ansetzen und für den Vollzug der bestehenden Gesetze sorgen".

"Brot statt Böller": Spenden bringen nachhaltigere Freude

Unterdessen hat die Aktion "Brot statt Böller" dazu aufgerufen, lieber Geld gegen Hunger zu spenden als für Feuerwerkskörper auszugeben. "Im vergangenen Jahr zündeten Menschen in Deutschland Feuerwerk für rund 200 Millionen Euro", so das evangelische Hilfswerk. "Die Freude, die durch das Unterstützen entsteht, ist von Dauer und das Strahlen nachhaltiger", sagte die Präsidentin von "Brot für die Welt", Dagmar Pruin.

Seit mehr als 40 Jahren engagieren sich laut dem Hilfswerk Gemeinden und Menschen in Deutschland für die Aktion "Brot statt Böller". Die Herausforderungen blieben immens: Weltweit hungerten rund 700 Millionen Menschen, etwa 120 Millionen seien gewaltsam vertrieben worden. Der Bedarf an Unterstützung werde auch im neuen Jahr groß sein.

Mit Informationen von dpa, AFP und epd

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