"Vaterland"-Filmszene: Sandra Hüller und Hanns Zischler als Erika und Thomas Mann.
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"Vaterland"-Filmszene: Sandra Hüller und Hanns Zischler als Erika und Thomas Mann.

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"Vaterland" über Thomas Mann: Meisterwerk mit Sandra Hüller

"Vaterland" über Thomas Mann: Meisterwerk mit Sandra Hüller

In Cannes preisgekrönt: Sandra Hüller und Hanns Zischler spielen in dem bewegenden Drama "Vaterland" Tochter und ihren Vater Thomas Mann und ihre Reise durchs zerbombte Nachkriegsdeutschland. Die Frage: Kann die alte Heimat wieder Heimat sein?

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Der Beginn ist bedrückend. Ein alter Buick folgt einem Militär auf einem Motorrad durch halbzerstörte Häuserschluchten und Schuttberge. Am Steuer Sandra Hüller, neben ihr Hanns Zischler. Ihre Minen düster. Sie spielen Vater und Tochter, Erika und Thomas Mann, und kehren zurück in ihr "Vaterland".

Es ist das Jahr 1949, Thomas Mann, Literaturnobelpreisträger und seit der Machtübernahme der Nazis in den Staaten lebend, wird von seiner Tochter auf einer Lesereise durch Nachkriegsdeutschland begleitet – Ost und West. Gleichzeitig stirbt Sohn Klaus. Ein Selbstmord, der emotional von der ganzen Familie Mann verdrängt wird.

Eine Familienkrise stellvertretend für ein ganzes Land

Hauptdarstellerin Sandra Hüller erzählt: "Das ist ein sehr besonderer und bedrückender Moment, in dieses Land wieder einzureisen, das die Manns in Not eigentlich verlassen haben. Und Deutschland ist eben vollkommen verändert und dann kommt der tragische Verlust von Klaus, also dieses Spannungsfeld zwischen der Aufgabe, die sie haben, und dem, was ihnen als Familie widerfährt."

Mit "Vaterland", koproduziert vom Bayerischen Rundfunk, erzählt Regisseur Pawel Pawlowski von einer Familienkrise, vom Unvermögen der internen Kommunikation, vom Unvermögen, den Schmerz über Unfassbares zuzulassen. Sein Film ist still, klein und doch in der Dimension seiner Beobachtung großräumig. Das Wahren der Haltung unter innerlich schwerstem Leid spiegelt ganz intim das Befinden des Deutschlands von 1949 wider. Ein Land im Umbruch, zerstört, innerlich zerrüttet, depressiv. Ein Land, das sich wieder zusammenfinden muss, nachdem es aktiv daran mitgewirkt hat, Zivilisationen auszulöschen.

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"Vaterland"-Filmszene: Die Reise führt die Manns von West- nach Ostdeutschland von 1949.

Regisseur Pawlowski kehrt künstlerisch abermals ins Nachkriegseuropa zurück

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Regisseur Pawlowski der Stimmung im Nachkriegseuropa widmet. Bereits seine preisgekrönten Filme "Ida" (2013) und "Cold War – Der Breitengrad der Liebe" (2018) verhandelten Fragen nach Schuld, Moral, Gewissen. "

Vaterland" nun fokussiert sich auf Deutschland, wo der Regisseur selbst ein paar Jahre seiner Jugend verbrachte. In "Vaterland" erlaubt er sich künstlerische Freiheiten – Erika Mann hat Deutschland nach der Emigration nicht mehr betreten, Mann machte die Reise damals mit seiner Ehefrau. Der Wirkung seines Films tut das keinen Abbruch.

Thomas Mann unter Beschuss

In Deutschland gerät sein Thomas Mann mehr als einmal ins Kreuzfeuer der Befindlichkeiten. Im von den Westalliierten besetzten Frankfurt am Main und im sowjetisch besetzten Weimar erhält er den Goethepreis und soll Reden zum 200. Geburtstag des Dichters Goethe halten. Die US-Besatzungstruppen sehen seine Reise in die Ostzone kritisch – er sei ja nun eigentlich US-Staatsbürger. Mann missbrauche die US-Gastfreundschaft, heißt es. Bei Pressekonferenzen wird Mann des Verrats und der mangelnden Solidarität aufgrund seiner schrittweisen Emigration beschuldigt. Vater und Tochter schultern dies alles tapfer, aber innerlich brennen beide vor Schmerz.

Regisseur Pawlowski gelingt es, das Dilemma der Manns und ihr Leiden in kurzen, prägnanten Szenen greifbar zu machen. So trifft Erika in Frankfurt auf ihren Ex-Mann, den Schauspieler und Regisseur Gustaf Gründgens, einen prominenten Nazi-Mitläufer. Gründgens tut so, als habe er sich dem Regime nie ernsthaft aus Karrieregründen angedient. Diese Arroganz, und sie ist beispielhaft für viele Deutsche, treibt Erika dazu, dass sie Gründgens vor den versammelten Honoratioren ohrfeigt.

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"Vaterland"-Filmszene: Erika Mann (Sandra Hüller) verdrängt den Schmerz über den Selbstmord ihres Bruders Klaus Mann.

Meisterlich inszeniert und gespielt

Nicht nur seine Besetzung ist ein Glücksfall, auch inszenatorisch beweist Pawlowski Meisterschaft. Er hat seinen Film – so wie die Vorgänger auch – in Schwarzweiß gedreht. Dazu hat er das enge 4:3-Bildformat angewandt – ein Kunstgriff, der den emotionalen Druck der Figuren und die traumatisierte Stimmung im Nachkriegsdeutschland auch visuell spiegelt.

In kurzen 82 Minuten blickt die BR-Koproduktion eindringlich und bewegend auf das Verhältnis von Politik und Kunst, auf Familienkrisen und Weltkrisen. Ein Blick zurück von zugleich großer Relevanz fürs Heute. Es verwundert nicht, dass "Vaterland" beim Cannes-Filmfest dieses Jahr den Preis für die beste Regie gewonnen hat.

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