Pascal Schreiber, Leiter des Priesterseminars Herz Jesu in der Oberpfalz, soll neuer Bischof der Piusbrüder werden.
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Pascal Schreiber, Leiter des Priesterseminars Herz Jesu in der Oberpfalz, soll neuer Bischof der Piusbrüder werden.
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Von der Oberpfalz ins Schisma? Bischofsnachwuchs für Piusbrüder

Von der Oberpfalz ins Schisma? Bischofsnachwuchs für Piusbrüder

Die traditionalistische Piusbruderschaft bildet in der Oberpfalz Priester aus. Jetzt soll der Leiter des Seminars Bischof werden. Ein Kirchenpolitikum: Ihm droht die Exkommunikation. Denn die Piusbrüder lehnen zentrale Lehren des Vatikans ab.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Bis vor Kurzem ahnte Pascal Schreiber noch nicht, dass er sich nun vorerst nicht mehr öffentlich äußern würde. Erst vor wenigen Wochen sprach der Leiter des Priesterseminars Herz Jesu im oberpfälzischen Zaitzkofen offen mit dem BR. Es ging um die bevorstehenden Bischofsweihen der Piusbruderschaft. Nun wurde bekannt: Schreiber ist selbst einer der vier Weihekandidaten am 1. Juli 2026. Seither hat sich die deutsche Sektion der Piusbrüder zum Stillschweigen gegenüber den Medien verpflichtet.

"Schismatiker pilgern nicht nach Rom"

Denn: Die bevorstehenden Bischofsweihen sind ein Kirchenpolitikum. Der Papst verweigert ihnen seinen Segen, der Vatikan warnte bereits vor dem "schismatischen Akt". Schisma, das bedeutet so viel wie Kirchenabspaltung. "Wir sind letztes Jahr nach Rom gepilgert", sagte Schreiber dem BR vor wenigen Wochen, als noch nicht bekannt war, dass er einer der vier neuen Bischöfe der Piusbrüder werden soll. "7.000 Leute haben eine Prozession zum Petersdom gemacht – das machen keine Schismatiker, nach Rom pilgern und am Grab der heiligen Apostel beten."

Die heute rund 750 Geistlichen der weltweit tätigen Piusbruderschaft nehmen für sich in Anspruch, die Tradition der katholischen Kirche in punkto Glaubensverkündigung und Gottesdienstfeier bewahrt zu haben – anders als die katholische Amtskirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), so der Vorwurf der Bruderschaft. Seit der Bischofsversammlung, die der damalige Papst Johannes XXIII. einberief, bekennt sich die katholische Kirche zu Religionsfreiheit. Sie führt Gespräche mit anderen Kirchen und Religionen, allen voran dem Judentum nach dem Holocaust, das nicht mehr als "von Gott verworfen" betrachtet wird, wie es in einem der 16 Konzilstexte heißt. Außerdem verpasste die Kirche der Art, wie sie Gottesdienst feiert, einen neuen Anstrich: Dafür wurde das jahrhundertelang gebrauchte Messbuch der Kirche im Nachgang des Konzils durch ein neues ersetzt. Gefeiert wird seither in den Landessprachen, nicht mehr auf Latein.

"Hartnäckige Weigerung" von Reformen

Anders bei den Piusbrüdern: Sie gebrauchen nach wie vor das abgelöste Messbuch aus der Zeit vor dem Konzil, feiern ihre Gottesdienste auf Latein – und verkünden den katholischen Glauben so, als habe es weder das Konzil noch spätere lehramtliche Öffnungen in der Kirche gegeben. Dabei hat der Gründer der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, selbst am Konzil teilgenommen. "Lefebvre hat faktisch alle Dokumente unterzeichnet", sagt Jan-Heiner Tück, katholischer Theologe an der Universität Wien. Das hätten ihm später Kritiker vorgeworfen.

Nach dem Konzil gründet Lefebvre mit seiner Piusbruderschaft eine Art katholische Gegenwelt zur verfassten römisch-katholischen Kirche. Als er in eigener Regie Priester weiht, kommen aus dem Vatikan erste Warnungen gegen das eigenmächtige Handeln des Erzbischofs. Doch der weiht 1988 sogar vier Bischöfe für seine Bruderschaft, sodass auch nach seinem Tod 1991 neue Piusbrüder geweiht werden konnten. Von den Bischöfen leben heute nur noch zwei.

Jetzt wollen die Piusbrüder ihren Fortbestand einmal mehr sichern – mit vier neuen Bischöfen, die am 1. Juli 2026 in der Schweiz geweiht werden sollen. Unter den Kandidaten ist Pascal Schreiber, der Leiter des Priesterseminars in der Oberpfalz, der einzige aus dem deutschsprachigen Distrikt der Bruderschaft.

Theologe erwartet Exkommunikation, für Piusbruder "worst case"

"Dann wird spannend sein, wie Papst Leo XIV. reagiert", sagt der Theologe Jan-Heiner Tück. Er verweist auf die Geschichte: "Johannes Paul II. hat eben direkt, nachdem die unerlaubten Bischofsweihen 1988 erfolgt sind, den 'schismatischen Akt' rechtlich festgestellt, das heißt also: Exkommunikation. Und das müsste Leo XIV. eigentlich auch tun – auch aus Loyalität zu seinem Vorgänger."

Dieses Szenario nannte Pascal Schreiber vor wenigen Wochen den "worst case". Nach katholischem Kirchenrecht tritt er bei sogenannten Tatstrafen wie einer unerlaubten Bischofsweihe für die Weihenden und Geweihten automatisch ein. Anfang Juli wird sich zeigen, ob der Vatikan darauf rekurrieren wird wie schon 1988 – und nun auch Schreibers Exkommunikation feststellen wird.

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