Auf Schulhöfen, Partys und bei Familienfeiern wird seit Jahren darüber diskutiert, wer die Wahrheit sagt und wer nur überzeugend blufft. Das Gesellschaftsspiel "Werwölfe von Düsterwald" feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Das Prinzip ist einfach – doch jede Spielrunde entwickelt eine neue Dynamik.
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Die Teilnehmenden übernehmen geheime Rollen. Die meisten gehören zur Dorfgemeinschaft, einige sind Werwölfe. Während die Werwölfe voneinander wissen, müssen die Dorfbewohner durch Diskussionen, Beobachtungen und Abstimmungen herausfinden, wer sie täuscht. Eine Spielleitung führt durch die wechselnden Tag- und Nachtphasen.
Der Reiz entsteht in der Gruppe
Für Spieleforscher Volker Mehringer von der Universität Augsburg liegt der Erfolg vor allem in der besonderen Mischung verschiedener Spielelemente: "Die Einstiegshürde ist relativ einfach. Und zum anderen passiert natürlich unheimlich viel Spannendes an sozialen Prozessen in dem Spiel, mit Sachen vortäuschen, Pokerface aufhaben und Allianzen bilden. Und es ist natürlich ein kompetitives Spiel", sagt Mehringer.
Die Spielenden dürfen dabei bewusst etwas tun, das im Alltag negativ bewertet wird: Lügen. Wer einen Werwolf spielt, muss falsche Informationen verbreiten, andere beeinflussen und zugleich verhindern, selbst aufzufliegen.
"Ich darf in so eine Rolle reinschlüpfen. Ich darf etwas Falsches vorgeben und natürlich gibt es auch diese Angst aufzufliegen", erklärt Mehringer. "Das kennt man aus dem Alltag und da ist es eher etwas Unangenehmes. Aber in diesem Fall kann man spielerisch eintauchen und sagen: Ich versuche, die anderen hinters Licht zu führen."
Einfache Regeln und wenig Material
Zum Erfolg trägt laut Mehringer auch die niedrige Einstiegshürde bei. "Es braucht nicht viel. Oft reichen ein Zettel und die Spielregeln. Man kann es sehr flexibel an unterschiedlichen Orten und auch in großen Gruppen spielen."
Unterschiedliche Spielertypen können dabei ihre eigene Strategie entwickeln. Manche halten sich zurück und beobachten zunächst die anderen. Andere führen die Diskussion oder äußern besonders offensiv Verdächtigungen. Gefragt sind laut Mehringer vor allem "ein gutes Pokerface" und eine passende Strategie.
Auch persönliche Beziehungen beeinflussen eine Partie. Die Überraschung kann groß sein, wenn gerade eine vertraute Person zu den Werwölfen gehört und einen selbst angelogen hat. Das könne einen zusätzlichen Reiz ausmachen, laut Mehringer aber auch zu Frust und Konflikten führen.
Vom Spieleklassiker zur Reality-Show
Die französischen Spieleautoren Philippe des Pallières und Hervé Marly entwickelten "Die Werwölfe von Düsterwald" nach dem Vorbild des Gesellschaftsspiels "Mafia" aus den 1980er-Jahren. 2001 erschien ihre Version erstmals auf Französisch.
Das Prinzip aus Misstrauen, Täuschung und Bündnissen funktioniert inzwischen auch als Fernsehformat. In der zweiten Staffel von "Werwölfe – Das Spiel von List und Täuschung" treten 15 Spielende gegeneinander an. Neue Aufgaben und Sonderrollen können das Kräfteverhältnis zwischen Dorfgemeinschaft und Werwölfen verändern. Die Staffel ist seit dem 24. September 2026 in der ARD Mediathek verfügbar.
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