Im Synagogenhof steht eine Sukka. Ihre Wände sind aus weißem Stoff. Das Dach ist aus Bambus.
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Die Sukka im Synagogenhof ist die Inspiration der Ausstellung.
Bildrechte: BR / Vincent Poschenrieder
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Was eine Laubhütte von unserer krisenhaften Gegenwart erzählt

Was eine Laubhütte von unserer krisenhaften Gegenwart erzählt

Ausgehend vom jüdischen Laubhüttenfest setzt sich das Jüdische Kulturmuseum Veitshöchheim mit der krisenhaften Gegenwart auseinander. Pünktlich zum Fest steht im Innenhof eine Sukka – die Inspiration der Ausstellung.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Mainfranken am .

Der große viereckige Kasten, der im Synagogenhof des Jüdischen Kulturmuseums Veitshöchheim steht, entspricht nicht wirklich der Vorstellung, wenn man das Wort "Laubhütte" wörtlich nimmt. Die Wände der Hütte sind aus großen, weißen Stoffen, die mit Motiven bedruckt sind, die in der Synagoge zu finden sind. Das Dach ist aus Bambus und so durchlässig, dass man den Himmel sehen kann.

  • Zum Artikel: Jüdisches Fest Sukkot: Erntedank und Freudenfest

Was hinter dem Fest Sukkot steckt

Laubhütte ist die deutsche Übersetzung des hebräischen Wortes Sukka. Eine Sukka wird von Jüdinnen und Juden anlässlich des jüdischen Laubhüttenfestes Sukkot gebaut, das sieben Tage dauert. In der Zeit verbringen Jüdinnen und Juden so viel Zeit wie möglich in der Sukka.

Das Fest hat am Freitagabend mit dem Sonnenuntergang begonnen und ist ein Freudenfest sowie ein Erntedankfest. Das Fest erinnere an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, sagt Kurator Daniel Laufer von "Dagesh – Jüdische Kunst im Kontext". Es erinnere daran, dass man sich in einer ungeschützten Zeit, in einem ungeschützten Raum, dennoch vom Ewigen geschützt fühle, so Laufer.

Zwischen Schutz und Verletzlichkeit: Die Idee der Sukka

Beim Bau der Sukka gebe es bestimmte Vorgaben, aber auch viele Freiheiten, erklärt Laufer. So müsse die Hütte nicht zwingend aus Laub sein. Wichtig sei, dass es ein offenes Dach gebe, durch das man den Himmel sehen kann. Außerdem dürfe man nur natürliche Materialien verwenden und die Sukka müsse drei Wände haben. Oft wird die Laubhütte auch noch mit saisonalen Früchten geschmückt.

"Der Himmel als Dach" – Kunst als Antwort auf Krisenzeiten

Die Ausstellung "Der Himmel als Dach | The Sky as a Roof" will mit dem jüdischen Laubhüttenfest und der Sukka als Inspiration über eine krisenhafte Gegenwart nachdenken. Dabei geht es um Fragilität, Schutz und Gemeinschaft. Die Ausstellung wolle vermitteln, dass beim Zusammenkommen in der Sukka ein Gefühl von Gemeinschaft entstehe, sagt Kuratorin und Museumsleiterin Johanna Weiß. Gleichzeitig wolle man daran erinnern, dass es eine fragile Sicherheit in unsicheren Zeiten sei.

Die Ausstellung ist Teil der bundesweiten Reihe "Dagesh-Studio on the Road". Am heutigen Samstagabend wird sie in Veitshöchheim eröffnet. Die Ausstellung im Jüdischen Kulturmuseum ist bis zum 30. Mai 2027 geöffnet. Auch die Sukka ist dort noch bis zum 2. Oktober zu sehen.

Sukkot – ein Fest verbunden mit schönen Erinnerungen

Die Werke von vier Künstlerinnen sind in der Ausstellung zu sehen. Die Künstlerin Michal Fuchs etwa arbeitet mit einer wandernden Pflanze und stellt dabei Fragen nach Entwurzelung und Heimat. Mit Sukkot verbindet die in Israel geborene Künstlerin vor allem schöne Kindheitserinnerungen. Sie erinnere sich an die Sukka im Hinterhof, in der sie als kleines Kind geschlafen habe, sagt Fuchs. Sukkot sei ein sehr soziales Fest, bei dem sich die Leute treffen würden, um zusammen zu Abend zu essen. Sie lebe seit vielen Jahren in Deutschland und feiere es hier nicht so richtig, weil das Fest hier nicht so viel Präsenz habe.

Jüdisches Leben in Veitshöchheim

In Veitshöchheim gibt es eine lange Kontinuität jüdischer Geschichte. Schon im 18. Jahrhundert wurde im ehemaligen Wohnhaus des Jüdischen Museums Sukkot gefeiert. Im 17. Jahrhundert waren die Jüdinnen und Juden aus den großen deutschen Städten vertrieben worden – so auch aus dem nahegelegenen Würzburg – und siedelten sich auf dem Land an. Veitshöchheim war ein typisches Beispiel für eine sogenannte Landjudengemeinde.

Ein Zeichen gegen Antisemitismus und für Sichtbarkeit

Der Veitshöchheimer Bürgermeister Jürgen Götz ist stolz darauf, dass die Ausstellung im Jüdischen Kulturmuseum Station macht. Gerade in einer Zeit, in der antisemitische Tendenzen wieder offen zutage treten, sei es ein wichtiges Zeichen, die Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinde deutlich zu machen und dem Judentum einen sichtbaren Platz in der Öffentlichkeit zu geben.

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