Der Münchner Maler Helmut Sturm in seinem Atelier
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Was tun mit dem Nachlass? Das Beispiel des Malers Helmut Sturm

Was tun mit dem Nachlass? Das Beispiel des Malers Helmut Sturm

Ist das Kunst oder kann das weg? Für Erben eines Künstlernachlasses ist diese Scherzfrage oft bitterer Ernst. Das Lebenswerk eines Künstlers nach dessen Tod weiter zu pflegen und lebendig zu halten, erfordert viel Einsatz. Katharina Sturm erzählt.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Mehrere hundert Gemälde, tausende Zeichnungen, Skizzen und Kisten voller Dokumente: Als der Münchner Maler Helmut Sturm 2008 starb, hinterließ er seiner Familie nicht nur ein beeindruckendes künstlerisches Werk, sondern auch eine Mammutaufgabe.

Helmut Sturm zählt zu den wichtigsten Vertretern der Nachkriegskunst in Bayern. Der Münchner Maler war Mitbegründer der legendären Künstlergruppe SPUR, die Ende der 1950er-Jahre mit provokanten Arbeiten die internationale Kunstszene aufmischte. Seit seinem Tod kümmert sich Tochter Katharina zusammen mit Bruder und Stiefmutter um den künstlerischen Nachlass. "Man könnte meinen, man erbt da eine Kunstsammlung, die man dann vielleicht veräußern kann oder an ein Museum stiften kann, aber man erbt eigentlich eine vielschichtige Aufgabe", sagt Katharina Sturm. "Das ist wie ein Schatz, den man in Händen hält und den man gern entwickeln möchte, den man aber auch weitergeben möchte, weil die Bilder sollen ja sichtbar bleiben."

Herzensangelegenheit und Bürde zugleich

Zwar konnten bereits eine große Wanderausstellung und ein umfangreicher Katalog realisiert werden. Doch auch fast zwei Jahrzehnte nach Helmut Sturms Tod steckt die Familie noch mitten in der Archivierung. Dabei hat Katharina Sturm mit ihrer Arbeit als Architektin und Stadtplanerin genug zu tun. "Für mich ist es eine Herausforderung, das mit meinem anderen Leben in Einklang zu bringen", sagt sie. "Aber es ist eben doch eine Herzensangelegenheit, mich um den Nachlass zu kümmern und zu sehen, dass die Bilder einen Ort finden, wo sie gewürdigt werden und gesehen werden." Manchmal fühle sich die Verantwortung aber auch wie eine Bürde an. "Es geht nicht nur darum, dass ich den Nachlass von meinem Vater gut pflege. Es ist auch ein kulturelles Erbe."

Bildrechte: Archiv Helmut Sturm, München
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Ohne Titel (Süddeutsche Zeitung), 1965, Mischtechnik, Collage auf Leinwand, 135 × 100 cm (Ausschnitt)

Künstlernachlässe werden oft als Privatsache angesehen. Dabei sind Kunstwerke Zeugnisse ihrer Zeit und damit Kulturgut von gesellschaftlichem Wert. Im Fall von Helmut Sturm geht es dabei nicht nur um fertige Gemälde. Hinzu kommen tausende Skizzen und kistenweise Inspirationsmaterial: Fotos, Zeitungsausschnitte und Fundstücke. Dazu Briefe und Notizen, die Hinweise auf die Hintergründe einzelner Bilder liefern können. "Das Besondere an einem Künstlernachlass ist für mich, dass er die Werke, die man aus dem Museum kennt, zusammenbringt mit dem Menschen, mit dem Künstler als Persönlichkeit und der Entstehungsgeschichte der Kunstwerke", sagt Katharina Sturm. "Der Nachlass beinhaltet einfach das Gesamte."

Privatsache? Kulturgut!

Helmut Sturm selbst hat nie darüber gesprochen, was nach seinem Tod mit seinen Arbeiten geschehen soll. Ihm ging es ums Malen, manchmal signierte er seine Bilder nicht einmal. Nun muss seine Familie sichten, sortieren und dokumentieren – und immer wieder entscheiden, was bewahrt werden muss.

Im Fall von Sturm ist diese Arbeit besonders aufwändig, weil der Künstler sein Atelier in einer ganz eigenen "Ordnung" hinterlassen hat: Außenstehende würden von "kreativem Chaos" sprechen. "Für meinen Vater war das die Ordnung, die er gebraucht hat, oder auch die Inspiration, die er gebraucht hat, wenn er im Dialog mit seinen Bildern gearbeitet hat", sagt Katharina Sturm. "Für jemanden, der sich später mit dem Nachlass beschäftigen muss, ist das natürlich eine ganz schöne Herausforderung."

Kreatives Chaos mit Überraschungen

Immer wieder stößt sie beim Sichten auf Überraschungen: Einmal hat sie eine bedeutende Zeichnung zwischen verstaubten Papierstapeln im Keller gefunden, ein anderes Mal ein Skizzenbuch: "Da hat mein Vater mit der Hand auf das Etikett geschrieben: 'Schlamperei – in unseren Zeiten oft die letzte Zuflucht der Menschlichkeit.' Als ich das gesehen habe, musste ich laut loslachen", erinnert sie sich. "Das passt einfach so gut, wie ich hier mitten in diesem ganzen Chaos sitze und versuche Ordnung zu schaffen und dann sehe ich das."

Sie wünscht sich, dass das Werk ihres Vaters eines Tages dauerhaft öffentlich zugänglich wird – fehlt nur noch ein Sponsor! Bis dahin sucht sie Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, die sich wissenschaftlich mit dem Werk ihres Vaters beschäftigen wollen. Denn Helmut Sturms Nachlass ist ein Schatz, der noch gehoben werden muss.

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