Die Stromtrasse Südostlink führt 260 Kilometer durch Bayern. Betroffen sind die Regierungsbezirke Oberfranken, die Oberpfalz und Niederbayern. Die Bauern bekommen eine Entschädigung dafür, dass die Stromtrasse durch ihre Flächen läuft, und für die darauf stattfindenden Bauarbeiten. Das regelt ein Rahmenvertrag, den der Bauernverband mit dem Stromnetzbetreiber der Tennet Holding ausgehandelt hat. Der Streitpunkt ist jedoch, wie der Bau abläuft.
Erdleitungen an sich beeinträchtigen den Ackerbau nicht – unter einer Bedingung
Eine Stromtrasse unter dem Feld beeinträchtigt den Ackerbau nicht, je nach Bodenart bringt sie sogar leichte Vorteile. Das ist das Ergebnis der Uni Hohenheim (externer Link), die einen Versuch mit Weizen, Gerste, Raps und Mais durchgeführt hat. Das gilt aber nur, wenn der Trassenbau selbst fachgerecht und bodenschonend abgelaufen ist. Danach sieht es auf manchen Feldern rund um Schwandorf aber nicht aus. Hier sind die Leitungen zum Teil bereits verlegt.
Nichts als Steine, wo mal der Unterboden war
Auf dem Acker von Milchviehhalter Martin Mändl aus Schwandorf ist der Unterboden bereits wieder aufgefüllt. Darüber soll später noch der Oberboden, eine rund 25 Zentimeter starke Humusschicht, verteilt werden.
Doch der Unterboden über der Trasse sieht ganz anders aus als der Unterboden daneben, wo keine Trasse verläuft. Martin Mändl gräbt mit der Hand und hat lauter große Steine in der Hand. "Also da ist nix an Sand, Humus, Ton oder sonstigem Material. Nur Stein." Die großen Steine, die früher ganz unten waren, liegen jetzt auf der Oberfläche des Oberbodens und das ist verhängnisvoll.
Denn der Humus, der später darauf kommt, wird mit der Zeit durch die Lücken zwischen den großen Steinen durchrieseln. Genauso wie Niederschläge. Die Böden hier sind an sich sehr steinreich, doch so schlecht wie jetzt sei der Acker davor nicht gewesen, sagt Marton Mändl.
Bauernverband sieht akuten Handlungsbedarf
Das ist ein Missstand, der so schnell wie möglich repariert werden muss, so das Urteil von Hubert Hofmann vom Bayerischen Bauernverband in Regensburg. "Das muss ich jetzt reparieren und nicht später." Man müsste die Steine zerkleinern, damit die Lücken dazwischen kleiner werden.
Hofmann betreut den Stromtrassenausbau für den Bauernverband. Inzwischen haben sich etliche Landwirte mit Beschwerden an ihn gewandt. In vielen Fällen habe man die Probleme lösen können, so Hubert Hofmann. "Wir haben aber auch tatsächlich Fälle, wo es nicht funktioniert." Da müsse man dann eventuell Sachverständige oder sogar einen Rechtsbeistand hinzuziehen.
Falsch verlegte Drainagen und andere Mängel
Auf einem Acker von Josef Hammer aus Schwandorf haben die Bauarbeiter neue Drainagerohre verlegt, nachdem die Stromleitung im Boden war. Doch die neuen Rohre seien nicht ordnungsgemäß angeschlossen, beklagt er. Nach einem Unwetter vor ein paar Wochen sind dann ein paar Drainagen freigelegt worden.
Daraufhin hat sich der Landwirt erneut an den Anwohner-Manager des Trassenbetreibers Tennet gewandt. Der Anwohner-Manager ist der Ansprechpartner auch für die Bauern. Er habe sich den Acker angeschaut, so Hammer, und versichert, er gebe die Beschwerde weiter. Der Anwohner-Manager habe ihm zugestimmt, das sei tatsächlich Pfusch.
Woanders sind im Zuge der Bauarbeiten Wiesen kurz vor der Mahd gemulcht worden, obwohl sie nicht auf, sondern eindeutig neben der Trasse liegen. Nur ein weiteres Beispiel von mehreren.
Was sagt Tennet?
Was die betroffenen Bauern am meisten ärgert, ist das Fehlermanagement des Trassenbetreibers Tennet. "Das große Problem ist, dass die Tennet eigentlich nicht reagiert", so Hammer.
Und was sagt Tennet zu der Kritik? In der schriftlichen Antwort heißt es unter anderem: "Hinweise wie etwa zu Drainagen, Bodenarbeiten oder der Bodenwasserhaltung nehmen wir sehr ernst." Und notwendige Nacharbeiten würden "nacheinander durchgeführt" werden.
Die Landwirte bekommen ihre Flächen offiziell erst in drei Jahren zurück. Im Vertrag steht: Wenn dann die Erträge über dem Trassenstreifen schlechter sind als daneben, können sie zusätzliche Entschädigungen verlangen.
Im Video: Unser Land - Ärger mit Erdleitungen unterm Acker
Für die Stromtrassen Südlink und Südostlink werden in Bayern Erdleitungen verlegt.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

