Eigentlich kommt in der Gemeinde Neukirchen in Niederbayern nur vorbei, wer nach Sankt Englmar zum Skifahren oder weiter nach Tschechien fahren möchte. Denn viel ist in dem Dorf nicht los. Keine Metzgerei mehr, kein Lebensmittelgeschäft. Nicht mal ein Wirtshaus gibt es hier.
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Zum 900-jährigen Jubiläum der zum Landkreis Straubing-Bogen gehörenden Gemeinde sollte es dann also etwas Besonderes sein. Etwas, das die Dorfbewohner auch untereinander wieder mehr ins Gespräch bringt und sich als Gemeinschaft erleben lässt. Also hat Künstlerin und Anwohnerin Renate Haimerl Brosch das Projekt "Zwischen_Menschen" initiiert, das aus ihrem Dorf für knapp drei Monate eine öffentliche Galerie macht.
"Zwischen_Menschen" mit zehn Kunstschaffenden
Seit Juni kommentieren, ergänzen und bebildern insgesamt zehn Kunstschaffende jede Woche das malerische Örtchen. Künstler aus Regensburg, Nürnberg, München oder auch Weiden in der Oberpfalz haben hier Spuren gelegt.
Graffiti-Künstler Levin Mayerhofer hat unter anderem die Rotunde der Kläranlage neu gestaltet.
Zum Beispiel wurden von Sarah John an die Fassaden leerstehender Gebäude, wie dem ehemaligen Gasthof "Laschinger", großformatige, metallene Piercings angebracht. Graffiti-Künstler Levin Mayerhofer hat unter anderem die über 20 Meter lange und drei Meter hohe Rotunde der Kläranlage bemalt. Und Künstler Tone Schmid bringt aus alten Jägerzaun-Elementen eine interaktive Installation nach Neukirchen, die dazu einlädt, am Zaun ins Gespräch zu kommen.
Kunst soll die Menschen zur Partizipation anregen
Renate Haimerl Brosch hat das Dorf im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum zu einer Kunstgalerie gemacht, und hat dafür auch finanzielle Förderung über das Projekt "Verbindungslinien" des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst erhalten. Die Vorständin des neuen Kunstvereins Regensburg führt in Neukirchen ein Atelierhaus, wo sie Symposien abhält und immer wieder Kunstschaffende aus der näheren und weiteren Umgebung einlädt. "Das ist schon ein Bezugspunkt für Künstler", sagt Haimerl Brosch. "Es kommen immer wieder welche. Und eben jetzt, durch dieses Projekt, kommen so viele aus dem Dorf oder aus dem Nachbardorf und sagen 'Ach, können wir was machen?'. Das ist ganz schön."
Alle sollen sich künstlerisch im Dorf beteiligen dürfen. Dabei gibt es keinen spezifischen Anspruch: "Es muss künstlerisch gar nicht so besonders sein", sagt Renate Haimerl Brosch. "Es geht einfach darum, dass die Leute sich engagieren und das sie das zeigen und den Mut haben."
Bodenmarkierungen von Axel T Schmidt verweisen auf das 900-jährige Jubiläum der Gemeinde Neukirchen.
Erinnerungsbretter für ehemalige dritte Orte
Die Kunstaktion "Zwischen_Menschen" zeigt deutlich und anrührend die Tragödie von Menschen, die irgendwie abgehängt sind, aber sich nicht unterkriegen lassen und stolz ihre Kultur und ihre Kunst präsentieren. Unter anderem mit sogenannten Erinnerungsbrettern: Das sind "Bretter, die an die dritten Orte erinnern", sagt Haimerl Brosch. "Wo man sich früher getroffen hat, die es aber nicht mehr gibt." So gibt es auch ein Erinnerungsbrett für den ehemaligen Gasthof Laschinger, das die frühere Wirtin selbst gemacht hat. Auch das ist etwas, das Haimerl Brosch mit ihrem Projekt schaffen will: dem regionalen Bedeutungsverlust entgegenzuwirken.
Eine letzte Installation im Rahmen der Aktion steht in Neukirchen noch aus. Erst an den letzten beiden Tagen, Mitte September, wird von Theresa Hartmann mittels einer Klanginstallation dann noch der Bach bespielt.
Das Projekt "Zwischen_Menschen" in Neukirchen läuft noch bis zum 13. September, dem Tag des offenen Denkmals.
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