Seit Dienstag sind zahlreiche CSU-Geschäftsstellen in Bayern auf Google Maps mit manipulierten Namen versehen. In München-Bogenhausen steht "CSU Eierhaus" – in Neuried, Vaterstetten-Parsdorf und Parsberg ebenso. Weitere betroffene Ortsverbände finden sich in Baar-Ebenhausen, Walting, Karlshuld, Rennertshofen und Tegernheim.
Die Kantine in der CSU-Landesleitung an der Mies-van-der-Rohe-Straße in München wird als "Löwe + Raute (CSU bunte Eierhaus Kantine)" angezeigt. Einzelne Einträge sind zusätzlich als "öffentliche Toilette" kategorisiert.
Auch CDU-Geschäftsstellen deutschlandweit betroffen
Die Manipulation betrifft nicht nur Bayern. Wie der WDR berichtete, sind CDU-Geschäftsstellen in ganz Deutschland betroffen – unter anderem in Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Hannover, Mannheim und Karlsruhe.
Während bei CDU-Geschäftsstellen meist schlicht "CDU Eierhaus" steht, verwenden die Einträge in Bayern häufig die Formulierung "CSU Söder isst Eierhaus" – eine Kombination aus dem Protest-Slogan und Markus Söders bekanntem Social-Media-Format #söderisst.
🎧 Wie verändert KI unser Leben? Und welche KI-Programme sind in meinem Alltag wirklich wichtig? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutieren Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub jede Woche in "Der KI-Podcast" – dem Podcast von BR24 und SWR.
Warum "Eier"?
Auf der Meta-Plattform Threads veröffentlichte ein Account namens "saftsackbeats" am Dienstag ein "Bekennerschreiben". Darin wird die Aktion als "Demonstration" gegen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnet.
Hintergrund ist wohl ein Vorfall in Berlin im März 2026. Berichten der dpa zufolge hatte bei einer Schülerdemo gegen den neuen Wehrdienst ein 18-Jähriger ein Plakat mit dem Spruch "Merz leck Eier" hochgehalten. Die Polizei beschlagnahmte das Schild und leitete Ermittlungen wegen des Verdachts auf üble Nachrede und Verleumdung ein.
Wie solche Manipulationen möglich sind
Dass falsche Einträge auf Google Maps erscheinen können, liegt an der Architektur der Plattform. Google Maps setzt stark auf Nutzerbeiträge: Fehlende Orte lassen sich eintragen, bestehende Einträge können geändert werden. Im Jahr 2023 erhielt Google Maps nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Beiträge pro Tag.
Im Jahr 2024 blockierte oder entfernte Google über 240 Millionen richtlinienwidrige Bewertungen und mehr als 70 Millionen problematische Orts-Bearbeitungen. Bei diesem Volumen werden Änderungen teils zunächst übernommen und erst im Nachhinein geprüft.
Auch Apple bietet in seiner Karten-App Meldefunktionen an. Über "Apple Business Connect" können Unternehmen ihre Einträge pflegen. Die Systeme sind mehrschichtig aufgebaut, aber anfällig für gezielte Eingriffe.
Ging es los mit dem Ballermann?
Digitale Umbenennungen als Protestaktion scheinen gerade Schule zu machen. Bis Mitte der Woche zeigte Apple Maps die Playa de Palma auf Mallorca mit dem deutschen Wort "Betrunkene" an. Mittlerweile hat Apple den Namen korrigiert. Bei Google Maps trat der Fehler nicht auf.
Auch im größeren Maßstab werden Umbenennungen auf Kartenplattformen immer wieder diskutiert. Im Januar 2025 ordnete das Weiße Haus per Executive Order an, den Golf von Mexiko in US-Systemen in "Golf von Amerika" umzubenennen. Google übernahm die Änderung – allerdings nur für Nutzer in den USA. In Mailand übernahm Google Maps den Stadtteilnamen "Acquabella", obwohl das Gebiet auf offiziellen Karten gar nicht als eigener Stadtteil existiert. Der Name stammte von einem lokalen Blog und war von Nutzern über Googles damaliges Eingabewerkzeug Map Maker eingetragen worden.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
