Wer an diesem Dienstagnachmittag in Apples Karten-App nach der Playa de Palma auf Mallorca sucht, findet dort immer noch ein einzelnes deutsches Wort: "Betrunkene". Auch die Wetter-App zeigt es an, direkt über der Temperatur: 19 Grad, meist sonnig – Betrunkene.
Erstmals dokumentiert wurde die Umbenennung am 2. April: Das Portal appgefahren.de bemerkte den Eintrag in Apple Karten. Seitdem ist der Name durchgehend bei Apple zu finden. Bei Google Maps tritt der Fehler nicht auf.
Wie kommt so etwas auf eine Karte?
Sowohl Apple als auch Google erlauben es Nutzern, Orte zu melden, zu korrigieren oder als fehlend einzutragen. Bei Google ist das System besonders offen: Nutzer können fehlende Orte hinzufügen, und diese werden nach dem Eintragen öffentlich sichtbar.
Dieses Angebot wird natürlich massenhaft genutzt. Im Jahr 2023 erhielt Google Maps nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Beiträge pro Tag. 2024 blockierte oder entfernte Google über 240 Millionen richtlinienwidrige Bewertungen und mehr als 70 Millionen richtlinienwidrige Orts-Bearbeitungen. Das System wird moderiert – aber bei diesem Durchsatz kann Unsinn kurzfristig sichtbar werden, bevor er bemerkt wird.
Auch Apple bietet Meldefunktionen: In der Karten-App lassen sich fehlende Orte melden und Probleme einreichen. Über "Apple Business Connect" können zudem Unternehmen ihre Einträge pflegen. Auch bei Apple fließen also Nutzermeldungen, Business-Daten und Partnerdaten in eine mehrschichtige Infrastruktur ein. Vermutlich hat jemand das als Einfallstor genutzt, um sich einen Spaß zu erlauben – und bei Apple fiel das Ganze nicht auf.
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Wie neue Namen auf Karten landen
Es ist nicht das erste Mal, das über eine Umbenennung in einer Karten-App diskutiert wird: Im Januar 2025 ordnete das Weiße Haus per Executive Order an, den Golf von Mexiko in US-Systemen in "Golf von Amerika" umzubenennen. Google übernahm die Änderung aus dem offiziellen US-Namensregister GNIS – allerdings nur für Nutzer in den USA. In Mexiko heißt das Gewässer weiterhin "Golfo de México", in anderen Ländern zeigt Google beide Namen.
Am anderen Ende des Spektrums steht ein Fall aus Mailand. Dort übernahm Google Maps den Stadtteilnamen "Acquabella" – obwohl das Gebiet auf offiziellen Karten gar nicht als eigener Stadtteil existiert. Der Name stammte ursprünglich vom lokalen Blog Urbanfile, dessen Betreiber Roberto Arsuffi ihn schlicht als praktische Bezeichnung für einen namenlosen Bereich erfunden hatte. Nutzer trugen den Namen anschließend über Googles damaliges Eingabewerkzeug Map Maker ein, und so wurde aus einem Arbeitsbegriff eines Bloggers ein scheinbar amtlicher Ortsname.
Warum der Witz an genau diesem Ort zündet
Die Geschichte am Platja de Palma wirkt auf den ersten Blick nicht so politisch aufgeladen wie die Diskussion um den Golf von Mexiko. Dennoch steckt hinter einer scheinbar unschuldigen Bezeichnung eine breite Debatte: Zwischen "s'Arenal", "Platja de Palma", "Ballermann" und "Betrunkene" liegen völlig verschiedene Erzählungen darüber, was dieser Ort eigentlich ist – und wem er gehört.
Denn die Playa de Palma ist seit Jahrzehnten Symbol für exzessiven Partytourismus. Die balearische Tourismusbehörde selbst benennt den Bereich rund um s'Arenal, Magaluf und Sant Antoni als historische Problemzonen für alkoholbezogene Vorfälle. Also eben für "Betrunkene". 2024 und 2025 kam es auf den Balearen und in ganz Spanien zu großen Demonstrationen gegen Massentourismus und steigende Wohnkosten.
Update 8.4.:
Die Playa de Palma ist offenbar kein Einzelfall – manche Spaßvögel scheinen auf den Geschmack gekommen zu sein. Wie das Portal watson.de berichtet, tauchen seit dem 7. April bundesweit CDU-Parteibüros bei Google Maps unter dem Namen "CDU Eierhaus" auf – darunter Kreisverbände in Karlsruhe, Bonn und Halle.
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