Nach dem letzten Mittwoch und dem Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern wurde es ruhig um den TSV 1860 München. Von Vereinsvertretern war kein Statement zu bekommen. Am Dienstag brach Präsident Gernot Mang gegenüber BR24Sport sein Schweigen und äußerte sich auch dazu, wie der "Schwarze Mittwoch" an der Grünwalder Straße und die Stunden zuvor abgelaufen waren.
Mang über Wut der Fans: "Es hat sich nicht gut angefühlt"
Als das Schicksal des Turn- und Sportvereins besiegelt war, traten Gernot Mang und weitere Mitglieder des Präsidiums an die Öffentlichkeit und verkündeten, dass die 2,7 Millionen Euro für die Lizenz nicht eingegangen waren. "Es hat sich nicht gut angefühlt", erinnert sich Mang im Gespräch mit BR24Sport. "Obwohl wir am wenigsten etwas dafür konnten. Weil der Investor hat das Darlehen gekündigt, er hat das Geld nicht gezahlt, er hat die Verträge gebrochen." Die Reaktionen waren wüste Beschimpfungen und Schmähgesänge gegen Hasan Ismaik.
Mang über Zoff mit dem Investor: "Dann hat sein Bruder die Verhandlungen abgebrochen"
Gegen den Mann, der an diesem Mittwoch mit der Öffentlichkeit ein Spielchen spielte über WhatsApp-Botschaften. In einer entsprechenden Nachricht an den BR schrieb Ismaik die "3" für dritte Liga. "Von dem sind wir auch ausgegangen, dass wir eine Einigung erzielen können", blickt Mang zurück. "Aber dann hat sein Bruder die Verhandlungen abgebrochen, ist vom Verhandlungstisch aufgestanden, hat uns eine Mail zukommen lassen und gesagt: 'Der Deal ist gestorben'."
In den Verhandlungen ging es um zwei Vertragsmöglichkeiten. Die Details sind nach wie vor nicht bekannt. Präsident Mang hatte aber noch am Mittwochabend erklärt, man könne sich "nicht über satzungs- und verbandsrechtliche Vorgaben hinwegsetzen".
Kooperations-Zoff: Ismaik prozessiert mit Gauweiler gegen 1860
Am Donnerstag nach dem "Schwarzen Mittwoch" kündigte der Verein den Kooperationsvertrag mit dem Investor. Die Ismaik-Seite wehrt sich nun gegen diesen Schritt. Im Verfahren lässt sich Ismaik von Peter Gauweiler vertreten. Das Mandat Ismaiks für Gauweiler habe man "mit Kopfschütteln wahrgenommen", erklärt Mang in der Abendschau im BR Fernsehen. "Jetzt vertritt er jemanden aus Middle East und geht gegen einen der traditionsreichsten Vereine Deutschlands vor, das passt nicht zusammen."
Spendenaktion für 1860 ein voller Erfolg
Ein Prozess benötigt Geld, doch unabhängig davon haben Vereinsmitglieder eine Spendenkampagne eingerichtet, denn nach dem Ausscheiden des Investors droht die Insolvenz. Bis zum Mittwoch (09.06.) seien 90.000 Euro zusammengekommen, freut sich Mang. "Das zeigt eine unglaubliche Verbundenheit zum Verein derzeit, und das ist für uns natürlich ganz, ganz wichtig, diesen Rückhalt auch zu haben."
Ex-Löwen-Profis Völler und Nagelsmann wollen ebenfalls spenden
Und selbst bis in die Vereinigten Staaten schwappt die Spendenwelle, wo sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gerade auf die am Donnerstag beginnende Weltmeisterschaft vorbereitet. "Ich bin auf jeden Fall dabei. Und ich werde auch Julian Nagelsmann dazu überreden. Der wird nicht den Mut haben, zu sagen, er gibt nichts", sagte DFB-Sportdirektor Rudi Völler angesprochen auf das Schicksal seines Ex-Klubs.
Im Video: Völler will sich an 1860-Spendenaktion beteiligen
Rudi Völler
Mangs Zukunftsprognose: "Mit dem Löwen auf der Brust"
Gernot Mang sieht auch darin Grund zur Zuversicht, schwört die Fangemeinde aber zugleich auf "harte Verhandlungen, harte Tage" ein. Noch ist der Abschied des Investors nicht bestätigt, zudem gehört ihm die Merchandising GmbH und da er mit 60 Prozent an der KGaA beteiligt ist, zu einem Teil auch die Markenrechte. Doch Mang gibt sich kämpferisch: "Wir werden mit dem Löwen auf der Brust spielen und in den Farben weiß und blau."
Schon am 23.7. beginnt die neue Saison in der Regionalliga, bis dahin braucht der Verein eine Mannschaft. Einige Spieler haben schon signalisiert, bleiben zu wollen. Medienberichten zufolge können sich Florian Niederlechner und Tunay Deniz das vorstellen. Der Neustart steige wieder im Grünwalder Stadion, sagte Mang und kündigte ein baldiges Gespräch mit Oberbürgermeister Dominik Krause an.
Mang gibt sich betont optimistisch und sieht in dem erneuten Absturz auch eine Chance: "Man spricht vom 'Schwarzen Mittwoch'. Ich glaube, das könnte der Aufbruchstag für Sechzig sein."
Im Video: 1860-Präsident Mang in der BR-Abendschau
Gernot Mang


