Nach dem torlosen Remis bei Preußen Münster polterte Fürth-Coach Heiko Vogel: "Ich muss aufpassen, was ich sage, und wie ich es sage“. Er war unzufrieden und „mit der Leistung in vielen Dingen nicht einverstanden.“ Einen Tag nach dem Punktgewinn äußerte sich der 50-Jährige in „Blickpunkt Sport“ deutlich versöhnlicher.
Heiko Vogel rudert nach Wutrede zurück
„Ich muss sagen, die Art und Weise, wie man das Spiel gespielt hat, ist im Nachblick viel positiver als ich das gestern noch wahrgenommen habe. Gestern war ich mit ein paar Dingen sehr unzufrieden, ich bin dann auch ein sehr schlechter Verlierer, auch wenn wir nicht verloren haben. Aber wenn man dann die Mannschaft sieht und mit den Spielern spricht, dann fand ich das unglaublich reflektiert.“
Die SpVgg Greuther Fürth steht nach 29 Spieltagen in der 2. Bundesliga auf dem 17. Tabellenplatz und ist weiterhin enorm vom Abstieg bedroht. Ein Sieg gegen den Tabellennachbarn Preußen Münster hätte das Kleeblatt zumindest vorübergehend auf Rang 13 klettern lassen. Im unteren Tabellendrittel liegen die Klubs sehr eng beieinander, der 1. FC Nürnberg auf Rang neun hat nur sieben Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz.
Geduld im Abstiegskampf
Gegen einen sehr tief stehenden und hauptsächlich defensiven Gegner taten sich die Mittelfranken schwer, ein Tor zu erzielen. In „Blickpunkt Sport“ sprach der Trainer von einer „zwielichtigen Stimmung“ nach dem Spiel. „Man hat nicht einordnen können: Waren das jetzt zwei verlorene Punkte oder war das ein Punktgewinn?“
Geduld war das Stichwort im Duell gegen Preußen Münster. Geduld, die am Ende nicht mit einem Treffer belohnt wurde. Auch im Abstiegskampf scheint Geduld das Motto beim Kleeblatt zu sein. Mit fünf noch zu bestreitenden Spielen und der aktuellen Tabellensituation stehen die Chancen, den Abstieg abwenden zu können, noch ziemlich gut. Nun kommt es darauf an, aus jedem Duell das bestmögliche herauszuholen und geduldig Punkt um Punkt zu sammeln. Das schlechteste Torverhältnis der Liga (-21) ist eine zusätzliche Hypothek.
Vogel lobt Zusammenhalt: "Der ist nicht konstruiert"
Doch geduldig zu sein, ist nicht immer einfach, es hilft, wenn man nicht alleine durchhalten muss. Der große Vorteil von Fürth ist, dass die Gemeinschaft und der Zusammenhalt im Verein enorm stark ist, berichtet Vogel: „Der ist nicht affektiert oder gespielt oder konstruiert, der wird so gelebt. Wir sitzen da im regelmäßigen Turnus alle vier Wochen zusammen, da sind Vertreter von der Stadt, von der Fanszene, aus dem Verein. Und alle versuchen da wirklich, Energien freizusetzen, die es dann braucht, um schlussendlich den Klassenerhalt zu schaffen.“
Humor trotz Abstiegskampf
Mit Blick auf das Restprogramm in der Liga ist Vogel froh über die anstehenden Gegner. Darmstadt hat Aufstiegsambitionen, da ist Bochum als Tabellenzehnter ein vermeintlich leichterer Gegner. Im fränkischen Duell mit Nürnberg ist alles oder nichts möglich. Dann kommt Hertha BSC als Tabellenfünfter und, wenn es knapp wird, könnte es am letzten Spieltag noch auf ein Abstiegskampf-Finale gegen Fortuna Düsseldorf hinauslaufen. „Anscheinend tun wir uns gegen die Mitkonkurrenten etwas schwerer, als gegen die Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte“, witzelte Vogel.
Für den Fußballlehrer ist Humor eine weitere wichtige Zutat im Kampf gegen den Abstieg. „Humor ist für mich eine Form der Kommunikation, bei der ich vielleicht auch mal Kritik anbringen kann, die ankommt, aber die deswegen ankommt, weil sie auf dem Weg des Humors ankommt.“
Bodenständig zum Klassenerhalt
Konstruktive Kritik äußern, geduldig sein, zusammenhalten und bei allem humorvoll bleiben - das alles ist Ausdruck einer gelebten Bodenständigkeit bei der SpVgg. „Grundsätzlich ist es so, dass es ein unglaubliches Privileg ist, was wir genießen dürfen. Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht und das sollte kein Spieler und auch keiner aus meinem Staff, inklusive mir, vergessen“, schwärmte der 50-Jährige, der mit dieser Einstellung so gut zum Kleeblatt passt. „Wir dürfen morgens aufstehen und dürfen dem nachgehen, was die größte Faszination in unserem Leben ist. Uns geht es gut mit der Sache, dass wir das machen dürfen, was wir am meisten lieben.“
Video: Die SpVgg Greuther Fürth nach dem Unentschieden gegen Preußen Münster
Lukas Reich (Fürth) im Zweikampf mit Yassine Bouchama (Münster)
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