Oliver Zeidler hat den Zustand der Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim bei München scharf kritisiert. Im exklusiven Interview in "Blickpunkt Sport" sagte der Weltmeister: "Wenn man so ein bisschen auf Rocky-Style, also die abgefucktesten Trainingsbedingungen der Welt, wenn man da drauf steht, dann ist man hier genau richtig."
Zustand der Regattastrecke "tut von Herzen weh"
Die Anlage wurde für die Olympischen Spiele 1972 erbaut, seitdem ist wenig passiert. Vieles ist renovierungsbedürftig, die Tribüne beispielsweise darf nicht mehr betreten werden. Zeidler macht das traurig: "Man lässt hier diese Anlage wirklich verfallen, was mir von Herzen wehtut. Mein Großvater hat damals 1972 hier bei den Olympischen Spielen seine Goldfahrt gehabt."
Und auch für Zeidler selbst ist der Ort mit vielen Emotionen verbunden: "Ich habe hier auf der Strecke meine ersten Ruderschläge gemacht. Ich habe hier das Rudern gelernt. Ich war hier zehn Jahre eigentlich jeden Tag zum Training. Also diese Regattastrecke hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin."
Zeidler fordert Verbesserungen an Regattastrecke
Die Strecke ist bei Ruderern besonders beliebt, denn sie liegt parallel zur Hauptwindrichtung Südwest/Nordost. Das bedeutet, selbst bei starkem Wind gibt es hier vergleichsweise wenig Wellen und somit gleiche Bedingungen für alle Bahnen. "Das Wasser ist natürlich einmalig, ist eines der besten Gewässer der Welt, um hier auch so Ausscheidungsrennen oder auch Regatten zu fahren", weiß Oliver Zeidler. Doch jetzt droht die Strecke auseinanderzufallen, obwohl die Ruder-Elite aus München und Umgebung hier trainiert.
Zeidler fordert: "Wenn wir international erfolgreich sein wollen, dann muss da doch nochmal einiges passieren." Der 30-Jährige weiß, wovon er spricht, denn er hat eine besonders erfolgreiche Saison hinter sich. Oder wie er selbst sagt: eine "perfekte Saison".
Ungeschlagen: Oliver Zeidlers Ausnahme-Saison
Denn Oliver Zeidler blieb in der vergangenen Ruder-Saison in jedem Rennen ungeschlagen. Ende August setzte er mit seinem vierten Weltmeistertitel im Männer-Einer bei der Ruder-WM in Amsterdam einer starken Saison die Krone auf. Auch auf europäischer Ebene hatte er sich Anfang August den vierten Europameister-Titel in Varese/Italien gesichert – sogar mit Bestzeit. Im Winter hatte er außerdem auf dem Ergometer einen neuen Weltrekord aufgestellt.
Dabei hatte der Olympiasieger von 2024 in Paris das Rudern in dieser Saison nicht priorisiert. Das Jahr 2025 stand für ihn im Zeichen des Studiums. Er studierte ein Jahr lang in der Schweiz für seinen Master of Business Administration. Eine wichtige Zeit für seine persönliche Entwicklung: "Ich habe sehr viel über andere gelernt. Ich habe sehr viel akademisch gelernt, aber ich habe auch gleichzeitig sehr viel über mich selbst gelernt in Lausanne."
Hoffnung auf Olympia in München
Seine Erkenntnisse möchte Zeidler nun in den Rudersport einfließen lassen. Denn durch das Studium habe er auch gemerkt, dass er noch lange nicht fertig ist mit dem Sport. Nur eine gewisse Leichtigkeit hat er seit dem Olympiasieg 2024, "der bei mir ganz, ganz viel Druck genommen hat", wie Zeidler in "Blickpunkt Sport" erzählt. "Also da war ich dann plötzlich so gefühlt fünf Kilo leichter, als ich mir dann endlich diese Medaille um den Hals hängen durfte und einfach so ein Lebensziel erreicht habe."
Jetzt hofft Zeidler auf den Zuschlag für München für die Austragung der Olympischen Spiele. "Ich glaube, es wäre sehr, sehr wichtig für Deutschland und für München, dort einfach diese Zusage zu bekommen, dass wir olympische Spiele ausrichten dürfen, weil dadurch wäre auch so ein bisschen wieder Druck auf dem Kessel, dass jetzt wirklich mal was angepackt wird."
Für ihn ist eine Renovierung der Ruderregattastrecke unumgänglich. "Ich wünsche einfach auch den nächsten Generationen an sportbegeisterten Leuten, dass sie diese Infrastruktur hier ordentlich nutzen können." Und Olympische Spiele in der Heimat wären für den Oberbayer sicherlich auch ein Grund zur Freude.
