Das Spitzenspiel der Regionalliga Bayern am vorletzten Spieltag der Saison 2025/26 - ein kurioses Duell, wie man es lange nicht erlebt hat. Die Würzburger Kickers und die SpVgg Unterhaching spielten nämlich nicht mehr um den Aufstieg, sondern "nur" um den Einzug in den DFB-Pokal.
Warum Würzburg trotz Platz zwei aufsteigen kann
Weil weder Spitzenreiter 1. FC Nürnberg II noch die SpVgg Unterhaching aufsteigen wollen, stand schon vor dem Spiel fest, dass die Würzburger Kickers in die Aufstiegsduelle gegen den Meister der Regionalliga Nord-Ost - Spitzenreiter dort ist derzeit Carl Zeiss Jena - gehen werden.
Anders die Situation in Sachen DFB-Pokal: Unterhaching wollte dort mit Blick auf lukrative Einnahmen nur allzu gerne antreten, die Kickers natürlich auch. Der 1. FC Nürnberg II ist als Zweitvertretung im Pokal nicht spielberechtigt.
Durch den klaren 4:0-Heimsieg sicherten sich die "Rothosen" als sicherer Tabellenzweiter hinter dem 1. FCN II nun den begehrten DFB-Pokal-Startplatz einschließlich des Titels "Bayerischer Amateurmeister" als beste Nicht-Reserve hinter Meister 1. FC Nürnberg. Nur eben noch nicht den sicheren Aufstieg.
1860 München dank Würzburg im DFB-Pokal
Fest steht dadurch bereits auch der zweite bayerische Pokal-Teilnehmer unterhalb der Bundesligen: Der TSV 1860 München hat einen Startplatz sicher. Die Löwen treffen am Finaltag der Amateure im bayerischen Pokalfinale (im Livestream bei BR24Sport) auf die qualifizierten Würzburger Kickers - und sind selbst bei einer Niederlage im DFB-Pokal dabei.
Was der Aufstieg für Stadt und Verein Würzburg bedeutet
Für André Herber, den Vorstandsvorsitzenden der Würzburger Kickers, wäre der Aufstieg neben den zusätzlichen Pokal-Einnahmen essentiell. "Die Stadt Würzburg, das ganze Umfeld brauchen die 3. Liga", sagte er im Halbzeitgespräch mit Blickpunkt Sport.
"Würzburg ist am Ende eine Sportstadt. Fußball ist der Lieblingssport aller Würzburger", ergänzte er: "Wir brauchen die 3. Liga, um uns strategisch weiterzuentwickeln."
Unterhaching setzt lieber auf Talente als auf die 3. Liga
Bei der SpVgg Unterhaching schaut die Situation anders aus: Die Münchner Vorstädter setzen perspektivisch auf ihr Nachwuchsleistungszentrum. Dort Geld abzuziehen und in die 3. Liga zu investieren? Für Präsident Manfred "Manni" Schwabl undenkbar.
"Es geht um die Zukunft - was wird in der 3. Liga gebraucht?", sagte er bei Blickpunkt Sport, durchaus genervt von den Diskussionen, dass die 3. Liga für viele Vereine schwer finanzierbar ist. "Wir wollen junge Leute einbauen, da tun wir uns in der Regionalliga leichter", so Schwabl: "Schuster, bleib bei deinen Leisten."
"Wenn wir das Nachwuchsleistungszentrum kürzen müssen, dann verzichten wir auf den Aufstieg. Wir fahren eine andere Strategie." Manni Schwabl
Als Negativbeispiel nannten er den 1. FC Schweinfurt, für den es in der Aufstiegssaison sang- und klanglos wieder nach unten ging. Bei der SpVgg plant man vorsichtiger, hat die 3. Liga aber natürlich weiter im Blick: "Ich bin guter Dinge, dass wir irgendwann wieder dabei sein werden."
Einig sind sich Herber und Schwabl aber in einem anderen Punkt: Die Regionalliga benötigt dringend eine Reform. Derzeit steigen von den fünf Regionalligen immer nur vier Meister auf. Zwei müssen in eine Relegation, in diesem Jahr erwischt es eben die Würzburger.
"Meister müssen aufsteigen", sagte auch Herber, "ich hoffe, dass wir eine Neuaufstellung finden." Auch Schwabl pflichtet dem bei: "Es ist wichtig, dass das Bewusstsein da ist, dass der Meister aufsteigen muss."
Diese Reformmodelle sollen das Aufstiegschaos beenden
Nur wie das realisiert werden soll, ist alles andere als klar. Zwei Modelle - "Kompass" und "Regionen" - stehen im Raum, der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat sogar noch ein drittes ins Spiel gebracht.
Beim "Regionenmodell" würden drei der bisher fünf Regionalligen (Nordost, Nord und Bayern) zu zwei zusammengelegt. Beim "Kompass-Modell" (Nord, West, Ost, Süd) würde ebenfalls eine Regionalliga verschwinden, die verbleibenden vier Ligen aber jede Saison neu zusammengestellt werden mit der Vorgabe kurzer Fahrdauern.
BFV, DFB, Landesverbände: Die Suche nach dem Aufstiegsmodell
Der BFV, der auf jeden Fall seine eigene Liga verlieren würde, bekäme dadurch Folgeprobleme: Wie regelt man jede Saison den Auf- und Abstieg mit den Bayernligen, wenn es passieren kann dass es in der Regionalliga gar keine bayerischen Absteiger gibt?
Deshalb brachte der BFV das "Zwei-Phasen-Modell" ins Spiel: In der Hinrunde sollen die Teams wie bisher in fünf Regionalligen spielen. Die Teams der ersten Tabellenhälfte spielen dann nach der Winterpause in einer nach kürzesten Fahrtstrecken berechneten Vier-Liga-Variante die Meister und somit vier Aufsteiger aus. Die Mannschaften der unteren Tabellenhälfte gehen in eine Abstiegsrunde.
BFV-Präsident Christoph Kern
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