Das blamable Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 2026 hat Konsequenzen. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat am Freitag seinen sofortigen Rücktritt bei Deutschen Fußball-Bund (DFB) bekannt gegeben.
Nagelsmann verweigert nach Blamage den Rücktritt
Der gebürtige Landsberger hatte nach der Niederlage im Sechzehntelfinale gegen Außenseiter Paraguay (3:4 i.E.) noch angegeben, für zukünftige Aufgaben zur Verfügung zu stehen. Sportdirektor Rudi Völler hatte dem 38-Jährigen noch den Rücken gestärkt, sich aber nicht endgültig auf eine Weiterbeschäftigung Nagelsmanns festgelegt.
"Ich bin immer noch davon überzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist, um weiterzumachen", hatte Völler gesagt und hinterhergeschoben: "Ich bin nicht der DFB alleine, ich habe das nicht alleine zu entscheiden." Völlers Kollegen in der DFB-Führung hatten Nagelsmann laut Medienberichten am Donnerstag in einer Krisensitzung den Rücktritt nahegelegt.
Wie geht es weiter beim DFB? Übernimmt nun Jürgen Klopp als Nationaltrainer? Darüber sprechen wir bei BR24 mit BR-Sportreporter Bernd Schmelzer. Außerdem schalten wir zu ARD-Sportreporter Heiko Neumann, der die aktuellen Entwicklungen vor der DFB-Zentrale in Frankfurt verfolgt. Den Link zum Video finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Nagelsmann: "Habe seit dem Ausscheiden viel nachgedacht"
In einem Statement erklärte Nagelsmann: "Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht. Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg der Mannschaft. Sie hat nach so einer herben Enttäuschung die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdient."
Bei den Fans bedanke sich der Ex-Bundestrainer für die Unterstützung: "Ihr habt uns getragen, ihr habt uns vertraut, ihr habt uns Energie gegeben, selbst in schwierigen Phasen. Es tut mir von Herzen leid und weh, dass wir euch enttäuscht haben und euch keine weiteren Fußballnächte bei dieser WM bescheren konnten. Ihr hättet viel mehr verdient gehabt!"
Nagelsmann sorgt immer wieder für Kritik
Nagelsmann hatte das DFB-Team im September 2023 übernommen und Völler beerbt, der als Interimslösung nach der Trennung von Hansi Flick fungiert hatte. Bei der Heim-EM 2024 scheiterte die DFB-Elf unter Nagelsmann im Viertelfinale (1:2 n.V.) am späteren Turniersieger Spanien. In der UEFA Nations League qualifizierte man sich zwar für das Final Four, musste aber sowohl gegen Portugal als auch gegen Frankreich Niederlagen hinnehmen.
Während seiner Amtszeit eckte Nagelsmann immer wieder an. Strittige Entscheidungen in Sachen Taktik und Personal überschatteten seine Ägide ebenso wie immer wieder aufflammende Kritik an seinem Kommunikationsstil. Laut kicker dürfte sich eine Abfindung für den Ex-Trainer im Bereich um die sieben Millionen Euro belaufen. Sein Vertrag, den der DFB erst im Januar 2025 verlängert hatte, läuft noch bis 2028.
Wird Klopp neuer Bundestrainer?
Als Top-Favorit auf die Nachfolge von Nagelsmann gilt Jürgen Klopp. Dem langjährigen Dortmund- und Liverpool-Coach wird schon seit längerem Interesse an der Rolle als Bundestrainer nachgesagt. Der 59-Jährige heuerte im Anschluss an seinen Rücktritt in Liverpool vor zwei Jahren als "Global Head of Soccer" bei Red Bull an. Während der Weltmeisterschaft sorgte er als TV-Experte mit Spitzen gegen Nagelsmann für Aufsehen.
Der DFB bestätigte, dass er mit Blick auf die Neubesetzung das Gespräch mit Klopp suchen werde. Dieser habe "bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert". Bereits am Mittwoch hatte sich Ex-DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff im exklusiven Interview mit BR24Sport für Klopp ausgesprochen. "Sollte Julian Nagelsmann aufhören, muss Jürgen Klopp die Nummer eins sein", befand der Europameister von 1996.
DFB-Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig wird seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern. Hierüber hatte er den DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf bereits vor WM-Beginn informiert.
Im Video: BR24Sport-Interview mit Oliver Bierhoff
Oliver Bierhoff

