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DSV in der Speed-Krise: Ski-Trainer Schwaiger schlägt Alarm

DSV in der Speed-Krise: Ski-Trainer Schwaiger schlägt Alarm

Im Ski-Alpin- Weltcup rasen die Speed-Spezialisten aus Deutschland der Spitze hinterher – und es werden immer weniger. Herren-Bundestrainer Christian Schwaiger spricht von "Fehlern im System" und auch ARD-Experte Felix Neureuther schlägt Alarm.

Über dieses Thema berichtet: Sportschau am .

Das Weltcup-Aufgebot für Speed-Disziplinen des Deutschen Skiverbands wird immer kleiner. Bei der Abfahrt von Courchevel am Freitag waren nur zwei deutsche Läufer am Start – Simon Jocher und Maximilian Schwarz. Beide fuhren der Weltspitze hinterher. Vor drei Jahren bei der WM am selben Ort waren es noch vier: Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen und Josef Ferstl, Romed Baumann und Andreas Sander.

Karriereenden, Verletzte, Ausfälle: Warum der Kader schrumpft

Dreßen und Ferstl fahren schon seit gut zwei Jahren nicht mehr, Baumann hat seine Karriere nach dem Heim-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen Ende Februar beendet, Andreas Sander konnte krankheitsbedingt in dieser Saison keine Rennen bestreiten. Und es gibt auch Verletzte – wie Luis Vogt, der auf der Streif in diesem Jahr einen beachtlichen achten Platz erreichte.

Herren-Cheftrainer Schwaiger: "Fehler im System"

Christian Schwaiger macht aber noch ein anderes, viel grundlegenderes Problem aus: Die Nachwuchsarbeit. "Es ist schwer zu sagen, weil ich ja auch nicht den Zugriff auf den Nachwuchs habe, um zu sehen, wo der Haken liegt. Aber: Wir haben auf alle Fälle einen Fehler im System", sagt der Herren-Cheftrainer im Interview mit der Sportschau.

"Wir brauchen extrem lange und wir haben keine richtig gute Technik-Ausbildung. Das sehe ich, wenn sie zum Weltcup oder zum Europacup kommen. Wir fangen wieder bei fundamentalen Dingen an", führt der 57-Jährige weiter aus. Und dann wird Schwaiger deutlich: "Es ist nicht meine Aufgabe, dass ich den Athleten beibringe, Sprünge und Wellenfahren zu lernen." Der Bundestrainer kündigt an, "dass wir das Ausbildungssystem analysieren. Wir müssen das so schnell wie möglich in den Griff kriegen."

Neureuther fordert mehr Investitionen

ARD-Skiexperte Felix Neureuther stimmt Schwaiger zu und versucht, die Situation an einem Beispiel zu erklären: "Du kannst nicht, wenn du einen Fußballverein trainierst, den Kindern zuerst mal lernen, wie man die Schuhe bindet, wenn die Fußball spielen sollen."

Um die Speed-Disziplinen in Deutschland wieder nach vorne zu bringen, fordert das ehemalige Ski-Ass: "Wir müssen in den Nachwuchs investieren."

Neureuther erklärt: "Wir haben in Deutschland nicht diese Breite an Athleten – schon alleine aus logistischen Gründen. Wir haben nicht die Skigebiete wie Frankreich, Italien, Schweiz, Norwegen oder Österreich. Aber die paar wenigen, die wir haben, die muss man richtig und gezielt fördern." Und dazu bräuchte es "Logistik und Infrastruktur. An den drei Standorten Oberstdorf, Berchtesgaden und Garmisch-Partenkirchen müssen wir richtig investieren – mit genügend guten Trainern. Schule und Sport müssen gleichzeitig möglich gemacht werden."

Leistungssportler hervorzubringen, sei "bei unserem Schulsystem nicht leicht. Deswegen ist es auch für den Verband nicht einfach", so Neureuther. "Aber irgendwie muss man eine andere Lösung finden und die Nachwuchsfahrer technisch so gut auszubilden, dass ein Christian Schwaiger und die ganzen Trainer da oben im Weltcup-Bereich richtig arbeiten können. Weltcup ist nochmal eine ganz andere Nummer als Europacup."

Neben Kritik auch Lob für den DSV von Neureuther

Abschließend lobt der 41-Jährige trotzdem noch die Arbeit des DSV: "Nichtsdestotrotz muss ich sagen: Der Skiverband macht einen guten Job für die Möglichkeiten und finanziellen Voraussetzungen, die wir in Deutschland haben."

"Ehrlich gesagt: Es ist eh Wahnsinn, dass wir international so eine Rolle spielen." Felix Neureuther