Daryl Boyle und Christian Ehrhoff
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Eishockey: Klassentreffen der Olympia-Helden von 1976 und 2018

Eishockey: Klassentreffen der Olympia-Helden von 1976 und 2018

Passend zu den olympischen Winterspielen in Italien sind im bayerischen Landshut alte und junge Eishockeyhelden zusammengekommen, um sich gemeinsam an die Erfolge von Innsbruck vor 50 Jahren und Silber in Pyeongchang 2018 zu erinnern.

Über dieses Thema berichtet: Blickpunkt Sport am .

Während bei den Olympischen Winterspielen in Italien die Wettbewerbe laufen, sind im bayerischen Landshut alte und junge Eishockeyhelden zusammengekommen, um sich gemeinsam an ihre größten Erfolge zu erinnern: die Bronzemedaille von Innsbruck vor 50 Jahren und Silber in Pyeongchang 2018 haben deutsche Eishockeygeschichte geschrieben.

Schloder als Gastgeber: "Machen das in Landshut"

Eingeladen hatte Alois Schloder, der Kapitän der Mannschaft von 1976. Und das, obwohl er eigentlich andere Pläne für sich und seine Mannschaftskameraden hatte: "Wir haben gesagt, wir machen uns ein schönes Wochenende in Mailand. Mit unseren Frauen schauen wir zwei Spiele der deutschen Mannschaft an. Aber wenn du dann mit dem Ersten telefonierst und der sagt 'Oh, ich kann nicht so lange sitzen. Oh, mir tut der Kopf weh, mir tut das weh. Dann habe ich gesagt: Wisst ihr was, liebe Leute, dann canceln wir das, wir machen die Veranstaltung in Landshut", so Schloder.

Das Zusammenkommen hat mittlerweile Tradition – das letzte Wiedersehen der 76er ist allerdings zehn Jahre her. Doch die Erinnerungen sind präsent wie eh und je: "Du siehst die Gesichter und mir fällt zu jedem Gesicht sofort eine Story ein. Ich hab schon als Scherz gesagt, wir in Deutschland feiern die Bronzemedaille wie andere die Goldene", so der Ex-DEB-Präsident Franz Reindl.

Torquotient bringt Bronze

Der Gewinn der Bronzemedaille ist bis heute eine Sensation. Denn die 76er-Mannschaft war alles andere als ein Favorit. Zunächst als Olympiatouristen betitelt, haben sie im letzten Spiel die Chance auf Bronze. Dafür war aber ein deutlicher Sieg gegen die starken Amerikaner nötig. Zunächst scheint das 4:1 aber nicht zu reichen.

Schade schade, ist vorbei. BRD bezwingt USA mit 4:1 Toren, aber die Bronzemedaille haben sie nicht erreicht. Original-Kommentar

Haben sie doch – einer eher unbekannten Regel sei Dank. Die Deutschen hatten im Vergleich zu Schweden den minimal besseren Torquotienten, also ein besseres Verhältnis der Tore und Gegentore zueinander. "Dieser Krimi, mit 0,041 mit dem Torquotienten, da muss ich sagen, des bleibt natürlich in Erinnerung. Und eins ist klar: einmal Olympia, immer Olympia. Und eine Bronzemedaille im Eishockey, so wie das bei uns war, das bleibt immer", so Alois Schloder.

Die Geschichte des Erfolgs ist legendär. Und hat den Weg geebnet für das Eishockey, das wir heute kennen. Der Sieg der 76er-Helden bedeutete einen Aufschwung. Eishockey wurde für Zuschauer und Freizeitsportler populär.

Ein Grundstein, der bis heute trägt. "Eishockeysport boomt, die Zuschauer kommen, und das macht Spaß, wenn man die Entwicklung mitverfolgt, weil auch 76 so ein bisschen der Impulsgeber war", glaubt Reindl. Was die Eishockeygenerationen bis heute eint, ist der Teamgeist. Erfolge gemeinsam erleben und feiern können – das geht nur, wenn Top-Einzelspieler zu einer Mannschaft zusammenwachsen. So wie 2018.

Schon das Erreichen des Finals – der größte Erfolg der deutschen (Olympia-)Eishockeygeschichte jemals. Die Niederlage gegen Russland in der Verlängerung denkbar knapp – die Leistung Silber unvergleichlich.

Ansporn für aktuelle DEB-Auswahl

Olympische Überzeugung braucht jetzt auch das aktuelle DEB-Team für die Spiele in Mailand. Im starken, mit NHL-Stars gespickten Turnier spielt auch die wohl beste deutsche Mannschaft jemals – um Fahnenträger Leon Draisaitl. Das Team startet mit einem Auftaktsieg ins Turnier, fand gegen Lettland aber nicht ganz zusammen und kassierte anschließend ein 1:5 gegen die USA. Nun braucht es den Kampfgeist für das nächste Spiel umso mehr.

"Es war bei uns genauso 2018, dass wir uns über das Turnier auch entwickelt haben, dann den einen Moment vielleicht auch hatten, wo wir dann wirklich an uns geglaubt haben. Vielleicht steht der jetzt bei der jetzigen Mannschaft noch aus. Ich glaube trotzdem, dass sie alles schaffen können", sagt der ehemalige Eishockeyspieler Patrick Reimer.

Klappen könnte das mit der 76-Erfolgsformel von Kapitän Schloder: "Alles auf dem Eis lassen. Wenn es dann nicht klappt, dann waren die anderen besser. Aber alles rauslassen, das ist eben wichtig." Mit diesem Motto sind die Mannschaften vor 50 und vor acht Jahren auch nach Niederlagen zurück ins Turnier gekommen. Könnte so also auch bei Olympia 2026 Geschichte geschrieben werden?

"Ich würde mich auf jeden Fall freuen über ein neues Eishockeywunder. Aber das ist natürlich ein langer Weg. Es muss alles passen. Und ich hoffe, dass sie den Ehrgeiz, den Kampfeswillen und natürlich auch das nötige Quäntchen Glück haben, um am Ende dann ganz oben zu stehen", sagt Reimer. Wenn in Mailand alles zusammenkommt, dann feiert beim nächsten Jubiläum eine weitere Eishockeygeneration mit.

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